Edgar Hilsenrath
Edgar Hilsenrath Bildrechte: imago/teutopress

Trauer Schriftsteller Edgar Hilsenrath gestorben

Edgar Hilsenrath
Edgar Hilsenrath Bildrechte: imago/teutopress

Der in Leipzig geborene Schriftsteller Edgar Hilsenrath ist tot. Wie seine Ehefrau Marlene bestätigte, starb er am Sonntag im Krankenhaus Wittlich in Rheinland-Pfalz nach einer Lungenentzündung. Er wurde 92 Jahre alt.

Der deutsch-jüdische Autor wurde in den 1970er-Jahren mit dem Roman "Der Nazi & der Friseur" bekannt. Das Buch handelt von einem Nazi, der sich nach Ende des Zweiten Weltkrieges als jüdischer Friseur ausgibt, und gilt als satirisch-groteske Betrachtung des Holocaust. Für Hilsenrath war das Buch sein internationaler Durchbruch. Er verkaufte weltweit Millionen Bücher, vor allem in den USA, Frankreich und Italien.

Sehr witzig, sehr geistreich, aber unglaublich scharf: Hilsenrath macht keine Gefangenen, wenn er schreibt. Bei ihm kommen Typisierungen ganz drastischer Art vor. Aber eben immer mit dem klaren Recht desjenigen, der so ziemlich alles erlitten hat außer dem Tod, was man in dieser Generation und von Juden in Europa leider Gottes erleiden musste.

Andreas Platthaus, Chef des Ressort "Literatur und literarisches Leben" der FAZ, über das Schreiben von Edgar Hilsenrath

In die Ukraine verschleppt

Hilsenrath wurde in Sachsen geboren und wuchs in Halle an der Saale auf, bis die Familie 1938 nach Rumänien floh. Von dort wurde er als 17-Jähriger in ein jüdisches Ghetto in der Ukraine deportiert. In den 50er-Jahren emigrierte Hilsenrath in die USA und begann dort zu schreiben. 1975 kehrte der Autor nach Deutschland zurück.

Sein Erstlingswerk "Nacht" über den Überlebenskampf im Ghetto erschien 1966 in den USA. Weitere bekannte Werke sind "Das Märchen vom letzten Gedanken" und "Die Abenteuer des Ruben Jablonski". Mit "Berlin ... Endstation" veröffentlichte Hilsenrath 2006 seinen letzten Roman.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 01. Januar 2019 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Januar 2019, 11:19 Uhr