Die Echo-Trophäe.
Das Aus des Musikpreises Echo ist beschlossen. Bildrechte: dpa

Nach Eklat um Rapper Kollegah und Farid Bang Musikpreis Echo wird abgeschafft

Die Echo-Trophäe.
Das Aus des Musikpreises Echo ist beschlossen. Bildrechte: dpa

Aus für den Echo: Der Bundesverband Musikindustrie hat das Ende des Musikpreises beschlossen. Die Marke Echo sei durch den Eklat um die Auszeichnung der Rapper Kollegah und Farid Bang so stark beschädigt worden, dass ein vollständiger Neuanfang notwendig sei. Das teilte der Bundesverband am Mittwoch in Berlin mit. Damit reagierte er auf die Kontroverse um die Preisvergabe an ein Album der Rapper Kollegah und Farid Bang, das als antisemitisch kritisiert worden war.

Der Entschluss ziehe auch eine Neuaufstellung beim Echo Klassik und beim Echo Jazz nach sich. Die anstehenden Jazz-Preise sollen am 31. Mai in Hamburg in kleinerem Kreis ohne TV-Inszenierung verliehen werden. Der Echo gehört zu den wichtigsten Musikpreisen in Deutschland.

Die Rapper Kollegah und Farid Bang feiern auf der Party nach der 27. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo.
Die Rapper Kollegah und Farid Bang nach der Verleihung des Echo 2018 Bildrechte: dpa

Folgen hat der Eklat nun aber auch für Kollegah und Farid Bang: Wie die Plattenfirma der Rapper am Mittwoch mitteilte, hat sie die Zusammenarbeit mit den beiden Künstlern beendet. Die Bertelsmann Music Group (BMG) hatte in Kooperation mit den Labels Banger Musik und Alpha Music Empire 2017 das umstrittene Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" veröffentlicht. BMG hatte noch in der vergangenen Woche erklärt, die Zusammenarbeit ruhen lassen zu wollen.

Keine Plattform für Antisemitismus und Frauenverachtung

In einer außerordentlichen Sitzung hatte der Vorstand des Bundesverbandes am Dienstag das Ende des Preises beschlossen. Der Echo sei viele Jahre ein "großartiger Preis" und zugleich zentrales Branchenevent gewesen. Der Vorstand wolle jedoch keinesfalls, dass dieser Musikpreis als Plattform für Antisemitismus, Frauenverachtung, Homophobie oder Gewaltverharmlosung wahrgenommen werde.

Das Geschehene, wofür der Vorstand sich entschuldigt habe, könne zwar nicht mehr rückgängig gemacht werden. Man werde aber dafür sorgen, dass sich ein solcher Fehler in Zukunft nicht wiederhole. "Für eine Konkretisierung der Änderungen wird sich der Vorstand die erforderliche Zeit nehmen", hieß es.

BAP-Sänger Wolfgang Niedecken begrüßte die Entscheidung des Bundesverbandes Musikindustrie. Er sagte, die Abschaffung des Echos sei eine "nachvollziehbare, gute Entscheidung". Nach der jüngsten Verleihung hatte Niedecken Vorwürfe gegen die Veranstalter erhoben. Man habe ihn und Klaus Voormann bei der Verleihung "ganz einfach ins Messer laufen lassen", kritisierte er auf Facebook. Niedecken hatte bei der Echo-Verleihung den Preis für das Lebenswerk an Musiker und Grafiker Klaus Voormann überreicht. Voormann gab später seine Trophäe zurück.

Rapper trotz Kritik ausgezeichnet

Bei der Echo-Gala vor zwei Wochen waren die Rapper Kollegah und Farid Bang für ihr Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" in der Kategorie Hip-Hop/Urban National ausgezeichnet worden, obwohl bereits ihre Nominierung auf großen öffentlichen Protest gestoßen war. In ihrem aktuellen Album findet sich etwa die Textzeile "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow". Auf der Bonus-EP des Albums heißt es im Song "0815": "Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen".

Nach der Preisverleihung hatten zahlreiche Musiker aus Protest ihre Echos zurückgeben – darunter Stardirigent Daniel Barenboim und Marius-Müller Westernhagen. Der Beirat hatte vor der Preisvergabe die Textzeilen der Rapper kritisiert, aber gegen einen Ausschluss von der Preisverleihung votiert.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 25. April 2018 | 15:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. April 2018, 15:26 Uhr

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