Karl Marx in einer Aquatinta-Radierung von Werner Ruhner «Karl Marx in seinem Arbeitszimmer in London».
Karl Marx in einer Aquatinta-Radierung von Werner Ruhner : "Karl Marx in seinem Arbeitszimmer in London". Bildrechte: dpa

Hörbuch "Marx & Engels intim" Briefwechsel: Harry Rowohlt und Gregor Gysi werden zu Marx und Engels

Pünktlich zum 200. Geburtstag von Karl Marx legt Random House eine Neuauflage des Erfolgshörbuchs "Marx & Engels intim" vor, das sich bereits 30. 000 Mal verkauft hat. Harry Rowohlt und Gregor Gysi lesen aus dem unzensierten Briefwechsel von Marx und Engels. Zugleich ist das auch eine Erinnerung an den 2015 verstorbenen Harry Rowohlt. Der Schriftsteller Jens Sparschuh hat das Hörbuch für MDR KULTUR gehört.

Karl Marx in einer Aquatinta-Radierung von Werner Ruhner «Karl Marx in seinem Arbeitszimmer in London».
Karl Marx in einer Aquatinta-Radierung von Werner Ruhner : "Karl Marx in seinem Arbeitszimmer in London". Bildrechte: dpa

"Ich spreche Marx, weil ich so aussehe, und da ist dann für Gregor Gysi nur noch Engels übrig geblieben, obwohl er nicht so aussieht." Pointiert, so wie man ihn kannte, beschrieb der Brummbär Rowohlt, wie es zu dieser Rollenaufteilung kam. Die Live-Aufnahme in der Berliner Kalkscheune moderierte Anna Thalbach.

Lästereien von Marx und Engels

Harry Rowohlt und Gregor Gysi unterhalten sich am 23.03.2009 in Berlin während einer so genannten Live-Hörbuchlesung aus Manuskripten des Buches "Marx und Engels intim".
Harry Rowohlt und Gregor Gysi bei einer "Marx & Engels intim"-Lesung in Berlin 2009. Bildrechte: dpa

In den Briefwechseln nehmen Marx und Engels kein Blatt vor den Mund: abschätzig nehmen sie ihren Erzkonkurrenten, den Gründer des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, Ferdinand Lassalle, ins Visier. Und auch Wilhelm Liebknecht, dessen populäres Volksfremdwörterbuch vielen Arbeiterbildungsvereinen eine unverzichtbare Hilfe war, kommt nicht besser weg.

Aber nicht nur Einzelpersonen, nein: ganze Völker geraten unter ihr Verdikt, falls die das Pech haben, etwas abseits vom großen Gang der von Marx/Engels vorgezeichneten Weltgeschichte zu stehen.

Es gibt zwei Gegenden in Europa, in denen sich die alte christliche Barbarei in ihrer ursprünglichsten Gestalt beinahe bis aufs Eichelfressen erhalten hat: Norwegen und die Hochalpen.

Friedrich Engels in einem Brief an Karl Marx

Norwegen und die Schweiz, als zurückgebliebener europäischer Hinterwald.

Erleichterung über Fehlprognosen der Vordenker

Hat man lange genug als Versuchskaninchen am Experiment Sozialismus teilgenommen, freut man sich - sicher auch schadenfroh - über Fehlprognosen der beiden Vordenker. "Die Lehre von Marx", so dekretierte es Lenin, "ist allmächtig, weil sie wahr ist." Ja, du Allmächtiger, bloß gut, dass das nicht geklappt hat.

Zynische Unmenschlichkeit

Wer erwartet hatte, diese unzensierten Briefe zeigten "die menschliche Seite" der beiden Großgeister, erkennt in dieser, oft mit Gift und Galle verfassten Korrespondenz vor allem eines: eine manchmal geradezu unmenschliche Seite.

Der Schriftsteller  Jens Sparschuh bei den Aufnahmen für sein Feature "Fürst v. Bismarck für Feierlichkeiten zu vermieten", Februar 2015
Der Schriftsteller Jens Sparschuh. Bildrechte: Olaf Parusel/Mitteldeutscher Rundfunk

Das Lachen des Publikums ist oft ungläubig. Vielleicht spürt es, dass das Zynische, das sich als menschenverachtende Ideologie dann bei Stalin, Mao & Co. ganz deutlich gezeigt hat, kein historischer Betriebsunfall war, sondern, zumindest im Keim - als Fortschreibung des größenwahnsinnigen Hegelschen Weltgeistes - schon bei den rauschebärtigen Gründungsvätern angelegt war.

Marx und Engels intim? Nein, so richtig intim möchte man mit den beiden nicht werden. Das führt uns dieses Hörbuch vor, und das ist das Gute daran.

Über das Hörbuch "Marx & Engels intim"
Harry Rowohlt und Gregor Gysi aus dem unzensierten Briefwechsel.
Moderation: Anna Thalbach

Live-Mitschnitt
Hörbuch-CD
ISBN: 978-3-8371-4178-8
Verlag: Random House
14,99 Euro

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR am Vormittag | 30. April 2018 | 11:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. April 2018, 14:16 Uhr

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