Neues Album "Safe and Sound" von Awa Ly: Ein wohltuender Begleiter in den Frühling

Mit "Safe and Sound" legt Awa Ly den Nachfolger ihres gefeierten Debütalbums "Five and a Feather" vor. Zwar entfernt sie sich damit ein Stück vom Jazz, aber absolviert so einen einen großen Entwicklungssprung - in die richtige Richtung, findet unser Musikkritiker.

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"Safe and Sound" ist das zweite Album von Awa Ly. Bildrechte: flow.fish

Die Sängerin Awa Ly geht gerne ihren eigenen Weg und fühlt sich musikalisch wie geographisch an vielen Orten wohl. Wie sie selbst sagt, lebe sie an einer Kreuzung - und liebe das. "Zwischen Paris und Dakar liegt Rom. Da lebe ich. Das passt für mich." Für die 43-Jährige trage Italien ein bisschen Afrika schon in sich, liegt aber in Europa.

Musik mit vielen Facetten

Eine afrikanische Norah Jones? Oder eine europäische Miriam Makeba? Awa Ly lässt das offen. Mit "Safe and Sound" hat sie sich auf jeden Fall ein Stück vom Jazz entfernt und ist noch etwas geschmeidiger und zugänglicher geworden.

Awa Ly, 2011
Awa Ly Bildrechte: IMAGO

Ich komme vom Jazz, das ist keine Frage. Aber Jazz hat so viele Spielarten. "Safe and Sound" lässt sich weder Jazz noch Pop noch Weltmusik zuordnen.

Awa Ly, Musikerin

Die passenden Kooperationen

"Safe and Sound" ist gefühlvoll, melancholisch. Voller Soul. Etwas geschliffener als der Vorgänger, aber gleichzeitig erdiger, rootsiger. Dafür hat Awa Ly die passenden Mitspieler gefunden. Mit Anna Paceo, Frankreichs bester Jazz-Schlagzeugerin. Den anglo-italienschen Maler und Sänger Piers Faccini als Texter. Und Gitarrist Moh Kouyate, mit dem Awa Ly sich im Song "Ahead" sogar auf das Gebiet der Tuareg-Nomaden und ihrem Desert Blues wagt.

Der richtige Produzent zur richtigen Zeit

Die Musikerin hatte große Ansprüche für ihr zweites Album. Sie zog sich zurück auf eine kleine Insel. In der Abgeschiedenheit entstanden die meisten Songs. Mit dem klassischen Pianisten und Filmkomponisten Polerik Rouviere fand sie dann den richtigen Partner für den Feinschliff.

Rouviere sei der richtige Produzent für sie gewesen, weil sie etwas anderes machen wollte, so Ly. "Zuerst war ich etwas skeptisch. Vielleicht ist der zu sehr Pop für mich? Er hat dann probeweise drei Tracks bearbeitet und mir zugeschickt und ich war sprachlos." Es sei der Fall gewesen von: die richtige Person zur richtigen Zeit am richtigen Ort. "Der Sound, das bin immer noch ich, aber es hat sich viel drumherum verändert."

Weiblichkeit als zentrales Thema

Tausende Schüler nehmen zusammen mit der schwedischen Klima-Aktivistin Greta Thunberg an der Fridays for Future Demonstration teil.
Einen ihrer Songs hat sie Greta Thunberg gewidmet. Bildrechte: dpa

Mit "Come Away With Me" hat Awa Ly auch einen Song der Umweltaktivistin Greta Thunberg gewidmet. Und "Close your Eyes" ist inspiriert von der sudanesischen Studentin und Aktivistin Alaa Salah. 

"Die Personen, die Protagonistinnen in den Songs sind Frauen. Ganz unterschiedliche Frauen, aber das ist das Thema." Aber es gehe auch um die weibliche Seiten von Männern, erklärt sie. Ihre Botschaft ist: "Wenn Ihr euch mehr auf eure weibliche Seite einlasst, wird die Welt zu einem besseren Ort.“

Der richtige Begleiter in diesen Zeiten

Mit "Safe and Sound" hat sich Awa Ly als Künstlerin weiterentwickelt und definiert. Ihr Sound zwischen Folk, Afro Soul, Jazz und etwas Pop, mit ihrer Persönlichkeit und Stimme, ist noch markanter, noch definierter. Dieses Album ist ein wohltuender Begleiter in den Frühling. Gerade in diesen Zeiten. Diese Verlässlichkeit ist schon im Albumtitel gegeben.

Die habe "Safe and Sound" gewählt, weil Musik für Awa Ly ein sicherer Ort sei. "Ihr kann ich vertrauen, wenn es mir mal nicht so gut geht. Und wenn es mir gut geht, dann ist sie genauso meine ständige Begleiterin im Leben." Und das solle auch die Botschaft des Albums an die Menschen sein: "Musik kann euch Trost und Sicherheit geben."

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Bildrechte: flow.fish

Informationen zum Album "Safe and Sound"
von Awa Ly
12 Stücke
Label: Flowfish
Preis: 15,99 Euro
erschienen am 20. März 2020

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. April 2020 | 07:40 Uhr

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