Film-Portrait "Chichinette" - Spionin im Zweiten Weltkrieg und Kämpferin für politisches Engagement

Knut Elstermann
Bildrechte: Jochen Saupe

"Chichinette" - "Kleine Nervensäge" wird die 100-jährige Marthe Cohn in Frankreich liebevoll genannt. Das liegt an der Beharrlichkeit, mit der die alte Dame mit ihrer Geschichte durch die Welt reist und junge Leute wachrüttelt. 1944 begab sich die Jüdin als Spionin hinter die Front, um ihre Heimat vollständig zu befreien. Regisseurin Nicola Hens zeichnet in ihrem sehr sehenswerten Dokumentarfilm ein liebevolles Porträt der unkonventionellen Frau.

Filmszene aus "Chichinette"
Marthe Cohn alias "Chichinette" Bildrechte: missingfilms

Freunde nennen die 100-jährige Französin Marthe Cohn schmunzelnd "Chichinette" – "Kleine Nervensäge" – wegen ihrer noch immer quirligen Energie und unbedingten Beharrlichkeit. Noch heute reist die schöne alte Dame um die Welt, um ihre unglaubliche Geschichte zu erzählen und vor allem junge Leute zum politischen Engagement zu ermutigen, immer erfrischend, nie belehrend.

Regisseurin Nicola Hens zeichnet in ihrem sehr sehenswerten Dokumentarfilm ein genaues, liebevolles Porträt dieser unkonventionellen Frau, die sich ihren Witz und mitreißenden Charme bewahrt hat. Im befreiten Paris war die hervorragend Deutsch sprechende Jüdin 1944 schon in Sicherheit, doch sie begab sich als Spionin hinter die Front und kämpfte mutig für die vollständige Befreiung ihrer Heimat. Der Film kommt ihr nahe und zeigt sehr schön, wie sich diese hochgeehrte Frau den offiziellen Feierlichkeiten, den Ritualen ausgestellter Betroffenheit immer wieder entzieht und gerade mit ihrer Offenheit und Direktheit viel mehr erreicht.

Filmszene aus "Chichinette"
Filmszene aus "Chichinette" Bildrechte: missingfilms
Genre: Dokumentation
Regie: Nicola Hens
Besetzung:  
Im deutschen Kino ab: 17.09.2020
Produktionsland: Deutschland
Bewertung: ★ ★ ★ ★ ☆ (4 von 5 Sternen)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. September 2020 | 08:10 Uhr

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