Neu im Kino "Bohnenstange": Drama um zwei junge Frauen in Leningrad 1945

Knut Elstermann
Bildrechte: Jochen Saupe

Das Drama "Bohnenstange" spielt in Leningrad 1945 und zeigt den harten Alltag der Überlebenden des Krieges. Das zweite Werk von Regietalent Kantemir Balagov überzeugt unseren Filmkritiker unter anderem mit großartiger schauspielerischer Leistung, psychologischer Genauigkeit und seiner visuellen Kraft.

Szene aus dem Kinofilm Bohnenstange 2 min
Bildrechte: eksystent

Mi 21.10.2020 18:45Uhr 01:38 min

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Der junge russische Regisseur Kantemir Balagov beweist in seinem zweiten Film, dass er ein großes Regietalent ist. Nicht nur die visuelle Kraft und Schönheit des Werkes sind überwältigend (Kamera: Ksenia Sereda), sondern das großartige Spiel, die psychologische Genauigkeit und tragische Intensität dieses gewaltigen Dramas in Leningrad 1945, kurz nach dem furchtbaren Krieg und der Belagerung der Stadt.

Schwerer Alltag mit seelischen Wunden

Szene aus dem Kinofilm Bohnenstange
Mascha will nach dem Tod ihres Sohnes ein neues Kind. Bildrechte: eksystent

Die sehr große, sehr dünne Krankenschwester Iya (Viktoria Miroshnichenko) – daher der Filmtitel "Bohnenstange" – sollte im Krieg auf den kleinen Sohn ihrer kämpfenden Freundin Mascha (Vasilisa Perelygina) aufpassen. Doch das Kind stirbt. Nach ihrer Rückkehr will Mascha sofort wieder schwanger werden, was misslingt. Daher soll Iya ihr nun unter enormen Druck helfen, ein neues Kind zu finden.

Der Film untergräbt den Heldenmythos des Krieges, die Glorifizierung des Kampfes. Er zeigt das schwere, entbehrungsreiche Leben der Sieger in den düsteren Gemeinschaftswohnungen, aber vor allem die inneren Zerstörungen und nie verheilenden seelischen Wunden seiner gebrochenen Figuren.

Szene aus dem Kinofilm Bohnenstange
Protagonistin Iya ist groß und dünn und ausschlaggebend für den Filmtitel "Bohnenstange". Bildrechte: eksystent
Genre: Nachkriegsdrama
Regie: Kantemir Balagov
Besetzung: Viktoria Miroshnichenko Vasilisa Perelygina Andrey Bykov Igor Shirokov
Im deutschen Kino ab: 22.10.2020
Produktionsland: Russland
Bewertung: ★ ★ ★ ★ ☆ (4 von 5 Sternen)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. Oktober 2020 | 08:10 Uhr

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