Benedict Cumberbatch in der Serie "Patrick Melrose"
Benedict Cumberbatch in der Serie "Patrick Melrose" Bildrechte: Showtime/Sky UK Ltd/Justin Downing

Serienstart Patrick Melrose: Die Traumrolle des Benedict Cumberbatch

Hamlet und Patrick Melrose – diese beiden Figuren hat der britische Schauspieler Benedict Cumberbatch in einem Interview erwähnt, als es darum ging, welche Rollen er in seiner Karriere gerne noch spielen würde. Eigentlich könnte er sich damit jetzt zur Ruhe setzen, denn beides ist ihm gelungen. Hamlet war er am "National Theatre" in London, als "Patrick Melrose" ist er nun in der fünfteiligen Mini-Serie auf Sky zu sehen.

von Anna Wollner, MDR KULTUR-Serienkritikerin

Benedict Cumberbatch in der Serie "Patrick Melrose"
Benedict Cumberbatch in der Serie "Patrick Melrose" Bildrechte: Showtime/Sky UK Ltd/Justin Downing

Die fünf Folgen der Miniserie "Patrick Melrose" basieren auf den gleichnamigen autobiografisch geprägten Romanen von Edward St. Aubyn. Der Autor hat eine bewegende Lebensgeschichte hinter sich: Mit fünf Jahren wurde er das erste Mal von seinem Vater missbraucht, mit 16 dann heroinsüchtig. Mit 25 überlebte er einen Selbstmordversuch und schaffte mit 28 schließlich den Entzug. In den Büchern arbeitet er seine Vergangenheit auf, und das sehr exaltiert, sehr offen und sehr bissig.

Benedict Cumberbatch als Patrick Melrose
England in den 1980er-Jahren: Patrick Melrose (Benedict Cumberbatch) macht sich widerwillig auf den Weg, die Leiche seines Vaters nach Hause zu bringen. Bildrechte: Showtime/Sky UK Ltd/Justin Downing

Das ist auch in den ersten Szenen der Serie zu merken: Da kauert Cumberbatch als Patrick Melrose vor dem Telefon und erfährt von einem alten Familienfreund, dass sein Vater in New York verstorben sei. Doch anstatt in Tränen auszubrechen, schüttelt es ihn, er lacht und windet sich vor Freude auf dem Boden – dem Heroin-Trip, auf dem er gerade ist, geschuldet. Sein Vater hat ihn jahrelang als Kind missbraucht, er selbst ist drogenabhängig, trinkt, spritzt und schluckt alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, und macht sich widerwillig auf den Weg, die Leiche in den Staaten einzusammeln.

Benedict Cumberbatch kann ohne Stock im Arsch spielen

Edward St. Aubyn hat in einem Interview trocken gesagt: Alle wollten immer von ihm wissen, ob er Patrick Melrose sei. Jetzt könne er mit großer Erleichterung sagen, dass es Benedict Cumberbatch sei. Es ist fulminant, wie Cumberbatch in dieser Rolle aufgeht und was für eine Spielfreude er an den Tag legt. Seine Figur hat eindeutig bipolare Züge, er schwankt zwischen Selbstzerstörung und Feierlaune, zwischen Genie und Wahnsinn.

Benedict Cumberbatch ist die perfekte Besetzung für die Rolle.

Anna Wollner, MDR KULTUR-Serienkritikerin

Dabei bringt Cumberbatch eine Körperlichkeit mit, die wie geschaffen erscheint für die Rolle. Endlich wird er mal den Stock im Arsch los, der ihn als Sherlock einschränkt, er hat sichtlich Spaß an den teils übertriebenen Szenen – gerade im Drogenrausch, wenn er vermeintlich die Kontrolle über seinen Körper und vor allem auch seine Gesichtszüge verliert. Unterstützt wird er in dieser Tour de Force von den anderen Schauspielern, wie Hugo Weaving als widerlicher Vater und Jennifer Jason Leigh als überforderte Mutter.

Eine Serie wie ein Drogentrip

Die Serie verknüpft die Gegenwart der 80er-Jahre im versnobten, blaublütigen Setting, bei dem Geld keine Rolle spielt, mit Rückblenden auf die Grausamkeiten des Vaters in der Vergangenheit der 60er-Jahre. Zwar ist der Missbrauch nie sichtbar, aber dennoch omnipräsent: In den Blicken der Figuren und in unserer eigenen Vorstellung.

Benedict Cumberbatch als Patrick Melrose
Ein Bad in einer Wanne voller Wodka? Aber bitte im Anzug. Bildrechte: Showtime/Sky UK Ltd/Justin Downing

Allein aus den Erzählungen und Melroses Verhalten im Erwachsenenalter wird sie für uns sichtbar – diese "Fuck You"-Attitüde im Heroin-Chic; ein Bad in einer Wanne voller Wodka, ein Drogentrip ist größer als der nächste. "Patrick Melrose", das ist ein Touch Trainspotting und als Gegengewicht Downton Abbey im 80er-Gewand. Melroses gesellschaftliche Fallhöhe wird durch die Adeligkeit und die Blasiertheit seiner Umgebung besonders deutlich.

In Kombination mit den absolut exaltierten Figuren und dem Setting ist diese Serie selbst wie ein Drogentrip.

Anna Wollner, MDR KULTUR-Serienkritikerin

Mit Edward Berger hat ein echter Serienspezialist Regie geführt. Bekannt ist der Deutsche für das Sozialdrama "Jack" sowie "Deutschland 83" und "The Terror". Und auch die Drehbücher stammen von keinem Unbekannten: David Nicholls ist eigentlich Romanautor, u. a. schrieb er "Zwei an einem Tag". Er liefert bissige, scharfzüngige und kluge Dialoge, die sitzen. Eine Serie, die man als Serienfan geguckt haben muss!

Benedict Cumberbatch als Patrick Melrose
Trainspotting und Downton Abbey im 80er-Gewand: "Patrick Melrose" ist eine Serie, die man gesehen haben muss. Bildrechte: Showtime/Sky UK Ltd/Ollie Upton

Patrick Melrose Die fünfteilige Mini-Serie läuft ab 29. Mai wöchentlich um 20:15 Uhr auf Sky 1 und ist auch auf Sky Ticket zu haben.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. Mai 2018 | 13:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Mai 2018, 16:04 Uhr

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