Qiao (Zhao Tao) rettet Bin (Liao Fan) das Leben und verliert dabei fast das eigene. © Neue Visionen Filmverleih
Qiao (Zhao Tao) rettet Bin (Liao Fan) das Leben und verliert dabei fast das eigene. Bildrechte: Filmverleih Neue Visionen

Neu im Kino "Asche ist reines Weiß" – melancholischer Gangsterfilm über den Wandel Chinas

Mafiaboss Bin herrscht über eine Millionenstadt. Als ihm seine Freundin Qioa bei einer Auseinandersetzung zu Hilfe kommt, wandert sie ins Gefängnis. Nach ihrer Haftstrafe kehrt sie in ein vom Turbokapitalismus verändertes Land zurück. Und ihre unmittelbare Umgebung verschwindet nach und nach im gigantischen Staudamm des Jangtse. Jia Zahnkge ("Still Life")ist einer der wichtigsten chinesischen Filmemacher unserer Zeit. Mit seinem ungewöhnlichen Gangsterfilm erzählt er vom Wandel der Verhältnisse.

Knut Elstermann
Bildrechte: Jochen Saupe

von Knut Elstermann, MDR KULTUR-Filmkritiker

Qiao (Zhao Tao) rettet Bin (Liao Fan) das Leben und verliert dabei fast das eigene. © Neue Visionen Filmverleih
Qiao (Zhao Tao) rettet Bin (Liao Fan) das Leben und verliert dabei fast das eigene. Bildrechte: Filmverleih Neue Visionen

Im Jahre 2001 regiert Mafiaboss Bin uneingeschränkt über eine Millionenstadt, mit harter Hand, aber auch einem gewissen Sinn für Gerechtigkeit. Bei einer mörderischen Auseinandersetzung kommt ihm seine Freundin Qioa mit einer Waffe zur Hilfe, wofür sie viele Jahre hinter Gitter geht, ohne ihren Geliebten je zu verraten. Sie kehrt, vom Gefängnis sichtlich gezeichnet, nach der Haftstrafe in ein vom Turbokapitalismus verändertes Land zurück. Auch die Landschaften, die Städte, in denen sie sich bewegt, werden bald im gigantischen Staudamm des Jangtse verschwunden sein.

Bin (Liao Fan) und seine Männer folgen einem klaren Wertekodex und haben ihr Territorium fest im Griff
Bin (Liao Fan) und seine Männer folgen einem klaren Wertekodex und haben ihr Territorium fest im Griff Bildrechte: Filmverleih Neue Visionen

Regisseur Jia Zahngke nutzt die Muster des Genrekinos mit seiner ganz eigenen, melancholischen Poesie, um vom Wandel der Verhältnisse zu erzählen: vom Vergehen der Zeit, mit Brüchen, Sprüngen, Verkürzungen, die für das Unstete der entwurzelten Existenz seiner Figuren stehen. Mit diesem ungewöhnlichen, realistischen Gangsterfilm, in dem es immer um die Gefühlswelt der Menschen statt um endlose Feuergefechte geht, zeigt Jia Zahngke ("Still Life") erneut, dass er einer der wichtigsten chinesischen Filmemacher unserer Zeit ist.

Genre: Romanze/Drama
Regie: Jia Zhangke
Darsteller: Zhao Tao, Liao Fan, Xu Zheng
Im deutschen Kino ab: 28. Februar 2019
Produktionsland: China
Bewertung: ★ ★ ★ ★ ☆ (4 von 5 Sternen)

MDR KULTUR Filmmagazin

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Filme der Woche | 28. Februar 2019 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Februar 2019, 04:00 Uhr

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