Landschaftsfotografien Trotz Corona: Ausstellung in Erfurt mit Fotografien von Hans-Christian Schink

Andreas Höll
Bildrechte: MDR/Hendrik Kirchhof

Hans-Christian Schink beeindruckt mit seinen grandiosen Landschaftsfotografien. In seiner Geburtsstadt Erfurt sollte am Samstag eine große Retrospektive mit Bildern aus den letzten 30 Jahren in der Kunsthalle eröffnet werden. Doch wegen der Corona-Pandemie ist die Schau abgesagt. Die privat geführte Galerie Rothamel kann ihre parallel dazu geplante Ausstellung dagegen eröffnen. Denn für Galerien gelten im Gegensatz zu Kultureinrichtungen die Corona-Bestimmungen des Einzelhandels.

Pinguinkolonie
Eine Fotografie aus der Reihe "Antarctica" von Hans-Christian Schink Bildrechte: Hans-Christian Schink/Galerie Rothamel

Es sind fremde und exotische Welten – die Hans-Christian Schink in dieser Schau ausbreitet. So entführt er einen in eine grandiose Polar-Landschaft voller Erhabenheit.

Diese Serie heißt "Antarctica" – und dazu gehört auch eine großformatige Farbfotografie: "Man sieht im Vordergrund eine Art Felsplateau, im Mittelgrund eine Pinguinkolonie mit einer merkwürdigen rötlichen Farbunterlage und im Hintergrund eine Bucht mit eisbedeckten Felsen", erklärt der Fotograf das Bild. Die seltsame rote Farbe stamme von den Ausscheidungen der Pinguine und ihrer rötlichen Nahrung aus Krill und Krabben, "was dann diese Farbigkeit in einer sonst monochromen Landschaft einbringt."

Unwirkliche, ferne Welten

Die ebenso gedämpfte wie exquisite Farbigkeit entfaltet einen ganz eigenen Zauber – und das in der majestätischen Einsamkeit des ewigen Eises. Doch die Umstände, wie dieses Bild entstanden ist, die waren alles andere als märchenhaft und einsam. Denn Hans-Christian Schink war mit einem ganz normalen Kreuzfahrtschiff an diesen entlegenen Ort gekommen – und während er fotografierte, lärmten hinter ihm mehr als 80 Leute in knallroten Wetterjacken. Und auch ansonsten wollte keine romantische Stimmung aufkommen, wie der Fotograf erzählt: "Es ist im Gegensatz zu der Atmosphäre des Fotos sehr laut. Eine Pinguinkolonie produziert enormen Lärm und Gestank. Was man alles auf diesem Bild nicht sehen kann."

Aber das ist der Kontrast zwischen der Realität und der Überhöhung durch diese Fotografie.

Hans-Christian Schink, Fotograf

Dichter Wald
Dieses Bild aus Vietnam stammt aus Schinks Reihe "Bach Ma". Bildrechte: Hans-Christian Schink/Galerie Rothamel

Auch die Dschungelwelten von Vietnam erfahren eine fotografische Überhöhung. Man taucht ein in die üppige Vegetation des Urwalds – die Pflanzen wie Scherenschnitte vor einem milchig weißen Himmel. Es sind poetische Stillleben aus der Wildnis, und sie beschwören ein verwunschenes Paradies. Doch wiederum war alles ganz anders, so Schink: "In Vietnam strömt der Regen durch den Dschungel, ich versuche, meine Technik trocken zu halten und in wenigen Minuten die Bilder in den Kasten zu bekommen." Auf dem Bild entstehe dann eine ganz andere Atmosphäre, eine entrückte, fast außerweltliche. "Deshalb bin ich irgendwann auf die Formulierung gekommen, dass an den Orten, die diese Bilder zeigen, ich selber nie gewesen bin", erzählt der Künstler.

Fotografische Erkundungen der Heimat

Die eigenen Bilder als utopische Orte – das gehört wohl zu den verblüffendsten Erfahrungen des weit gereisten Fotografen. Doch die fernen Welten sind nur die eine Seite von Hans-Christian Schink. Denn seit fünf Jahren lebt der Künstler in einem kleinen Dorf in Mecklenburg. Und dort sucht und findet er seine Bilder in einem Umkreis von gerade einmal 50 Kilometern. Das bedeutet für ihn zugleich eine Neuentdeckung der Heimat, durch die vielen Reisen sei sein Blick auf die heimatliche Landschaft ein anderer geworden: "Ich fühle mich viel stärker sowohl in der Landschaft als auch in meinen eigenen Bildern aufgehoben."

Fotografie von Hans-Christian Schink, aus der Reihe "Hinterland"
Winterbild aus der Serie "Hinterland" Bildrechte: Hans-Christian Schink

Besonders deutlich wird das in seinen Winterlandschaften. Die stammen aus seinem Zyklus mit dem doppelsinnigen Titel "Hinterland." Hier erforscht der Fotograf die reduzierte Farbpalette von verschneiten Wäldern und Feldern: "Diese fast grafische Wirkung liegt mir persönlich sehr nahe. Es ist in gewisser Weise eine Hommage an den Winter." Wie oft werden wir tatsächlich noch so einen tief verschneiten Winter bekommen?, fragt sich Schink. Jene tiefschneehaften Arbeiten kann man hoffentlich bald sehen in der großen Retrospektive in der Kunsthalle Erfurt. Alles ist dort aufgebaut – doch die Bilder schlummern in einem tiefen Dornröschenschlaf. So heißt es warten auf den holden Prinz, der dem Corona-Spuk den Garaus macht.

Mehr Informationen zur Ausstellung "Hans-Christian Schink – Fotografie"
7. November bis 23. Dezember 2020

Galerie Rothamel
Kleine Arche 1 A
99084 Erfurt

Dienstag bis Freitag, 13 bis 18 Uhr
Samstag, 11 bis 16 Uhr

Am Eröffnungstag (7. November) von 14 bis 18 Uhr

Die Anzahl der Anwesenden ist auf 10 Personen begrenzt.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. November 2020 | 07:40 Uhr