Der Hamburger Musiker Enno Bunger.
"Was berührt, was bleibt" ist die vierte LP des 32-jährigen Musikers. Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé

Album: "Was berührt, das bleibt" Wenn Trauer trägt – Enno Bunger stellt neues Album vor

Auf seinem neuen Album "Was berührt, das bleibt" verabschiedet sich der Hamburger Musiker Enno Bunger vom Singer-, Songwriter-Stil. Was auf den ersten Blick nicht unbedingt logisch ist, da er schwere persönliche Schicksalsschläge hier musikalisch verarbeitet – und trotzdem ist das Album ein optimistischer Blick nach vorne.

von Ann-Kathrin Canjé, MDR KULTUR

Der Hamburger Musiker Enno Bunger.
"Was berührt, was bleibt" ist die vierte LP des 32-jährigen Musikers. Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé

Das neue Album von Enno Bunger beginnt optimistisch. Er singt im Opening-Track "Kalifornien" davon, dass Durchbrennen quasi die neue Devise ist. Nochmal von vorne anfangen eine Möglichkeit. Im Song "Bucketlist" erinnert der B-Teil fast schon an einen rhythmischen Fußballgesang und könnte dem einen oder anderen Abi-Jahrgang gut als Hymne dienen. Dabei verarbeitet er auf seinem vierten Studioalbum "Was berührt, das bleibt" den Tod einer engen Freundin – der Frau seines Schlagzeugers – und obendrauf noch die Krebserkrankung seiner Freundin. Ein bloßes Traueralbum ist es für Enno Bunger trotzdem nicht.

Eher "Arschtritt"- als Traueralbum

Cover des Albums "Was berührt, das bleibt" von Enno Bunger.
Das Album verarbeitet Schicksalsschläge – aber bleibt trotzdem motivierend. Bildrechte: Sony/Columbia

Bunger sagt, dass wir eh alle irgendwann sterben würden und dass wir Menschen verlieren, die wir lieben. Das sei auch die Erkenntnis, die ihm die verstorbene Freundin mit auf den Weg gegeben habe. "Dass es jetzt auch viel mehr von der Haltung her kein 'Jammeralbum' ist – vielleicht in zwei, drei Songs – aber insgesamt von der Mentalität her ist es eher ein bohrendes, ein Arschtritt-Album, würde ich sagen." Für ihn sei es ein antreibendes und motivierendes Album, da es für ihn keine Umwege gebe, wesentliche Fragen zu stellen.

Diesen Fragen stellt sich Bunger in Songs wie "Wofür" oder "Weichzeichnungsfilter". Mal aus kindlicher Perspektive und stets mit viel Poesie betrachtet er in seinen Songs den Tod. Das schwere Schicksal seiner Freundin Sarah wird durch die Innigkeit des Gesangs spürbar und in seiner ganzen Härte plötzlich nachvollziehbar.

Der passende Kitsch

Stellenweise muten seine Texte auch etwas kitschig an – mit Abstand betrachtet treffen diese intimen Lieder aber ins Schwarze. Ein so persönliches Album zu kreieren, ist sicher nicht einfach und kann auch als Verarbeitungsstrategie funktionieren, wie Bunger selbst erzählt. So habe er damals erst einmal nur für sich selber versucht zu beschreiben, wie es ihm gehe und was all das gerade mit ihm mache. "Und dabei sind dann sehr viele Sätze entstanden wo ich dann merkte: Hey das könnte Stoff für Musik sein."

Als ich sechs, sieben Jahre alt war, war das Klavier für mich schon mein Kummerkasten, da habe ich mich rangesetzt. Das war für mich schon immer das Ventil, wo ich mit meinen Gefühlen  hinkonnte.

Enno Bunger

Er erzählt, wie Ostfriesen nicht so gerne über Gefühle reden würden, aber wenn man dann Musik und Kunst habe, dann sei das ein riesiges Ventil und eine Möglichkeit, mit sich wieder ins Reine zu kommen. Und dieses "mit sich ins Reine kommen", das hört man seinen Liedern an. Es gehört wohl zu Enno Bungers größtem Talent, seine Geschichten nicht auszustellen, sondern seine Fans mit einzubeziehen. So lässt er sie etwa am Song "Ponyhof" teilhaben. Der ist eine Ode an die Freundschaft und gleichzeitig Hochzeitsgeschenk an seinen besten Freund und Schlagzeuger Nils gewesen. Mit dem Wissen, dass Nils' Frau heute nicht mehr lebt, rührt der Song noch mehr.

Tod und Freundschaft als Leitmotiv

Produziert wurde das Album zum großen Teil von Sänger und Produzent Tobias Siebert, der schon mit vielen deutschen Bands wie Kettcar, Me and My Drummer oder Woods of Birnam im Studio stand. Für Enno Bunger war klar, dass er wieder mit Siebert zusammenarbeiten will und werde, da sie über Jahre gut befreundet seien und er alles mitbekommen habe.

Der Hamburger Musiker Enno Bunger.
Trotz aller Trauer behält Enno Bunger einen optimistischen Blick auf die Zukunft. Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé

Bunger beschreibt, wie man sich auch "zwischendurch auf dem Laufenden" gehalten habe, wie es einander geht. Und dann sei irgendwie klar gewesen, dass man bei so einer Geschichte gerne mit Leuten arbeiten wollte, die sie verstehen und begreifen würden. "Die ein Kern, ein Teil der Gruppe sind", so der Musiker. "Und das fand ich auch schön, dass man dann sowas Verbindendes, sowas Vertrautes eben im Studio vorgefunden hat, um dann solche doch sehr emotionalen Lieder aufzunehmen."

Den Optimismus nicht aufgeben

Mit seinem Konzeptalbum "Was berührt, das bleibt" beweist Enno Bunger, dass das funktioniert hat. Obendrauf ist es nicht nur ein Zeugnis von tiefer Freundschaft und Zusammenhalt, sondern auch eine Kür, sich dem schweren Thema Tod, das viel zu selten seinen Weg auf die Bühnen findet, anzunehmen und – trotz der Stolpersteine des Schicksals – den nötigen Funken Optimismus zu behalten.  

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 31. Juli 2019 | 13:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. August 2019, 13:58 Uhr

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