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Klassikerlesung | 01.04. - 30.04.2019 Daniel Defoe: Robinson Crusoes Leben und seltsame Abenteuer

Mit der Geschichte des Seemannes Robinson Crusoe, der auf einer einsamen Insel strandet und dort 28 Jahre verbringt, schuf Daniel Defoe (1660-1731) einen Klassiker der Abenteuerliteratur. Sein Roman, der erstmals vor 300 Jahren erschien, fasziniert Leser bis heute. Auf MDR KULTUR senden wir eine Lesung mit Martin Seifert.

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Der englische Schriftsteller Daniel Defoe hatte bereits ein abenteuerliches Leben geführt, als er mit fast 60 Jahren seinen ersten Roman verfasste. Er war Kaufmann gewesen, Publizist, Spion und Regierungsberater. Wegen Schulden und politischer Schmähschriften war er mehrmals in Haft. Als Autor und Journalist hatte er, häufig unter Pseudonym, hunderte von Werken verfasst: Essays, Reiseberichte, religiöse Erbauungsschriften, Polemiken, sowie zahllose Artikel zu unterschiedlichen Themen aus Politik und Gesellschaft.

Der englische Schriftsteller Daniel Defoe in einer zeitgenössischen Darstellung.
Daniel Defoe Bildrechte: dpa

"Das Leben und die seltsamen überraschenden Abenteuer des Robinson Crusoe" erschien erstmals am 25. April 1719 und wurde ein unmittelbarer Erfolg. Die erste Ausgabe war bald vergriffen, drei weitere folgten noch im selben Jahr. Defoes Romanfigur wurde zum Mythos und brachte mit der Robinsonade ein eigenes, nach ihr benanntes Genre hervor.

Der echte Robinson

Ein wahres Schicksal hat Daniel Defoe zu seiner Geschichte inspiriert: der Schotte Alexander Selkirk, Seeräuber im Auftrag der englischen Krone, war nach einem Streit mit seinem Kapitän auf der Insel "Mas a Tierra" vor der chilenischen Küste ausgesetzt wurden. Vier Jahre und vier Monate musste er dort zubringen, ehe er 1709 von einem britischen Schiff gerettet wurde.

Berichte über Selkirk nimmt Defoe als Vorlage und schmückt dessen Erlebnisse aus. Er verlegt die Insel in die Karibik, stattet sie mit einer reichen Flora und Fauna und einem milden Klima aus. Hier kann nun der schiffbrüchige Robinson an Land gehen.

Überleben und Wandel

Sein Vater hat ihn vor der Seefahrt gewarnt, doch Robinson lässt sich davon nicht abhalten. In Brasilien erwirbt er eine Zuckerplantage und begibt sich, um weitere Sklaven für seine Plantage zu besorgen, wieder auf See. Bei dieser Reise erleidet er Schiffbruch und landet am 30. September 1659 als einziger Überlebender auf einer abgelegenen Insel nahe der Orinoko-Mündung.

Mit Entschlossenheit macht Robinson sich daran, sein Überleben zu sichern. Vom Wrack rettet er eine Notausrüstung: Werkzeuge, Kleider und Waffen, auch drei Bibeln, sowie Federn, Tinte und Papier. Solange die Vorräte reichen, notierte er seine Erlebnisse in einem Tagebuch. In den folgenden achtundzwanzig Jahren seines Inselaufenthalts durchläuft Robinson im Zeitraffer den Gang der menschlichen Zivilisation – er entwickelt sich vom Jäger und Sammler zum Viehzüchter und Ackerbauer. Zugleich vollzieht sich eine innere Wandlung vom leichtlebigen Abenteurer zum gereiften Mann.

Der vielschichtige Roman lässt viele Lesarten zu: als abenteuerlicher Reisebericht, als Modell eines radikalen Individualismus oder als moralische Fabel. Mit seinen belehrenden Passagen steht Defoes Werk auch in der Tradition puritanischer Erbauungsliteratur.

Jean-Jacques Rousseau lobte das Werk als "das eine Buch, das uns alles lehrt, was Bücher uns lehren können". Der Ire James Joyce wiederum bezeichnete Robinson Crusoe als "wahren Prototyp des britischen Kolonisten". Zu dieser Einschätzung kam er nicht ohne Grund.

Der Roman entstand in einer Epoche imperialer Expansion. Kolonialismus und Sklaverei sind allgegenwärtig, eine Haltung weißer Überlegenheit durchzieht das ganze Werk. Auch wenn die Abenteuergeschichte immer noch unsere Phantasie anregt, muss im historischen Kontext gesehen der innewohnende Rassismus klar benannt werden.

Der Schriftsteller Daniel Defoe

Daniel Defoe, als Daniel Foe vermutlich Anfang 1660 in London geboren, sollte nach dem Willen seines Vaters Geistlicher werden, schlug dann aber eine Karriere als Kaufmann und später als Journalist ein. Erst im Alter von 59 Jahren veröffentlichte er mit Robinson Crusoe seinen ersten Roman, der ihn weltbekannt machen sollte. Es folgten weitere Abenteuerromane, u. a. "Kapitän Singleton" (1920) und "Glück und Unglück der berühmten Moll Flanders" (1722). Defoe starb am 5. Mai 1731 in London.

Der Schaupieler Martin Seifert

Martin Seifert, geboren 1951 in Jena, studierte an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin. 1978 kam er ans Berliner Ensemble. Im Film wurde er durch Heiner Carows "Bis dass der Tod euch scheidet" (1979) bekannt. Er ist in Tatort- und Polizeiruf 110-Folgen zu sehen und in Filmen wie "Abgehauen" (1998), "Sumo Bruno" (2000), "Der Turm" (2012) oder "Bibi und Tina" (2014).  

Martin Seifert
Martin Seifert Bildrechte: MDR/ Gerhard Hehtke

Außerdem ist er als Sprecher tätig. Beim MDR hat er im Hörspiel "Unter dem Milchwald" von Dylan Thomas und in zahlreichen Feature-Produktionen mitgewirkt. Außerdem hat er "Grimms Märchen" (2009), Karl Mays "Der Schatz im Silbersee" (2012) und "Der schwarze Mustang" (2016) eingelesen.

Angaben zur Sendung MDR KULTUR Klassikerlesung
Vor 300 Jahren - Veröffentlichung von "Robinson Crusoe" am 25. April 1719
"Robinson Crusoes Leben und seltsame Abenteuer"
Von Daniel Defoe (20 Folgen)
Es liest: Martin Seifert

Produktion: MDR 2017

Sendung:
01.04. - 30.04.2019 | Mo-Fr | jeweils 15:10 Uhr

Sie können diese Klassikerlesung hier in einer ungekürzten Fassung in 15 Folgen ein Jahr lang hören und herunterladen.

Zuletzt aktualisiert: 01. April 2019, 04:01 Uhr

Daniel Defoe: Robinson Crusoes Leben und seltsame Abenteuer
Bildrechte: Random House

Buchtipp Daniel Defoe: Robinson Crusoe

Daniel Defoe: Robinson Crusoe

Gebundene Ausgabe: 568 Seiten
Manesse 1957
ISBN: 978-3717510925
22,90 Euro

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