Szene aus "Der Frieden" am Mittelsächsischen Theater.
Szene aus "Der Frieden" am Mittelsächsischen Theater. Bildrechte: Jörg Metzner

Highlight der DDR-Theatergeschichte "Der Frieden" in Freiberg: Sprechtheater für Liebhaber

Die Komödie "Der Frieden" von Aristophanes wurde rund 400 Jahre vor Christi Geburt im antiken Griechenland uraufgeführt. 1962 dichtete Peter Hacks sie dann für das Deutsche Theater neu – diese Adaption wurde nun am Mittelsächsischen Theater von Intendant Ralf-Peter Schulze zur Premiere gebracht.

Stefan Petraschewsky, MDR KULTUR-Theaterredakteur
Bildrechte: MDR/Robert Kühne

von Stefan Petraschewsky, MDR KULTUR-Theaterredakteur

Szene aus "Der Frieden" am Mittelsächsischen Theater.
Szene aus "Der Frieden" am Mittelsächsischen Theater. Bildrechte: Jörg Metzner

Sie gilt als ein Highlight der DDR-Theatergeschichte: Peter Hacks Neudichtung von Aristophanes‘ "Der Frieden". Im Oktober 1962 wurde das Stück am frisch renovierten Deutschen Theater uraufgeführt, in der Regie von Benno Besson spielte Fred Düren die Hauptrolle – und am Ende gab es 45 Minuten Applaus.

Worum geht's?

In Hacks-Adaption steht die Friedensgöttin Eirene im Mittelpunkt. Sie steckt in einem tiefen Brunnen fest – 100.000 Klafter tief, also 180 Kilometer – und kommt nicht mehr heraus, weswegen Krieg als Dauerzustand herrscht. Der Weinbauer Trygaios reitet auf einem Mistkäfer zur Göttin, um sie zu befreien und an einem Seil aus dem Brunnen zu ziehen. Das gelingt mit Hilfe des Volkes.

Bevor aber wieder Frieden und Glück herrschen können, müssen noch die Waffenhändler, die am Krieg verdienen und die Kirche, die den Krieg für ihre Ideologie nutzt indem sie auf ein besseres Jenseits vertröstet, ausgeschaltet werden. Mit der Friedensgöttin kommen schließlich auch ihre beiden Schwestern zurück: "Lenzwonne" (die Liebe) und "Herbstfleiß" (die Ernte, und damit auch der Wein und der Rausch). Frieden also für Leib und Seele – für Kopf und Bauch – das war Hacks hier wichtig.

Zeitliche Einordnung

1962 war Hacks Geschichte eine Reaktion auf den Kalten Krieg und den Mauerbau. Gleichzeitig änderte sich um 1960 die Medienlandschaft in der DDR radikal: Das Fernsehen setzte sich als Massenmedium durch, die Zahl der Theaterbesucher dagegen sank. "Der Frieden" kam denn auch in einer neuen, an Fernsehunterhaltung erinnernden Ästhetik daher: Kurze und kurzweilige Szenen wurden kombiniert mit Musik einer Jazzkapelle.

Die Inszenierung in Freiberg dagegen greift dieses Thema einer neuen Ästhetik (etwa mit neuen Medien) nicht auf, sondern serviert den Stoff klassisch: etwa was die Kostüme angeht, die sich sehr am Original orientieren. Ab und an, etwa wenn der Waffenhändler den Spielzeugpanzer auspackt, weil er gerade davon spricht, wirkt dies auf mich zu sehr illustriert.

Schauspieler glänzen

Elf Schauspieler geben die gereimten Texte von Hacks sehr homogen wieder. Allen voran Martin Ennulat, der am Ende mit einer Art Dornenkrone an einen diesseits gewandten Christus erinnert: Im Weinberg des Herrn stellt er eine Alternative zum leidenden Schmerzensmann vor. Dies ist wohl ganz im Sinne Hacks' – hier ist Interpretationsspielraum gegeben und angelegt.

Die Grundsatzentscheidung, auch von der Regie her auf das Wort und den Text zu setzen, ist goldrichtig und angemessen. In diesem kleinen, sehr gut klingenden Theater, wo die Schauspieler auch leise sprechen können und gut verstanden werden, entsteht so wirklich gekonnt umgesetztes Sprech-Liebhabertheater.

Die Texte von Peter Hacks sind bekanntermaßen genial und haben viel Witz. Unterm Strich ist dies also eine sehenswerte Inszenierung. Für mich gab es nur einen Wermutstropfen: Leider kam die Musik vom Band, offenkundig eine Geldfrage, denn das Orchester des Theaters hat die Musik hier eingespielt.

Informationen zum Stück "Der Frieden"
Komödie von Peter Hacks nach Aristophanes / Musik von Andre Asriel
Regie: Ralf-Peter Schulze
Mittelsächsisches Theater Freiberg

Nächste Aufführungstermine: 14.05.2019, 14:30 Uhr; 24.05.2019, 19:30 Uhr; 06.06.2019 19:30 Uhr

Aktuelle Theaterkritiken

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. Mai 2019 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Mai 2019, 15:17 Uhr

Meistgelesen bei MDR KULTUR