Brittany Howard
Die stimmgewaltige, US-amerikanische Sängerin Brittany Howard Bildrechte: imago/The Photo Access

Albumkritik Das klingt wie Prince: Brittany Howards Solo-Album "Jaime"

Brittany Howard kennt man als Frontfrau der Alabama Shakes. Die amerikanische Rock- und Soulband war mit ihren zwei Alben sehr erfolgreich, gewann vier Grammys und spielte für Barack Obama. Jetzt bringt Sängerin und Gitarristin Brittany Howard mit "Jaime" ein erstes Album unter eigenem Namen heraus, das nicht nur Fans der Alabama Shakes in Erstaunen versetzen dürfte.

von Andreas Dewald, MDR KULTUR

Brittany Howard
Die stimmgewaltige, US-amerikanische Sängerin Brittany Howard Bildrechte: imago/The Photo Access

Die Musik, die Brittany Howard auf ihrem ersten Soloalbum "Jaime" macht, klingt anders als der Soul-Rock, den sie bisher mit den Alabama Shakes präsentiert hat: kühner, fantasievoller, mehrdimensionaler. Brittany Howard überrascht auf "Jaime" mit psychedelischem Synthi-Funk, klassischen Soul-Balladen, Hip-Hop-Loops, Gospel und Anlehnungen an den Afrofuturismus der 1970er-Jahre. Alles in einem rauen, ungeschliffenen Klangdesign. Da drängen sich Vergleiche mit ganz Großen auf, mit Curtis Mayfield etwa, oder mit Erykah Badu, vor allem aber mit Prince.

Prince ist sicher eine Inspiration für mich gewesen. Denn meine musikalische Bildung beruht auf allem, was ich in meinem Leben gehört habe. All dieses Musik hat mich beeinflusst. Dass manches auf dem Album vielleicht nach Prince klingt, ist einfach so geschehen.

Coming Out mit einem Song

Alabama Shakes
Wurde mit den Alabama Shakes bekannt: Brittany Howard Bildrechte: Beggars Group

Brittany Howard stammt aus Athens, Alabama, einer Kleinstadt im Süden der USA. Sie ist die Tochter einer weißen Mutter und eines schwarzen Vaters. In den Songs auf "Jaime" spricht sie so offen und unverblümt wie nie zuvor über ihre persönliche Geschichte und berührt dabei große Themen wie Rassismus, Sexualität, Politik und Religion. Brittany Howard hat ihr Album nach ihrer älteren Schwester Jaime benannt, die an Krebs starb, als beide noch Teenager waren. Von ihr habe sie alles über Musik und Kunst gelernt, sagt sie, wie sie ihre Kreativität und ihre Fantasie nutzen kann. So hat sie heute auch den Mut gefunden, sich mit dem Song "Georgia" über die Liebe zu einer anderen Frau zu outen. Damit will sie versuchen, ins Radio zu kommen, sagt Howard, denn solche Songs gäbe es dort allzu selten.

Über Erfahrungen mit Rassismus

Eine bewegende Geschichte aus ihrer eigenen Familie erzählt Brittanny Howard auch in "Goat Head", einem Lied über eine Erfahrung, die Menschen schwarzer Herkunft heute im Amerika von Donald Trump wohl immer noch machen müssen: "Ich wollte einen Song darüber schreiben, wie es ist, im Süden der USA aufzuwachsen. Welche Rolle die Hautfarbe spielte, dort wo ich lebte. Der Text basiert auf einer wahren Geschichte: Jemand hatte einen abgeschlagenen Ziegenkopf in das Auto meines Vaters gelegt, um ihn davon abzuhalten, sich mit meiner Mutter zu treffen, die weiß war. Das war Rassismus."

Brittany Howard
Brittany Howard – Musikmedien und Feuilletons in den USA feiern ihr erstes Solo-Album. Bildrechte: imago/The Photo Access

Ein kommender Star

Ihre Seelenschau ist Brittany Howard auf "Jaime" textlich wie musikalisch schneidend intensiv geraten. So ehrlich und ungefiltert sie sich hier zu ihren Emotionen bekennt, so befreit, spontan und inspiriert wirkt die Musik. "Jaime" ist ein aufregend innovativ klingendes Black-Music-Album, dessen Reiz und Charme nicht zuletzt im Unfertigen liegt. Es zeigt Brittany Howard als stimmgewaltige Sängerin, aufrichtige Songschreiberin und Musikerin mit ungewöhnlichen Klangvorstellungen, als kommenden Star.

In dem Song "He Loves Me" behauptet sie, Gott liebe sie, auch wenn sie zuviel Alkohol trinke und Gras rauche. Über ihr Verhältnis zum Glauben sagt sie: "Meine Erfahrungen mit dem Christentum hatten mit Angst und Schande und Schuld zu tun. Ich begann, mit acht oder neun Jahren zur Kirche zu gehen. Und dann begann die Suche nach meiner eigenen Spiritualität und nach meinem Schöpfer, wer immer das sein mag. Ich bin froh, dass das geschehen ist. Ich fand heraus: Folge der goldenen Regel und versuche, niemandem zu schaden. Dann geht es dir gut."

Brittany Howard 6 min
Bildrechte: imago/The Photo Access

MDR KULTUR - Das Radio Mo 23.09.2019 07:40Uhr 05:53 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Brittany Howard 6 min
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MDR KULTUR - Das Radio Mo 23.09.2019 07:40Uhr 05:53 min

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Audio

Angaben zum Album Brittany Howard "Jaime"
Label: COLUMBIA
Bestellnummer / EAN: 19075956932 / 0190759569320

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Album der Woche | 23. September 2019 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. September 2019, 04:00 Uhr

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