Holzschnitte und Kupferstiche Kunsthaus Apolda zeigt Meisterwerke von Albrecht Dürer

Albrecht Dürer ist ein Künstler, dessen Werke sich ins kollektive Gedächtnis eingeschrieben haben: etwa der "Feldhase" oder die "Betenden Hände". Nun zeigt das Kunsthaus Apolda über hundert Druckgrafiken des Ausnahmekünstlers, der vor 500 Jahren in Nürnberg lebte. Da viele Exponate der Ausstellung "Albrecht Dürer – Meisterwerke der Renaissance" sehr empfindlich sind, werden sie nur selten öffentlich ausgestellt.

Der Holzschnitt "Die apokalyptischen Reiter" (1497/98) von Albrecht Dürer wird im Kölner Wallraf-Richartz-Museum ausgestellt (Handout).
Ausschnitt aus Albrecht Dürers Holzschnitt "Die apokalyptischen Reiter" (1497/98). Bildrechte: dpa

Es ist ein Werk, das tosend daher kommt: Vier Reiter fegen auf ihren Pferden über Menschen hinweg, mit Schwert, Pfeil und Bogen metzeln sie alles nieder, was ihnen in den Weg kommt. Über ihnen ein Engel, der das Geschehen betrachtet. Dieser Holzschnitt von Albrecht Dürer lässt einen geradezu die Luft anhalten.

"Die apokalyptischen Reiter sind überaus dramatisch," sagt auch Kuratorin Susanne Flesche und deutet auf den oberen Teil des Bildes: "Weil dargestellt wird, wie der Engel verkündet, dass Tod, Hungersnöte und Krieg über die Menschen einher fallen. Und sozusagen alles niedermetzeln und die Menschheit untergeht."

Das Werk "Die apokalyptischen Reiter" entstand um 1497, im Rahmen einer 15-teiligen Holzschnittfolge mit dem Titel "Die Apokalypse". Keine leichte Kost, aber typisch für die damalige Zeit kurz vor der Jahrhundertwende. "Man prophezeite damals den Weltuntergang", so Flesche, "und der tiefreligiöse Mensch war natürlich voller Ängste, was auf ihn zukommen würde. Dürer sprach mit der Serie also geschickt die damalige Bevölkerung an."

Ein Künstler seiner Zeit

Susanne Flesche, Kuratorin, erläutert im Kunsthaus Apolda
Kuratorin Susanne Flesche vor dem Kupferstich "Adam und Eva". Bildrechte: dpa

Albrecht Dürer ist ein Maler, der nicht nur mit religiösen Motiven wie in der "Apokalypse" auf die Bedürfnisse der Menschen einging. Er arbeitete als selbstständiger Künstler und musste, um Geld zu verdienen, den Geschmack des Publikums bedienen. So fertigte er als erster Künstler überhaupt etwa Stadtansichten oder Aktbilder mit lebenden Modellen an. Kunsthistorikerin Flesche hebt hervor, dass Dürer es hervorragend verstanden habe, die verschiedenen Gruppen in der Käuferschaft zu bedienen, den Klerus wie auch das gebildete Bürgertum, das in Dürers Heimatstadt Nürnberg damals dem Humanismus zugewandt war. Diese Vielfalt an Motiven findet sich nun auch in der Ausstellung in Apolda wieder.

Feinheit in der Linienführung

Der heilige Hieronymus im Gehäus
"Der heilige Hieronymus im Gehäuse", 1514, Kupferstich Bildrechte: Stift Stams, Zisterzienserabtei

Albrecht Dürer wurde 1471 als Sohn eines Goldschmieds geboren. Bevor er sich als Künstler selbstständig machte, durchlief er eine Lehre bei seinem Vater. Kuratorin Susanne Flesche sagt, genau dieser Hintergrund als Goldschmied habe Dürer zum Ausnahmekünstler gemacht. Seine Holzschnitte und Kupferstiche zeichneten sich durch extreme Genauigkeit aus. So entwickelte Dürer unter anderem den sogenannten "Mittelton", eine Schraffurtechnik, mit der er eine damals nie zuvor gesehene plastische Wirkung bei seinen Druckwerken erreichte.

Nur selten zu sehen

Insgesamt sind in der Ausstellung über hundert Holzschnitte und Kupferstiche von Dürer zu sehen. Sie stammen aus der Zisterzienserabtei Stift Stams, die eine umfangreiche Dürer-Sammlung besitzt. Für das Kunsthaus war es sehr aufwändig, die 500 Jahre alten Bilder nach Apolda zu bringen, denn in Österreich müssen Kunstwerke vor Reisen ins Ausland auf Transporttauglichkeit überprüft werden. Man habe deswegen einen Restaurator beauftragt, ins Kloster zu fahren, erzählt Geschäftsführer Hang Jürgen Giese: "Der hat sich sämtliche Arbeiten angeguckt und musste auch ein bisschen was machen, etwa Passepartouts neu befestigen. Erst danach hat das Bundesdenkmalamt in Wien die Ausfuhrgenehmigung erteilt."

Mit der Dürer-Ausstellung ist dem Kunsthaus tatsächlich ein Coup gelungen, denn da die Druckgrafiken so empfindlich sind, werden sie nur selten ausgestellt. So hat man in Apolda nun die Chance, Meilensteine der Kunstgeschichte aus direkter Nähe zu bewundern: Etwa "Adam und Eva", "Die Melancholie" und "Der heilige Hieronymus im Gehäus". Bis Mitte April stellt das Kunsthaus sie aus – danach verschwinden sie wohl wieder für einige Zeit hinter dicken Klostermauern.

Die Melancholie, 1514, Kupferstich
Die Melancholie, 1514, Kupferstich Bildrechte: Stift Stams, Zisterzienserabtei

Informationen zur Ausstellung Albrecht Dürer – Meisterwerke der Renaissance

Kunsthaus Apolda Avantgarde
12. Januar - 13. April 2020
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10-17 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. Januar 2020 | 13:10 Uhr

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