Neues Album "Lucid" – Asa singt sich den Liebesfrust von der Seele

Das Haus ihrer Familie im nigerianischen Lagos ist voller Musik, von Aretha Franklin bis Fela Kuti. Dass Asa Sängerin wird, will ihr Vater nicht. Doch bei einem Austauschprogramm in Paris wird ihr Talent entdeckt. Eine Plattenfirma nimmt sie unter Vertrag, 2007 erscheint ihr Debüt, ein Riesenerfolg. Nur ein Jahr später erhält sie den renommierten Prix Constantin Musikpreis. Sie nimmt Songs mit Lenny Kravitz oder Katie Melua auf, tourt. Jetzt erscheint nach fünf Jahren Album-Pause "Lucid".

Asa ist für den kritischen Blick auf die Gesellschaft bekannt. Bei ihr gehen Pop und Politik zusammen, gerade deswegen hat man sie immer mit Tracy Chapman und Joan Armatrading verglichen. Schon beim ersten Song von "Lucid liegt die Vermutung nahe, Asa verfolge diesen weiter  Weg: "Murder in the USA", heißt der.

"Auf diesem Album besuche ich mich selbst"

Die französisch-nigerianische Sängerin Asa
Wandlungsfähig: Die französisch-nigerianische Sängerin Asa Bildrechte: Wagram Music/Tess O'Connor

Aber bei diesem Mord in den USA handelt es sich um eine fiktive Liebesgeschichte, wenn auch mit tödlichem Ausgang. "Sie" erschießt den Liebhaber und läuft davon. "Lucid" ist anders als die Vorgängeralben, sagt Asa: "Auf diesem Album halte ich mich von der Politik fern. Oder von Fragen des Planeten. Auf diesem Album besuche ich mich selbst. 'Hallo, wie geht es mir? Wer bin ich?' Da steckt kein Plan dahinter. Die Songs schrieben sich wie von selbst, aus meinen Lebenserfahrungen heraus. Nach meinem letzten Album war ich in einer engen Beziehung. Das war Neuland für mich. Das ist jetzt wieder vorbei. 'Lucid' hält diese Zeit fest."

Asa verarbeitet also eine unglückliche Beziehung. Sie schreibt sich ihren Frust von der Seele. Die Arbeit am Album wird zur Erlösung: "Ich habe mir beigebracht, überall zu arbeiten. Einen Song habe ich in einem Restaurant geschrieben. Einen anderen, während ich in der Botschaft darauf wartete, dass mein Pass verlängert wird. Ich kann überall schreiben. Aber: Ich brauche ein Fenster! Und den Blick auf den Himmel."

Mehr als ein Couchgespräch beim Therapeuten

Asa bei einem Pressetermin zu ihrem Album Lucid im n-how Hotel.
Hat ihre Umgebung studiert Bildrechte: imago images / Future Image

"Lucid" ist weit mehr als ein Couchgespräch beim Therapeuten. Asa hat sich Zeit gelassen, hat ihre Umgebung studiert auf der Suche nach Inspirationen für Songs: "Ich habe von einer Hochzeit in Indien gelesen. Die Braut wartete auf ihren Bräutigam. Aber der kam nicht. Dann stand ein Mann aus der Hochzeitsgesellschaft auf und sagt – dann werde ich sie heiraten! Ich habe das als Inspiration genommen für einen Song über das Warten. Ich habe einfach diesen Moment in der Kirche eingefroren. Solche Geschichten verarbeite ich in meinen Liedern. Ich denke, andere Frauen können sich da auch erkennen." Asa hat diese Indien Geschichte im Song "My Dear" verarbeitet. 

Neue Themen, neuer Sound dank Patrice und Marlon B

Asa findet auf "Lucid" neue Themen. Musikalisch geht sie ebenso einen großen Schritt nach vorne. Zur Seite stehen ihr erfahrene Produzenten: Patrice und Marlon B von den Söhnen Mannheims. Gerade mit Marlon B an ihrer Seite entdeckt sie neue Klangwelten. E- Gitarren und opulente Streicher-Arrangements kommen dazu. Der Sound wird breiter und epischer: "Auf diesem Album ist nichts digital. Du hörst den warmen Klang von Aufnahmemaschinen aus den Fünfzigern. Marlon B ist besessen. Er hat noch nicht einmal ein Handy. Er war genau der richtige 'Do it Yourself'- Typ für dieses Album. Das Motto war: 'Lass es uns alles so roh und gefühlvoll wie möglich aufnehmen. Und dann war da Patrice. Ein Superkünstler. Er hat für mich einen Beat gefunden, der perfekt passte."

"Lucid" handelt von schwierigen Zeiten, aber für Asa ist es auch ein Neubeginn. Schließlich heißt es ja: lucid, also licht, hell, klar. Songs wie "Good Thing" und "Happy People" stoßen schon wieder das helle Fenster zum Himmel auf, das für sie so notwendig ist wie die Luft zum Atmen. Bei allen melancholischen Tönen auf "Lucid", Asa hat definitiv ihr Lachen wiedergefunden – und sich selbst: "I like 'Lucid'. It s reflective, moody, happy. It's coming to myself."

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. Oktober 2019 | 07:40 Uhr

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