"Nachbarschaften 2025" im Kunsthaus So will Dresden Kulturhauptstadt werden

Dresden will 2025 Europäische Kulturhauptstadt werden. Nun gibt die Ausstellung "Nachbarschaften 2025 - Eine Manufaktur der Visionen für Dresden und Europa" im Kunsthaus Einblicke in bürgernahe und nachhaltige Projekte, die der Bewerbung zum Erfolg verhelfen sollen. Birgit Fritz hat sich einen Überblick verschafft, was geplant ist.

von Birgit Fritz, MDR KULTUR-Landesredakteurin Sachsen

Laube
Ausstellungsobjekt in der Ausstellung "Nachbarschaften 2025". Bildrechte: Anja Schneider

Na, da kommt was auf sie zu, auf die Mieter des 15-Geschossers in der Florian-Geyer-Straße am Dresdner Kollwitz-Ufer: Ein vertikales Konzert für sie und mit ihnen, von Balkon zu Balkon! Eine ungewöhnliche Bühne, auch wenn die Idee nicht ganz neu ist. Lars Hillier vom zuständigen Projektteam erzählt, das Konzert sei ein soziales Experiment, bei dem man mit den Bewohnern zusammen finden müsse: "Dass sie a) mitmachen und b) Platz dafür schaffen irgendwo in ihrem Leben und ein Interesse daran entwickeln - das ist die Herausforderung mit der wir angefangen haben."

So hätte man sich im vergangenen Herbst mit den Bewohnern der Platte unterhalten und sie gefragt, was sie sich für Musik wünschten, erzählt Hillier. Eine Mischung aus Klassik, Bigband, Ostrock und Zeitgenössischem sei dabei herausgekommen, im Frühjahr 2020 soll das Hochhaus nun klingen.

Ins Gespräch kommen

Blick in einen Ausstellung
Objekte in der Ausstellung "Nachbarschaften 2025". Bildrechte: Anja Schneider

Das vertikale Konzert ist eines von sieben Projekten, die mit Workshops begannen und mit Modellen und Prototypen in der Ausstellung "Nachbarschaften 2025" eine neue Kultur des Miteinanders auf den Weg bringen möchten. Rund 140 Akteure aus Kultur, Verwaltung, Wissenschaft, Kunst und jede Menge Experten des Alltags haben sich gefunden, und an ganz verschiedenen Themen gearbeitet: etwa an einer Galerie der Artenvielfalt oder einer Kunstlaube, die als Museumsfiliale wieder ins Grüne wandern wird.  

Entstanden ist auch das Modell für eine mobile Bühne und Theater überall, eine Zeitung, die den vielfach politisch überformten Heidefriedhof beschreibt und Perspektiven der Trauerkultur diskutiert, samt Werkstatt, in der die Künstlerin Susan Donath den alten Brauch der Totenkronen aufnimmt. In Planung ist derzeit noch ein Labor der Leidenschaft im Rudolf-Harbig-Stadion, der Spielstätte des Fußballvereins Dynamo Dresden. 

Weg von Sockeln und Vitrinen

Vorangestellt ist der Ausstellung das Dresdner Müll-Manifest: eine Selbstverpflichtung zum nachhaltigen Umgang mit Ressourcen. Dies sei eine Herausforderung, der sich auch die Ausstellung selbst stelle, erklärt Christiane Mennicke-Schwarz, die Leiterin des Kunsthauses. Auf der Suche nach einem nachhaltigen Präsentationsmodus sei man etwa auf Obstkisten gestoßen.

Übrigens beziehen sich die Projekte nicht nur auf die Stadt. Die "Gesellschaft für Schönes und Nützliches Wissen" für den Austausch zwischen urbanen und ländlichen Räumen hat nicht nur knackige Äpfel und alte Ofenkacheln ausgelegt und ein Modell des umgebauten Busses, mit dem die Staatlichen Kunstsammlungen seit Oktober 2017 über Land fahren, sie will auch die Dorfdisco zu neuem Leben erwecken.  

Die Kunst kommt bei dieser Ausstellung rund ums nachbarschaftliche Tun und Denken nicht zu kurz, wie zum Beispiel die Fotoarbeiten von Margret Hoppe und Bertram Kober, die Holzschnitte Jan Brokofs, die witzige Reinszenierung von Schlüsselszenen eines legendären Fußballspiels und die großformatigen Zeichnungen von Maria Garcia Perez aus Madrid zeigen. Mit der Ausstellung wird zugleich das Kunsthaus nach Sanierung und der Ertüchtigung des Brandschutzes wiedereröffnet.

Informationen zur Ausstellung "Nachbarschaften 2025 - Eine Manufaktur der Visionen für Dresden und Europa"

Ein Projekt im Rahmen der Bewerbung Dresdens um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025.

im Kunsthaus Dresden

Eröffnung: 11. Mai 2019, ab 14 Uhr
Ausstellung: 12. Mai bis 25. August 2019

Zum Weiterlesen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. Mai 2019 | 17:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2019, 16:32 Uhr

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