Kunstmuseum Moritzburg Halle Antike reloaded - Winckelmanns Ideale heute

Johann Joachim Winckelmann gilt als Erfinder der modernen Kunstgeschichte. Anlässlich seines 250. Todestages zeigt das Kunstmuseum Moritzburg in Halle eine Sonderschau über den Liebhaber der Antike, wie er den Blick auf die Antike komplett veränderte und wie er die moderne Kunst prägte.

Die Kunstwelt feiert dieser Tage Johann Joachim Winckelmann (1717-1768). Der wortgewaltige Erfinder der modernen Kunstgeschichte brachte es vom armen Schusterssohn aus Stendal zum obersten Antikenaufseher im Vatikan.

Sein Leben und Wirken bietet reichlich Stoff, so nimmt das Kunstmuseum Moritzburg den 250. Todestag nun zum Anlass für die Ausstellung "Ideale. Moderne Kunst seit Winckelmanns Antike", die am Sonntag in Halle eröffnet wird. Als Gelehrter begründete Winckelmann die klassische Archäologie. Er war der erste, der die Antike aus einer rein ästhetischen statt antiquarischen Perspektive betrachtete und die Formel von der "edlen Einfalt und stillen Größe" dafür fand.

Rundgang durch fast drei Jahrhunderte

Karl Friedrich Schinkel (1781-1841): Die Erfindung der Malerei, 1830er Jahre Gouache, 26 × 29 cm
Karl Friedrich Schinkel (1781-1841): Die Erfindung der Malerei, 1830er Jahre Bildrechte: Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)

Wie sich der Blick auf die Antike im 18. und 19. Jahrhundert wandelte, zeigt die Schau. War für die Zeit Winckelmanns "das Schöne" noch unmissverständlich mit dem Idealen und moralisch Guten verbunden, so begann sich diese zwingende Verbindung bereits zu seinen Lebzeiten aufzulösen, was etwa die Arbeiten Francisco de Goyas in der Ausstellung vor Augen führen. Sie beleuchtet auch, wie die Antike im 20. Jahrhundert zugleich beschworen und verrätselt oder politisch umgedeutet wurde. Ein eigenes Kabinett zeigt so Leni Riefenstahls Olympia-Film "Fest der Völker" von 1936 im Kontext mit Skulpturen aus den 1920er-, 1930er- und 1950er-Jahren.

Für die Sonderschau arbeitete die Moritzburg eng mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zusammen, um mehr als 200 Jahre Antikenrezeption abzudecken. Zu sehen sind in der Schau Arbeiten von de Goya, Hans von Marées, Adolph Menzel, Max Klinger, Max Beckmann, Oskar Schlemmer, Arno Breker oder Georg Schrimpf.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kunstkalender | 01. März 2018 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. März 2018, 15:00 Uhr

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Vom 18. März bis zum 10. Juni 2018 Ideale. Moderne Kunst seit Winckelmanns Antike.

Ideale. Moderne Kunst seit Winckelmanns Antike.

Kunstmuseum Moritzburg Halle
Friedemann-Bach-Platz 5
06108 Halle (Saale)
T: +49 345 21259-0
F: +49 345 20299-90

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