Neues Album "Happier Now!" – Native Harrow bringt uns zurück in die Sixties

Was haben Musiker wie Zappa, Graham Nash, Joni Mitchell oder Jim Morrison gemeinsam? Sie alle haben im Laurel Canyon gelebt, einer Schlucht in den Santa Monica Mountains in der Nähe von Los Angeles. Ein mythischer Ort der Rockgeschichte. Songs wie "California Dreaming" wurden dort komponiert. Im Laurel Canyon hatte die Hippiegeneration ihren musikalischen Ursprung, in Woodstock fand sie vor 50 Jahren ihre Bühne. In der Woche des Jubiläums führt uns ein Album zurück in den Laurel Canyon.

von Johannes Paetzold, MDR KULTUR

"Mein Herz ist wie ein tiefer blauer Canyon" – so nähern sich Native Harrow dem Ursprung der Hippiebewegung musikalisch wie in den Texten sehr direkt: "Ich vermisse Kalifornien." Singt Devin Tuel – die eine Hälfte von Native Harrow. Genau betrachtet wurde sie genau auf der anderen Seite, an der Ostküste der USA groß, nämlich im Bundesstaat New York. Aber auf "Happier Now" lässt sie dem "West Coast Hippie Gefühl" freien Lauf. In den Texten. In den Melodien. In ihrer Stimme, den Phrasierungen, die immer wieder die große Lady des Laurel Canyon, Joni Mitchell, vor dem geistigen Auge einblenden:

Folk-Gitarren-Tunes und Psychedelic Rock-Beats

Joni Mitchell, auch Linda Ronstadt kann man als Muse und Einfluss sehr deutlich auf "Happier Now" heraushören. Devin Tuel selbst sagt, sie wollte als Jugendliche immer Patti Smith sein. Auf ihren ersten zwei Alben klangen Native Harrow noch ruppiger, elektronischer. Auf "Happier Now" lassen sie sich in die Folk-Gitarren-Tunes und Psychedelic-Rock-Beats von Crosby Stills Nash & Young fallen. Da ist nichts zufällig. Auf dem Cover kleidet sich Devin Tuel demonstrativ in Brokat, Plüsch und Paisley, die auch einem Roger McGuinn von den Byrds in jener Sixties Hippie-Ära gut standen:

Jamsession fürs Album

"Happier Now" entstand während einer kurzen Pause auf endloser Tournee durch die USA. Die Songs schrieb Native Harrow alias Devin Tuel während der Tournee. In nur drei Tagen wurden sie in einem Studio in Chicago aufgenommen. Jeden Morgen sprach sie mit Gitarrist Stephen Harms und Schlagzeuger Alex Hall die Songs des Tages durch. Ab dann wurde gejammt, wie in frühen CSN&Y-Tagen. Instrumente und Stimmen wurden nicht nacheinander getrennt aufgenommen, sondern entstanden im Studio, im Zusammenspiel. Ohne Overdubs, ohne Kopfhörer. Live. So hört man die Finger über die Gitarrensaiten rutschen.

Bukolisch schöne Hommage

"Happier Now" endet in einem typisch für Hippiezeiten ausufernd elegisch langem Stück: "Way to Light". Folk und Country paaren sich mit psychedelischem Rock, wie wir es von Bands wie CSN&Y, den Byrds, Canned Heat und den vielen anderen West Coast-Bands jener Tage kennen.

Happier Now ist ein sentimentaler "Trip Down Memory Lane". Zurück geht es zu einer der wichtigsten kreativen Brutstätten einer Ära. Dorthin, wo der Soundtracks einer ganzen Generation enstand, die auch die Nähe zur Natur suchte. "Happier Now" ist bukolisch schön, fast naiv in der Anmutung.

Trotz aller Rückwärtsgewandheit bleibt Happier Now nicht in der Sixties-Zeitschleife stecken. Diese neun Lieder zitieren nicht zweckfrei einen Ort und eine Glanzzeit der Rockgeschichte, sondern sind als Hommage zu verstehen, als eine Rückbesinnung auf Werte und Visionen einer Aufbruchs-Epoche, die wir heute mehr denn je brauchten. Zudem klingt sie noch wunderschön.

Angaben zum Album Native Harrow
"Happier Now"
Vinyl Junkie / Loose Recordings

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. August 2019 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. August 2019, 09:03 Uhr

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