Filme, Konzerte & Ausstellungen Das sind die Highlights der Achava-Festspiele 2020

Die Achava-Festspiele in Thüringen drehen sich um den interreligiösen und interkulturellen Dialog, ausgehend von einer jüdischen Perspektive. Vom 10. bis 20. September 2020 locken zahlreiche Veranstaltungen nach Erfurt, Eisenach, Jena, Weimar und erstmals auch nach Arnstadt. Hier eine Auswahl an Veranstaltungen.

Musikgruppe beim Achava Festspiele 2020
Die Syriab Band Bildrechte: Achava Festspiele/Marie Liebig

Konzert: Nerly BigBand meets Syriab Band

Das Konzert von Syriab Band und Nerly BigBand ist Premiere und Experiment zugleich: Die Klänge des Orients werden sich dabei mit klassischem Bigband-Sound mischen. Die Erfurter Nerly BigBand besteht seit zwölf Jahren und ist ein dynamischer Klangkörper aus achtzehn Solisten, im Repertoire hat die Band überwiegend Songs aus dem Swingbereich, aber auch Latin und Funk sind zu hören.

Die Syriab Band dagegen spielt orientalische Folklore in kammermusikalischem Gestus. Das Ensemble war ein syrisches Orchester mit 40 Mitgliedern, das in Syrien in verschiedenen Kulturstiftungen und Konzertsälen auftrat. Wegen des Krieges sind die Musiker heute in der ganzen Welt verstreut, einige leben in Deutschland und bringen hier unterschiedliche Musikrichtungen auf die Bühne. Die Nerly BigBand und die Syriab Band haben noch nie zusammen gespielt – hier wird also etwas völlig Neues entstehen.

Zeit & Ort Freitag, 11. September, 19:30 Uhr, Zughafen Erfurt


Achava Festspiele 2020
Visualisierung des verhüllten Rathauses. Bildrechte: Achava Festspiele

Intervention: Wir sind hier!

Das sich im Bau befindliche und eingerüstete Rathaus von Weimar fungiert für vier Wochen als Symbolort für das Erinnern: Ein großformatiges Foto der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald vom April 1945 wird die Rathausfassade komplett einhüllen. In den Abendstunden werden zudem Porträts von Buchenwald-Überlebenden auf das Gebäude projiziert, die der Fotograf Thomas Müller für sein Projekt "Die Zeugen" angefertigt hat.

Tagsüber wird auf einer großformatigen Videowand vier Mal täglich der 2012 entstandene Dokumentarfilm "Ottomar Rothmann – Mensch" des Regisseurs Thomas Kutschker gezeigt. Rothmann war seit 1943 Häftling im Konzentrationslager Buchenwald. Im Gespräch mit Filmemacher Thomas Kutschker beschreibt er das alltägliche Leben der Häftlinge, von der Ankunft bis zum Tod. Die Intervention ist eine Zusammenarbeit von Achava, Kunstfest, Gedenkstätte Buchenwald, Stadt Weimar und Genius-Loci-Festival.

Zeit & Ort 12. September bis 12. Oktober, Projektion ab 20 Uhr, Rathaus der Stadt Weimar


Eine Frau schaut in die Kamera
Eva Stocker Bildrechte: Achava Festspiele

Film: Der Krieg gegen die Juden

Eva Stocker weiß selbst nicht, wer sie wirklich ist. Ihre Kindheit verbrachte sie in einer ungarischen Stadt, wuchs, ohne es zu wissen, bei Adoptiveltern auf. Ein zufällig entdeckter Zettel in einem Schuhkarton löste die Suche nach dem eigenen Ich aus und wurde Jahrzehnte später zur Motivation für den nun längsten Film ihres Lebens: Denn Stocker wurde als kleines Kind aus einem der Züge gereicht, die nach Auschwitz fuhren. Ein Bahnbeamter nahm sie entgegen und rettete so ihr Leben.

In ihrem Dokumentarfilm lässt die Regisseurin viele Menschen zu Wort kommen, zeigt sie im privaten Umfeld und hört ihnen zu. 300 Stunden Material wurden hier verarbeitet, dazu kamen Archivrecherchen in Washington, Genf, Dachau und Auschwitz. Das Screening in Arnstadt ist eine Uraufführung.

Zeit & Ort Dienstag, 15. September, 19 Uhr, Liebfrauenkirche Arnstadt


Szene aus einem Theaterstück mit zwei Frauen
Szene aus "Die Euphorie des Seins" Bildrechte: Achava Festspiele/Elena Kaufmann

Film: The Euphoria of Being – Die Euphorie des Seins

Éva Fahidi-Pusztai war 18 Jahre alt, als sie gemeinsam mit ihrer Familie nach Auschwitz deportiert wurde. Sie überlebte als Einzige. Seitdem will sie ihre Geschichte weitertragen – auch mit unkonventionellen Mitteln. Weil ihr Enkel keine Bücher liest, hat sie nun einen Film gemacht, in dem die Erlebnisse mit den Mitteln des Tanzes dargestellt werden.

Gemeinsam mit Regisseurin und Choreographin Réka Szabó und der Tänzerin Emese Cuhorka ist eine Performance entstanden, der Film dokumentiert die monatelange Probenarbeit. Schnell entwickelt sich eine intensive Beziehung zwischen den drei Frauen. Der dialogische Prozess schwemmt schmerzhafte Erinnerungen wieder an die Oberfläche. Mehr und mehr wird die performative Arbeit zur Auseinandersetzung mit dem Trauma.

Vor dem Film findet ein Livestream-Gespräch mit der Protagonistin Éva Fahidi-Pusztai statt.

Zeit & Ort Samstag, 19. September, 19:30 Uhr, Aula der Friedrich-Schiller-Universität Jena


Ein Mann auf einer Leiter an einem Olivenbaum
Nihad Dabeet beim Anfertigen der Skulptur Bildrechte: Achava Festspiele/Ilan Nachum

Intervention: Einweihung des Paradiesbaumes

Auf einem zentralen Platz in Jerusalem steht ein Symbol für Hoffnung und Frieden: es ist die aus Stahl und Kupfer geschaffene Skulptur "Dream of an Olive Tree" des israelischen Künstler-Duos Ruth Horam (86, aus Jerusalem) und Nihad Dabeet (46, aus Ramle). Dieser gemeinschaftlichen Arbeit einer Jüdin und eines israelischen Arabers liegt der Gedanke von Menschlichkeit und Dialog zu Grunde.

Ab dem 12. September wird nun auch in Erfurt ein solcher Paradiesbaum auf dem Petersberg aufgebaut, Nihad Dabeet wird über zehn Tage die aus Israel verschifften Teile der Skulptur zusammenbauen. Dazu kommen dann noch die Blätter: Bereits seit Oktober 2019 wurden in Thüringen Kupferblätter für den Paradiesbaum verkauft, mit denen die Skulptur letzten Endes finanziert werden soll. Diese können nun auf dem Petersberg vorbeigebracht werden, der Künstler befestigt sie dann selbst am Baum.

Zeit & Ort Aufbau 12. bis 20. September, täglich 10 bis 18 Uhr
Vernissage 20. September, 17 Uhr
Erfurter Petersberg

Kultur in Thüringen

altes Bild der Synagoge Arnstadt 4 min
Bildrechte: Jan Kobel

Martin Schwartz baute einst die Synagoge von Arnstadt, die beim Novemberpogrom 1938 niedergebrannt wurde. Eine Ausstellung in Arnstadt im Rahmen der Achava Festspiele macht nun auf dieses Erbe aufmerksam.

MDR KULTUR - Das Radio Do 10.09.2020 06:00Uhr 03:55 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. September 2020 | 07:10 Uhr