Elton John, 2015
Elton John hat nun seinen Abschied von der Bühne angekündigt. Bildrechte: dpa

Zum Filmstart von "Rocketman" Elton John - Pophits, Brillen, Depressionen

Die Musik von Elton John schätzt unser Musikkritiker Stefan Maelck seit seiner Schulzeit. Das Album "Goodbye Yellow Brick Road" war seine Initialzündung. Es folgten Hits aber auch Durststrecken in der Laufbahn des britischen Musikers. Auch hatte er mit persönlichen Problemen zu kämpfen, so mit Drogen und Depressionen, Verkleidungen und Versteckspiel. Ein persönlicher Überblick über die bemerkenswerte Karriere des Elton John.

Stefan Maelck, MDR KULTUR-Moderator und Musikredakteur
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von Stefan Maelck, MDR KULTUR-Musikkritiker

Elton John, 2015
Elton John hat nun seinen Abschied von der Bühne angekündigt. Bildrechte: dpa

Schon als Schüler bekam ich mit, dass Elton John nichts für die Schuldisco war, sondern etwas für Zuhause. Ich kannte "Rocket Man" und "Saturday Night’s Alright for Fighting", als ich Elton Johns Album "Goodbye Yellow Brick Road" erstmals komplett hörte. Erschienen war sein siebtes Album 1973, ich konnte es 1975 dank der DT 64-Sendung Duett "Musik für den Rekorder" in drei Teilen mitschneiden.

Schon die Eröffnung des Doppel-Albums mit "Funeral for a Friend/Love Lies Bleeding" war eine Offenbarung. Mit etwas über elf Minuten Länge Minuten war es schon ein ganzes Werk und passte auch für mich in die Zeit - lange Stücke waren damals beliebt, ob "Echoes" von Pink Floyd oder "Thick as a Brick" von Jethro Tull.

Liebe zum Detail

Elton John, 1979
Ohne Brille erkennt man ihn kaum, Elton John 1979 Bildrechte: dpa

Doch Johns Musik war anders, poppiger aber trotzdem ernsthaft, tief, nie kitschig. Selbst "Candle in the Wind", das auch auf "Yellow Brick Road" zu finden ist, wurde erst kitschig, als John es nach dem Tod von Lady Di in "Goodbye English Rose" umdichtete. Im Original eine Verneigung vor Marilyn Monroe, war es so etwas wie die perfekte Pop-Ballade.

"Yellow Brick Road" war ein Album voller Details und stilistischer Fülle. Im Grunde ist es so etwas wie die Blaupause für beinah alles, was später im Werk von John eine Rolle spielen sollte. Was mir schon damals auffiel, war diese überbordende Kreativität. Die 17 Songs ballerte John in 15 Tagen raus, wie ich später erfuhr. Es waren zwar nicht alles Hits, aber auch die Füller immer noch besser als das meiste, was man im Pop so geboten bekommt.

Erster Überraschungshit

Viele Stücke wie "Benny and the Jets" sind bis heute beliebte Live-Songs. John hat das Stück live immer wieder variiert, spielte es 1975 bei "Soul Train" und sogar 1985 bei "Live Aid". Der Text von Bernie Taupin ist eine Persiflage des Musikbusiness, "Bennie and the Jets" erzählt die Geschichte einer fiktionalen Rockband. Eigentlich sollte der Song gar nicht als Single erscheinen, die Band liebte das Stück nicht sonderlich und dann wurde es der erste Top 40 Hit für Elton John. Aber "Yellow Brick Road" hatte auch geheime Hits, Stücke, die einen heute noch umhauen, wenn man sie hört, wie zum Beispiel "I’ve Seen That Movie Too".

Fans tragen 2013 in der Waldbühne Berlin bei dem Konzert von Sir Elton John Brillen mit seinem Namen.
Elton John hat viel für den Coolness-Faktor von Sehhilfen getan Bildrechte: dpa

Der Preis des Erfolgs

"Glück und Ruhm sind so flüchtig, ich bin einfach froh, dass ich noch da bin", singt Elton John auf seinem 2004er Album "Peachtree Road". Und wer die Biografie dieses begnadeten Songschreibers ein wenig kenn, der weiß: das ist keine lehre Pose. Der Mann hat dafür bezahlt, so oft im Leben von der Muse geküsst worden zu sein, um so viele Ohrwürmer zu schreiben. Drogen und Depressionen, Verkleidungen und Versteckspiel, aufgepumptes Ego und plötzlich luftleere Hülle.

Elton John
Elton John hatte Phasen exzessiven Drogenkonsums Bildrechte: dpa

Manchmal hatte man sich gewünscht, John würde sich einfach mal wieder wie in den Anfangsjahren ans Piano setzen und Songs schreiben wie "Tiny Dancer" oder "Don’t Let the Sun Go Down On Me". Lieder ohne den ganzen Zuckerguss, der ihm in den 80ern und 90ern dort aufgeschwatzt wurde, wo er früher seine Kostüme kaufte. In diesem Sinne könnte man bei seinen letzten drei Alben von einem Comeback sprechen, obwohl John nie weg war. 20 Jahre lang hat uns ein schlechter Elton-John-Darsteller einzureden versucht, er sei es selbst. Hört man die neueren Lieder, dann weiß man, dass es nicht anders gewesen sein kann.

Neuer Anlauf im neuen Jahrtausend

Elton John
Elton John ist einer der internationalen Popstars, der seit Jahrzehnten ganze Stadien füllt Bildrechte: dpa

Bernie Taupin, der heute in Colorado Pferde züchtet, hat die wunderbaren Texte geschrieben, zu denen John seine schönsten Melodien einfielen. Stets eine Mischung aus Bestandsaufnahme, Verschwörungstheorie, Provokation und britischem Humor. Als die beiden mal zerstritten waren, schrieb John nur Schund.

Dann hat es im neuen Jahrtausend ein paar Alben Anlauf benötigt, um dann 2006 ein Meisterwerk wie "The Captain and The Kid" vorzulegen. "Songs from the Westcoast" (2001) und "Peachtree Road" (2004) klangen dagegen wie Aufnahmen aus dem Trainingslager für Johns größten Wurf seit 30 Jahren. Ein Album als Amalgam aus frischem Quellwasser und der Paranoia des 11. September 2001 und natürlich ein Verweis auf den Elton-John-Klassiker "Captain Fantastic & The Brown Dirt Cowboy" von 1975, dem besten Album neben "Goodbye Yello Brick Road".

Film über das Leben des Künstlers

Film  Still "Rocketman" 1 min
Bildrechte: Paramount

Ein Film über das Leben von Musiker Elton John.

Mo 27.05.2019 17:13Uhr 01:05 min

https://www.mdr.de/kultur/video-304490.html

Rechte: Paramount Pictures

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. Mai 2019 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Mai 2019, 04:00 Uhr

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