Frank Turner
Der britische Singer-Songwriter Frank Turner Bildrechte: imago images / Future Image

Neues Album "No Man's Land": Frank Turners Hommage an starke Frauen

Der Titel von Frank Turners Album ist ganz direkt gemeint: "No Man's Land" handelt allein von Frauen, die Geschichte machten: Weil sie sich gegen patriarchalische Strukturen wehrten oder Pionierinnen waren – so wie Gitarristin Rosetta Tharpe oder Christa MacAuliffe, die an Bord der Challanger starb. Der 37-jährige Brite gilt heute als einer der wichtigsten Singer/Songwriter im Königreich. Marcel Anders hat sein achtes, sehr spezielles Album gehört – und Frank Turner in Berlin getroffen.

von Marcel Anders, MDR KULTUR

Frank Turner
Der britische Singer-Songwriter Frank Turner Bildrechte: imago images / Future Image

Frank Turner ist das, was man einen spannenden Künstler nennt: Der 37-jährige Brite kommt aus gutem Hause, hat seine Ausbildung an einer Elite-Uni für eine Musikerkarriere abgebrochen und gilt heute als einer der wichtigsten Singer/Songwriter im Königreich von Fish & Chips. Sein achtes Album "No Man's Land" ist eine Hommage an starke Frauen, die von der Geschichtsschreibung vergessen wurden. Auf die Frage, wie es dazu kam, erklärt er:

Musik inspiriert von Frauen, die Geschichte(n) machten

"Nachdem die letzten Alben von meinem Privatleben handelten, fand ich es wieder aufregend, Stories zu erzählen. Es fing an mit einem Stück über Jinny Bingham und dann habe ich über das Leben von Dora Hand gelesen, das so verrückt war, dass ich dachte: 'Warum hat das noch keiner vertont?' Also habe ich das übernommen. Daraus wurde das Konzept für ein Album: Musik inspiriert von historischen, weiblichen Figuren, die nicht ganz so bekannt sind."

"No Man's Land" handelt von Frauen, die sich gegen patriarchalische Strukturen gewehrt haben und das nicht selten mit dem Tod bezahlten: Wie die Tänzerin Mata Hari, die Barbesitzerin Jinny Bingham oder die Sängerin Dora Hand. Andere wie die Gitarristin Rosetta Tharpe sind vergessene Musik-Pioniere. Christa MacAuliffe starb an Bord des Challanger Space Shuttles. Die Ägypterin Huda Sha-arawi legte als erste Frau ihres Landes den Schleier ab: "Was ich an Huda Sha-arawi interessant finde", erzählt Turner: "Sie war strenggläubige Muslime, hat aber eine feministische Befreiungstheorie auf Basis des Koran entwickelt. Was angesichts der heutigen Debatten über die Rolle des Islam in der westlichen, liberalen Welt, sehr inspirierend ist. Sie war eine furchtlose Person, deren Einfluss auf die Frauen der ägyptischen Gesellschaft bis heute anhält. Sie tragen keinen Schleier – das ist ihr Verdienst."

Nicht nur Heldinnen

Turners Heldinnen sind meist Opfer von Kirche, Gesellschaft und Staat – weil bei ihnen das Rechtssystem versagt hat, die Mörder nicht bestraft wurden oder sich Geistliche an ihrem Hab und Gut vergingen. Geschichten, die nachdenklich stimmen. Genau wie "Rosemary Jane", ein Song über Turners Mutter, die von ihrem Ex-Mann betrogen und belogen wurde. "Ich habe versucht, vorsichtig zu sein – und nicht zu sagen, dass alle Frauen perfekt und umwerfend heroisch sind. Denn es gibt etliche Gegenbeispiele. Bei meinen Recherchen bin ich auf die Serienmörderin Nannie Doss gestoßen, die komplett verrückt war. Sie hat nach der großen Liebe gesucht. Und wenn sie die nach einer Heirat nicht gefunden hat, ist sie ihren Mann halt wieder losgeworden und hat sich den nächsten geangelt."

Album-Aufführung 2020 auch in Berlin

Skurrile, düstere Geschichten, die Turner mit einem Mix aus Folk, Blues, Rock und Jazz unterlegt. So legt er ein ungewöhnliches Album vor. Eines, dass es in dieser Form noch nicht gegeben hat und dessen Live-Darbietung etwas von einem rabenschwarzen Musical hätte. Für Turner zu viel und zu kompliziert, um damit auf eine konventionelle Tournee zu gehen. Aber er plant eine Aufführung im Mai 2020 – im Rahmen seines alljährlichen Festivals "Lost Evenings".

"Es sind vier Tage. Und alles, was wir dafür brauchen, ist ein großer Raum, in den noch eine zweite Bühne passt. Die ersten beiden Festivals fanden im Roundhouse in Camden statt und dieses Jahr sind wir nach Boston umgezogen, worüber viele Leute in England sauer waren. Nächstes Jahr sind wir in Berlin. Wahrscheinlich ist es glatter Selbstmord, zwei Konzerte an einem Abend zu spielen, aber ich mache es trotzdem."

Angaben zum Album Neues Album: "No Man's Land"

Berlin-Gastspiel an Himmelfahrt 2020

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. August 2019 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. August 2019, 04:00 Uhr

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