Nach der Corona-Zwangspause Ein Wochenende voller Kunst: Erfurt lädt zum Kulturknall

Wer am kommenden Wochenende durch Erfurt läuft, wird an vielen Ecken auf Kulturveranstaltungen stoßen, etwa auf Themenspaziergänge, Theateraufführungen und offene Ateliers. Das Besondere: Erstmals machen Freie Szene und städtische Akteure gemeinsame Sache.

Plakat
Bildrechte: Ständige Kulturvertretung

Nach der langen Corona-Durststrecke darf überall wieder mehr Kultur stattfinden, und so ballen sich gerade die Veranstaltungen, alle wollen nachholen, was lange nicht ging. Schnell verliert man die Übersicht - weswegen die Stadt Erfurt gerade alles richtig macht: Der Großteil der Kulturakteure hat sich zusammengeschlossen und lädt zu einer gemeinsamen Aktion an diesem Wochenende ein, dem "Kulturknall": Eine Art Tag der offenen Tür mit viel buntem Zusatzprogramm. Die Theater sind dabei, die Galerien, Museen und Szeneclubs auch.

Brückenschlag mit Bedeutung

Dass städtische Akteuere und Freie Szene diesen Kulturknall gemeinsam organisieren, ist ein absolutes Novum für Erfurt. Bislang gab es hier nur wenig Kooperation, und noch im Juni war deutlich zu spüren, dass tiefe Gräben zwischen beiden Seiten existieren. Damals mischte sich die Ständige Kulturvertretetung (eine Interessenvertretung der Freien Szene) in die Debatte um die Verlängerung von Theaterintendant Guy Montavon ein und forderte, endlich mehr in die Arbeit des großen Hauses mit einbezogen zu werden.

Guy Montavon, Intendant des Theaters Erfurt, steht nach einer Pressekonferenz zum Programm des Philharmonischen Orchesters im Treppenhaus.
Guy Montavon Bildrechte: dpa

Drei Monate später hat sich der Sturm gelegt und man präsentiert sich in Einigkeit. Für Stefanie Müller-Durand von der Ständigen Kulturvertretung hat dies veschiedene Gründe: "Ich denke, da kam vieles zusammen. Der Corona-Leidensdruck, aber genau so auch die Kritik am Haus, bzw. an der fehlenden Öffnung. Ich weiß, dass es auch vorher schon Bewegungen gab. Aber das ist nicht in so einem Standing passiert, wie es gerade mit dem Kulturknall passiert. Wir hatten noch nie so viel Kontakt jetzt."

Gemeinsam die Stadt erkunden

Die Zusammenarbeit wird nun an ganz verschiedenen Punkten deutlich: So findet am Samstag etwa im Rahmen der Aktion "Kultur flaniert" ein Spaziergang statt, der von Kai Uwe Schierz, dem Direktor der Kunstmuseen, gemeinsam mit Michaela Hirche vom Verband der Bildenden Künstler gestaltet wird. Auf ihrem Weg durch Erfurt wollen beide über Berge in der Bildenden Kunst sprechen, die ihnen in der Stadt begegnen. Und auch das Theater Erfurt lässt sich auf neue Kooperationen ein, etwa, indem es mit dem Stück "Memories" im Alten Schauspielhaus gastiert, das mittlerweile von einer Kulturgenossenschaft getragen wird.

Auch Intendant Montavon, an dessen Personalie sich ja die ein oder andere Diskussion entzündet hat, steht nun voll und ganz hinter dem Spektakel: "Durch die Isolation während der Coronakrise bestand die Gefahr, dass die ganze Stadtgesellschaft auseinanderfällt. Wir wollen deswegen mit dem Kulturknall ein Zeichen setzen und zeigen, dass es uns noch gibt." Hörbar soll dieses Zeichen dann übrigens auch sein: Am Sonntagabend wird der Kulturknall standesgemäß enden, mit einem großen Feuerwerk am Petersberg.

Alle Veranstaltungen des Kulturknalls sind kostenlos, Spenden sind gerne gesehen.

Informationen zum Kulturknall 19. & 20.09.20, im ganzen Stadtgebiet von Erfurt
Ausgewählte Veranstaltungen:
- Spaziergang "Berge in Erfurt" mit Kai Uwe Schierz und Michaela Hirche, Samstag, 11 und 15 Uhr, Anger 52
- Kulturkatapult - Entdeckungstour durch das Erfurter Nachtleben, Samstag, 14 Uhr am Anger 52
- Theater "Memories", Sonntag, 13 Uhr, Kulturquartier Schauspielhaus
- Tanzimprovisation "Home Alone", Sonntag, 15 und 16.15 Uhr, Theater Erfurt

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. September 2020 | 07:40 Uhr