Die Anfängerin Trailer
Ulrike Krumbiegel spielt die desillusionierte Frau, die ihre alte Leidenschaft neu entdeckt. Bildrechte: Farbfilm Verleih

Spielfilmdebüt von Alexandra Sell "Die Anfängerin" - Eine Frau wagt sich endlich raus aufs Eis

Den Abgang ihres Gatten erträgt Annebärbel so klaglos wie die dauernden Beleidigungen durch ihre dominante Mutter Irene. Doch dann legt sie mit Mitte 50 einen Neustart hin - und wagt sich nochmal hinaus aufs Eis. Ulrike Krumbiegel und Annekathrin Bürger überzeugen als Darstellerinen dieses Tochter-Mutter-Dramas, das leider noch viel mehr sein will.

von Gabriele Denecke, MDR KULTUR-Autorin

Die Anfängerin Trailer
Ulrike Krumbiegel spielt die desillusionierte Frau, die ihre alte Leidenschaft neu entdeckt. Bildrechte: Farbfilm Verleih

Eine Frau Ende 50 wird erwachsen. Ihre Coming-of-Age-Geschichte beginnt mit dem Entschluss, noch einmal dort anzufangen, wo sie als Kind aufhören musste, weil ihre Mutter es so wollte: auf dem Eis. Ulrike Krumbiegel spielt "Die Anfängerin", die aus ihrem alten Leben aussteigt, um einen Neustart zu wagen - nachdem sie im Alltagstrott nicht nur die Leidenschaft für ihren Beruf als Ärztin, sondern auch ihren Mann verloren hat. Der verlässt sie mit den Worten: "Ich habe noch was vor in meinem Leben." Vermutlich an der Seite einer neuen Frau. Annebärbel bleibt zurück mit Haus und Hund, kinderlos. In ihrem Leben in Beige-Braun.

Starke Darsteller, schwache Geschichte

Sie erträgt den Abgang ihres Gatten so klaglos wie die dauernden Beleidigungen durch ihre dominante Mutter Irene, der sie nie genügen konnte und die sogar den Auszug von Schwiegersohn Rolf als persönliche Niederlage empfindet. Schuld kann nur ihre Tochter sein, die Versagerin.

Sie hat gar kein Gefühl, kein Bewusstsein dafür, dass ihr Leben so ziemlich in der Sackgasse steckt. Erst als es so unerträglich wird, dass sie es gar nicht mehr aushalten kann, sucht sie nach einem Strohhalm.

Ulrike Krumbiegel, Schauspielerin über ihre Rolle als Annebärbel
Filmszene aus dem Film von Alexandra Sell Die Anfängerin
Lange nicht mehr die Schuhe geschnürt Bildrechte: Kolja Raschke

Eher zufällig entdeckt Annebärbel an einem Abend Hobby-Eisläufer, die ihre Runden auf dem glatten Oval einer Eislaufhalle drehen. Das weckt Erinnerungen an ihren Kindheitstraum, Eiskunstläuferin zu werden. Diesmal lässt sie sich von den Herabsetzungen durch die Mutter nicht beeindrucken:

Tja, früher warst du zu dick, heute bist du zu dünn, aber ungeschickt bist du heute wie damals.

Annekathrin Bürger als Mutter Irene

Warum die Beziehung zwischen Mutter und Tochter so hoffnungslos gestört ist, hätte man gern gewusst und erfährt es nicht. Denn da wartet schon das nächste Thema: Annebärbel hat freundschaftliche Bande zu der talentierten Nachwuchssportlerin Jolina (Maria Rogozina) geknüpft, die jetzt so alt ist wie sie damals, als sie mit dem Eislaufen begann.

Veteranin der Pirouetten

Filmszene aus dem Film von Alexandra Sell 'Die Anfängerin'.
Was macht eigentlich Christine Stüber-Errath? Bildrechte: Lichtblick Media/Hardy Spitz

Auch die Härten des Leistungssports wollen erzählt sein. Und wenn man schon mal dabei ist, kann man auch gleich noch die Frage klären: Was macht eigentlich die ehemalige Weltmeisterin aus der DDR - Christine Stüber-Errath? Der Film verliert sich in der nächsten Episode und zeigt: Sie macht noch immer eine ganz passable Figur. Am Ende schwebt auch Annebärbel, und nichts anderes erwartet man, im blauen Tütü übers Eis. Gänsehaut pur.

"Die Anfängerin" ist das Spielfilmdebüt von Alexandra Sell mit einer starken Darstellerinnen und einer schwachen Geschichte. Sie geben den hölzernen Dialogen, was ihnen fehlt: Leben. Wenige Gesten und Blicke von Ulrike Krumbiegel reichen aus, um erlittene Verletzungen, Sehnsüchte zu erahnen. Für Annekathrin Bürger, den einstigen DEFA-Star, bedeutet der Auftritt als Irene übrigens die erste Spielfilmhauptrolle seit der Wende 1989. Im Berliner Kino "Babylon", wo "Die Anfängerin" kürzlich Premiere feierte, lief 1956 auch ihr Spielfilmdebüt, die "Berliner Romanze".

Und jetzt, zum 80., stehe ich dort noch mal auf der Bühne mit einem Spielfilm und einer halbtollen Rolle für mich.

Annekathrin Bürger, Schauspielerin, über ihr Debüt 1956 und ihren jüngsten Auftritt

Warum "Die Anfängerin" - ein absolut konventionell erzählter und fürs Fernsehen produzierter Film - ins Kino kommt, bleibt rätselhaft. Aber, es ist Winter, Olympiazeit und keine deutsche Eislaufkönigin in Sicht. Da spenden die Veteranen der Pirouetten Trost und Zuversicht.

Filmszene aus dem Film von Alexandra Sell Die Anfängerin
Annebärbel (Ulrike Krumbiegel) und die aufstrebende Joline (Maria Rogozina) knüpfen freundschaftliche Bande. Bildrechte: Kolja Raschke

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | artour | 18. Januar 2018 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Januar 2018, 04:00 Uhr

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