Filmstart Flüchtlinge, Prostituierte, Kriminelle – "Berlin Alexanderplatz" ist im Heute angekommen

Knut Elstermann
Bildrechte: Jochen Saupe

Motive und Schicksale des Romans "Berlin Alexanderplatz" (1929) bleiben in der Neuverfilmung erkennbar, auch wenn Figur Franz Biberkopf nun Francis heißt und die Geschichte in die Gegenwart geholt wird: Nach einer dramatischen Flucht kommt Francis nach Berlin und will ein neues Leben beginnen. Seine Geliebte, eine Prostituierte, hilft ihm dabei. Doch ein Krimineller bringt ihn auf die schiefe Bahn. Burhan Qurbani gelingt ein bewegender Film über das Ausgestoßensein.

Filmszene aus "Berlin Alexanderplatz" 2 min
Bildrechte: Verleih Entertainment One Germany

Di 14.07.2020 11:00Uhr 02:16 min

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Alfred Döblins berühmter Metropolen-Roman "Berlin Alexanderplatz" wurde schon 1931 als früher Tonfilm von Piel Jutzi und 1980 als Fernsehserie von Fassbinder verfilmt. Jetzt kommt mit Burhan Qurbanis Film eine geschickte und bewegende Aktualisierung in die Kinos, die uns ins heutige Berlin führt. Die wichtigen Motive des Romans, die Figuren und Schicksale sind wiederzuerkennen, und auch die großen Fragen nach dem richtigen Leben werden aufgeworfen.

Eine Geschichte vom Ausgestoßensein

Filmszene aus "Berlin Alexanderplatz"
Filmszene aus "Berlin Alexanderplatz" mit Welket Bungué und Alexander Schuch Bildrechte: Verleih Entertainment One Germany

Franz Biberkopf heißt hier Francis (gespielt von Welket Bungué), ein afrikanischer Geflüchteter, den es nach einer Katastrophe auf dem Meer buchstäblich nach Deutschland in ein neues Leben spült, es ist wie eine zweite Geburt. Doch die Umstände hindern den jungen Mann, an seinen guten Vorsätzen festzuhalten. Er gerät, verführt von einem größenwahnsinnigen Kriminellen (großartig: Albrecht Schuch) auf die schiefe Bahn und dealt im Park. Diese Geschichte erzählt vom Ausgestoßensein, vom Fremdsein aus der Sicht von Francis' Geliebter, der Prostituierten Mieze, der Jella Haase eine große, berührende Menschlichkeit schenkt.

Regisseur und Autor Burhan Qurbani, der aus einer afghanischen Flüchtlingsfamilie stammt, scheut sich nicht, seine kraftvollen Bilder mit religiösen Bezügen, mit Symbolik aufzuladen und seine sehr genau erzählte Berliner Geschichte zu einem universellen Mythos über die Sehnsucht nach dem Gutsein in einer unguten Welt zu machen.

Genre: Drama
Regie: Burhan Qurbani
Besetzung: Mit Welket Bungué, Jella Haase, Albrecht Schuch, Joachim Król
Im deutschen Kino ab: 16.07.2020
Produktionsland: Deutschland, Niederlande
Bewertung: ★ ★ ★ ★ ☆ (4 von 5 Sternen)

Filmszene aus "Berlin Alexanderplatz"
Filmszene aus "Berlin Alexanderplatz" mit Annabelle Mandeng und Welket Bungué Bildrechte: Verleih Entertainment One Germany

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 16. Juli 2020 | 08:10 Uhr

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