"Down in the Weeds Where the World Once Was" Neues Album der Bright Eyes – magische Rückkehr der Indiefolkhelden

Die Band Bright Eyes ist ein Synonym für melancholischen Indiefolk. Fast ein Jahrzehnt ist es her, dass die amerikanische Band um den charismatischen Sänger Conor Oberst das letzte Mal zusammen auftrat und so ging man schon fast davon aus, dass sich die Band still und heimlich aufgelöst hat. Doch nun haben sie ihr neues Album "Down in the Weeds, Where the World Once Was" veröffentlicht. Mit seinen traurig-schönen und theatralischen Songs passt es wunderbar in die Corona-Pandemie.

Bright Eyes
Die Band Bright Eyes, das sind Nate Walcott, Conor Oberst und Mike Mogis. Bildrechte: Shawn Brackbill

Als Conor Obersts Bruder Matt vor vier Jahren starb, war das ein Schock für ihn. Seine anfängliche Sprachlosigkeit, die Wut und Trauer verarbeitet Oberst im neuen Bright Eyes Album "Down In The Weeds, Where The World Once Was". Die Musik der US-amerikanischen Band war aber schon immer düster und melancholisch. Dass dieses Album nach neun Jahren Pause gerade jetzt mitten in der Corona-Pandemie erscheint, und die angekündigte Tour auf nächstes Jahr verschoben werden musste, ist für die Fans schade, für die Band macht es keinen großen Unterschied, sagt Conor Oberst: "Wenn wir Alben veröffentlichen, interessiert sich am Anfang kaum jemand dafür. Das kommt immer erst später. Die Leute lieben zwar unsere Musik, aber immer erst so zwei Jahre nach der Veröffentlichung."

Musikalischer Mix aus Nostalgie und Moderne

Bright Eyes
Der Sound des neuen Albums ist mit Streichern und Bläsern so opulent wie dieses Bandporträt der Bright Eyes. Bildrechte: Danny Cohen

Die Auszeit von einander scheint der Band gut getan zu haben, denn ihr neues Album "Down In The Weeds, Where The World Once Was" ist das vielschichtigste, das Bright Eyes bisher veröffentlicht haben. In den bekannten melancholischen Folksongs klingen Pop und Elektroeinflüsse durch. Mal fühlt man sich wie in einer Klavier-Lounge in den Fünfzigern, dann geht's mit wundervollen Melodien in den Pop der Siebziger. Ein musikalischer Mix aus Nostalgie und Moderne. Doch die Lieder bleiben nie in einer Stimmung, sie entwickeln sich, verändern die Richtung, nehmen an Geschwindigkeit zu, werden intensiver und dann auch wieder leiser.

Ihr neues Album "Down In The Weeds, Where The World Once Was" ist das vielschichtigste, das Bright Eyes bisher veröffentlicht haben.

Kerstin Poppendieck, MDR KULTUR

Poetische, berührende Lieder

Bright-Eyes-Sänger und Songschreiber Conor Oberst hat dieses Album seinem älteren Bruder gewidmet, der vor vier Jahren an einer Alkoholvergiftung starb. In dem Lied "Dance And Sing" singt er: "Ich werde betrauern, was ich verloren habe. Wie unvollkommen das Leben sein kann. Alles, was ich jetzt noch tun kann, ist immer weiter zu tanzen." Vor allem durch die zittrige, gefühlvolle Gesangsstimme von Conor Oberst berühren die Lieder.

Bright Eyes "Down in the Weeds, Where the World Once Was“
Das Cover zum neuen Album "Down in the Weeds, Where the World Once Was" Bildrechte: Dead Oceans/Cargo

Was für Liebesbeziehungen manchmal gilt, gilt ganz offensichtlich auch für Bands: So eine Trennung auf Zeit kann gut sein. Das neue Album der Bright Eyes ist das beste Beispiel dafür. Nicht nur Gitarrist Nate Walcott freut sich über die wiederbelebte Zusammenarbeit: "Ich liebe nichts mehr, als mit Conor und Mike Musik zu machen. Jeder von uns bringt das Beste aus den anderen beiden hervor. Je verrückter und wilder unsere Ideen sind, umso mehr Spaß haben wir zusammen. Das ist magisch."

Und diese Magie hört man dem Album auch an.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 24. August 2020 | 07:40 Uhr