Eine Violine neben einer Mandoline
Bildrechte: imago/blickwinkel

Plattenkritik Anna Torge bringt Mandoline und Violine auf Augenhöhe

Der Name des Ensembles "Il cantino" ("Die Kantine") zeigt: Die Künstler sind Genießer. Ihr Album mit barocken Stücken für Geige und Mandoline ist auch ein Genuss – und es hält Überraschungen bereit.

von Claus Fischer, MDR KULTUR-Musikkritiker

Eine Violine neben einer Mandoline
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Es gibt nur einen Ort in Deutschland, an dem man Mandoline studieren kann: In Wuppertal, an der dortigen Dependance der Kölner Musikhochschule. Die gebürtige Münchnerin Anna Torge hat dieses Studium absolviert. Die Mandoline, sagt sie, hat sie weit mehr fasziniert als die Gitarre.

Ein Grund ist natürlich: Die Mandoline ist viel kleiner und viel leichter. Und es ist viel leichter, mit ihr zu reisen … aber das ist natürlich nicht der Hauptgrund!

Anna Torge
CD-Cover Anna Torge, Mayumi Hirasaki: Mandolino e violino in Italia
Anna Torge und Mayumi Hirasaki schaffen auf ihrem Album ein wunderschönes Klangerlebnis, so unser Kritiker. Bildrechte: cpo

Die Mandoline ermöglicht es Anna Torge darüber hinaus, bislang unbeackertes musikalisches Terrain aufzuspüren. So habe es für sie großen Reiz, die Mandoline mit anderen Instrumenten zusammenzubringen und so neue Klangbilder entstehen zu lassen.

Die heute bekanntesten Werke für Mandoline aus der Epoche des Barock hat Antonio Vivaldi komponiert. Mit ziemlicher Sicherheit beherrschte er das Instrument auch selbst. Anna Torge spielt auf der CD die exakte Kopie einer Mandoline aus dem Umfeld Vivaldis. Das Original wurde um 1690 von einem Meister namens Marafi aus Mailand gebaut. Der deutsche Instrumentenbauer Günter Mark baute die Mandoline nach - "mit wunderschönen Verzierungen", wie Anna Torge erzählt.

Mandoline, stilecht mit einem Federkiel gezupft

Anna Torge zupft die Saiten ihrer Barockmandoline nicht mit einem schnöden Plektrum aus Kunststoff, sondern stilgerecht mit einem Federkiel. Das ergibt einen wunderbar intimen, lyrischen Klang. Und der passt perfekt zu den sanften, warmen Tönen der japanischen Barockgeigerin Mayumi Hirasaki. Zwei Instrumente auf Augenhöhe im Dialog – ein wunderschönes Klangerlebnis.

Neben Concerti und Trios von Antonio Vivaldi hat Anna Torge auch Werke der heute vergessenen Komponisten Carlo Arrigoni und Ranieri Caponi aufgenommen. Letzterer war, wie auch Antonio Vivaldi, im Hauptberuf katholischer Priester. Diese Kompositionen sind vielleicht nicht ganz so ausgefeilt wie die Vivaldis, aber lohnen dennoch die Entdeckung. Und auch das Mandolinenkonzert des einzigen deutschen Komponisten auf der CD, des Dresdner Hofkapellmeisters Johann Adolf Hasse, liebt Anna Torge sehr – obwohl das Notenmaterial eigentlich sehr einfach sei.

Ich finde es schon bewundernswert, wie jemand es mit wenigen Tönen schafft, so viel Musik auszudrücken.

Anna Torge

Il cantino - ein Ensemble aus Genießern

Die Mandolinistin Anna Torge und die Geigerin Mayumi Hirasaki haben sich bei einem Projekt des weltbekannten Barockorchesters Concerto Köln kennenglernt: "Nachdem ganz schnell klar war, dass es musikalisch wunderbar zusammenpasst, weil sie unglaublich sensibel fein spielt, hatten wir uns dann auf Kaffee und Kuchen getroffen, und daraus ist das CD-Projekt entstanden", erzählt Anna Torge.

Die Kaffeetafel wurde danach um einige befreundete Musiker erweitert - und so entstand das Ensemble "Il cantino", dessen Name nicht zufällig an das deutsche Wort "Kantine" erinnert, wie Anna Torge erklärt: "Alle anderen Kollegen sind auch Genießer – und so macht die Zusammenarbeit natürlich richtig Spaß." Und das hört man in jedem Fall.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. Mai 2018 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Mai 2018, 15:22 Uhr