"Earth" Radiohead-Gitarrist Ed O'Brien legt erstes Soloalbum vor

Die britische Rockband Radiohead gönnt sich gerade eine Auszeit, die ihre Mitglieder primär für Soloprojekte zu nutzen scheinen. Gitarrist Ed O'Brien hat mit "Earth" so seinen allerersten Alleingang vorlegt. Es ist ein Album, das zwischen seinem selbstgewählten Lebensmittelpunkt Brasilien und der alten Heimat Wales entstanden ist. Er bringt darauf Brexit-Kritik und Vogelschutz zusammen. "Earth" scheint wie ein fehlendes Glied im Reigen der Radiohead-Alben und ist dennoch eigenständig.

Radiohead-Gitarrist Ed O'Brien
Edward John O'Brien, auch EOB, hat sein erstes Soloalbum veröffentlicht Bildrechte: dpa

Ed O'Brien ist Gitarrist der Band Radiohead, außerdem Umweltaktivist und Vogelkundler. Der 1,96-Meter-Mann gilt seit 29 Jahren als ruhender Pol der Rockmillionäre aus Oxford, als derjenige, der die Band zusammenhält und nie irgendwelche Solo-Ambitionen hatte. Bis er 2013 mit seiner Familie nach Südamerika zog.

Dort hatte er "eine Reihe von Eingebungen", erklärt er, die erste beim Hören des Albums "Screamadelica" von Primal Scream, das ihn umgehauen hat und in ihm den Gedanken pflanzte: "Das ist die Art von Musik, die ich machen möchte." Die zweite Eingebung war, den Sambadrome beim Karneval in Rio zu besuchen, was ihn ebenfalls nachhaltig beeindruckte:

Eine solche Show habe ich noch nie erlebt: Eine Explosion aus Licht, Rhythmen und Liebe. Ein unvergesslicher Moment. Auch da dachte ich: 'Egal, was ich mache, ich muss unbedingt ein paar Elemente davon aufgreifen.'

Ed O'Brien über den Sambadrome beim Karneval in Rio

Zwischen Trump-Kritik und Vogelschutz

Das Britische und das Brasilianische kombiniert Ed O'Brien nun auf seinem Solo-Debüt "Earth", das sich als spannender Grenzgang zwischen den Kulturen, zwischen Gitarrenrock und Electronica erweist. Ein Album, wie es Radiohead nie gemacht haben und das wie das fehlende Bindeglied zwischen "OK Computer" und "Kid A" anmutet – mit bissigen, mahnenden Texten über die sozio-politischen Missstände der heutigen Zeit: Trump, Brexit und Bolsonara. Aber auch Aufnahmen von bedrohten Singvögeln, für die sich O'Brien seit einigen Jahren engagiert:

Radiohead-Gitarrist Ed O'Brien
Im Herbst hat Ed O'Brien eine kleine Solotour geplant, die ihn auch nach Deutschland führen soll Bildrechte: imago stock&people

Es ist schockierend, was da passiert. Eine Menge Zugvögel und ihre Lebensräume sind bedroht. Nicht zuletzt deshalb, weil wir in Großbritannien immer weniger unbesiedelte Flächen haben. Aber auch, weil sie jedes Jahr, wenn sie nach Süden fliegen, über Frankreich abgeschossen werden. Das ist eine Tradition, die etwas Barbarisches hat.

Ed O'Brien

Inspiration von und für Radiohead

Starke Worte eines starken Debütanten, der viel von Radiohead übernimmt, dem man die Zugehörigkeit zu einer der wichtigsten, weil mutigsten Band der 90er und 2000er in jeder Note anhört – der aber gleichzeitig auch eigene Akzente setzt. Die könnten sich in Zukunft auch positiv auf die Musik seiner Stammformation auswirken und für frische Impulse sorgen. Doch noch, so O'Brien, haben seine Kollegen sein Werk aber nicht gehört. "Es ist lustig, aber die Frage wird mir oft gestellt. Eben: 'Was halten die anderen davon?' Dabei bin ich bereits das vierte Radiohead-Mitglied, das ein Solo-Album veröffentlicht. Und bislang kam niemand auf die Idee, die anderen darüber in Kenntnis zu setzen oder ihnen etwas vorzuspielen. Bislang habe ich jedenfalls nichts von ihnen gehört – und erwarte das auch nicht. Denn wir haben eine ungeschriebene Regel, die besagt: 'Jeder lässt jeden sein Ding machen.'´ Das ist die Art, wie die Band funktioniert."

Radiohead-Gitarrist Ed O'Brien
Auftritt der Band Radiohead Bildrechte: imago stock&people

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. April 2020 | 06:15 Uhr

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