Leute sitzen auf einem Sofa
Die Band Balthazar gründete sich 2004 in Gent. Bildrechte: Athos

Albumrezension Wenn Leonard Cohen auf Nabokov trifft: Balthazars neues Album "Fever"

Der belgischen Band Balthazar wurde Anfang der 2010er-Jahre eine ganz große Zukunft im Musikgeschäft prophezeit. Doch die letzten Jahre war es verdächtig still um die Musiker Maarten Devoldere und Jinte Deprez. Bis jetzt: Mit "Fever" legen sie ein bemerkenswertes Comeback vor. Marcel Anders hat das Album angehört und die Künstler getroffen.

Leute sitzen auf einem Sofa
Die Band Balthazar gründete sich 2004 in Gent. Bildrechte: Athos

Drei Alben hat die Indierock-Band "Balthazar" in nur fünf Jahren veröffentlicht, nun erscheint nach weiteren fünf Jahren Pause mit "Fever" das vierte. Für Sänger und Gitarrist Jinte Deprez fühlt es sich deswegen an wie ein Neubeginn. "Nach dem Motto: Die ersten drei Alben sind Geschichte, jetzt beginnt ein weiterer Abschnitt." Es klinge zwar alles noch sehr "Balthazar-mäßig", erklärt Deprez im Interview, aber erfahrener und weniger ängstlich.

Als Band wirst du über die Jahre immer selbstbewusster, was die Sache interessanter macht.

Jinte Deprez, Musiker

Zum Kern zurück

An Selbstbewusstsein mangelt es Jinte Deprez und Maarten Devoldere nun wirklich nicht. Die beiden 31-Jährigen aus Gent sind schlagfertig, schelmisch, mitunter ein bisschen arrogant. Und sie brennen darauf, ihre Karriere fortzusetzen. 2015, nach drei Alben und endlosen Tourneen, waren sie müde und erschöpft auseinandergegangen, hatten sich mit Solo-Projekten wie Warhaus und J. Bernardt ausgetobt und dann einen zweiten Anlauf gewagt. Zunächst ohne konkrete Ideen – bis sie "Fever", das Titelstück ihres vierten Albums, schrieben.

Was wir an dem Stück mochten, war sein Beat und sein abenteuerliches Arrangement. Trotzdem ist es ein eingängiger Popsong. Und das ist genau das, was Balthazar braucht, worin wir gut sind.

Maarten Devoldere, Musiker

Kino-Atmosphäre

Ein Ansatz, der für eine spannende Mischung aus Sixties-Pop, Worldbeat, Funk und Soul sorgt. Mit starkem Groove, vielseitiger Instrumentierung und intensiver Atmosphäre. Balthazar machen cineastische Popmusik, die etwas Düsteres, Mystisches hat. Die mit Texten über Liebe und Lust aufwartet – und sich irgendwo zwischen machohafter Koketterie und erotischer Poesie bewegt. Leonard Cohen trifft Tom Waits trifft Nabokov. Etwa im Stück "Wrong Vibration", das sich als Aufruf zu ungeniertem Hedonismus und Sex versteht.

Manchmal willst du einfach ein Arschloch sein. Und angesichts der #Metoo-Bewegung sind Songs der perfekte Ort, um diese Seite auszuleben. Also viel besser als im wahren Leben.

Maarten Devoldere, Musiker

Nichts ist so wie es scheint

Balthazar lieben es, Ecken und Kanten zu haben. Und den Hörer zum Schwelgen, aber auch Nachdenken zu bringen. Sie täuschen seichte Easy-Listening-Unterhaltung an, fordern aber ungeteilte Aufmerksamkeit und entsprechende Reaktion. Sie sind wie ein trojanisches Pferd, hinter dem sich mehr verbirgt, als zunächst vermutet. Das gilt auch für das Artwork von "Fever": Es zeigt afrikanische Wildhunde, die putzig wirken – aber nicht sind.

Es ist ein Bild, das wir im Internet gefunden haben und uns sofort gefiel. Wahrscheinlich, weil diese Tiere irgendwie hässlich sind und etwas Underdog-mäßiges haben. Außerdem sympathisiere ich mit ihnen, weil sie gemeinsam im Rudel jagen - genau wie wir es auf der Suche nach unserer Muse tun.

Maarten Devoldere, Musiker
Balthazar: Fever
Albumcover von "Fever" Bildrechte: PLAY IT AGAIN SAM

Informationen zum Album Balthazar: "Fever"

Label: Play it again Sam

Bestellnummer / EAN:
PIASR1055CDX / 5400863003746

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Album der Woche | 11. Februar 2019 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Februar 2019, 04:00 Uhr

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