Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Bildrechte: imago/United Archives

Klassikerlesung | 02.01. - 31.01.2019 Johann Wolfgang von Goethe: Reineke Fuchs

Bereits Goethe erkannte die Zeitlosigkeit der mittelalterlichen Tierfabel vom listigen Fuchs. In seiner Neudichtung von 1794 gab er dem Stoff eine klassische Form und hielt mit seiner "unheiligen Weltbibel" auch seinen Zeitgenossen einen Spiegel vor. Der poetische Reiz von Goethes Hexameter-Epos fasziniert Leser noch heute. Es liest Peter Matic.

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Bildrechte: imago/United Archives

Der "Eine, Reineke Fuchs, der Schelm", er fehlt, als König Nobel den Hof versammelt. Die anderen Tiere klagen ihn an: Wolf Isegrimm, Kater Hinze, der Hase Lampe. Er habe sie bestohlen, gequält, entehrt. Reineke kommt vor Gericht. Doch immer wieder gelingt es ihm, mit Lügengeschichten den Kopf aus Schlinge zu ziehen. Und nachdem er den Wolf durch eine List im Zweikampf besiegt hat, wird er vom König sogar zum Reichskanzler ernannt.

Die Tierfabel um den listigen Reineke Fuchs hat in Europa eine lange Tradition. Die älteste Überlieferung reicht bis ins elfte Jahrhundert zurück. Die niederdeutsche Volksdichtung "Reyneke de vos" von 1498 entwickelte sich im deutschsprachigen Raum zu einem beliebten Volksbuch. 1752 veröffentlichte Johann Christoph Gottsched eine hochdeutsche Prosaübersetzung, die in Literaturkreisen außerordentliche Resonanz fand.

Übung in Hexametern

Goethe war die Tierfabel seit seiner Jugend vertraut. Aufgewühlt von den Ereignissen der französischen Revolution machte er sich 1793 an eine Bearbeitung des Reineke-Stoffs, um sich "von der Betrachtung der Welthändel abzuziehen", wie er an seinen Freund Jacobi schrieb.

Er begann seine "Übung in Hexametern" auf der Rückkehr aus dem Krieg von Valmy und setzte die Arbeit während der Belagerung von Mainz fort. Als Versepos in zwölf Gesängen gab Goethe der bekannten Tierdichtung eine klassische Form. Die derben Knittelverse der niederdeutschen Fassung übersetzte er in schönste Hexameter. Die Lehrhaftigkeit der niederdeutschen Vorlage wich einer ironischen Distanz.

Goethe schuf mit seinem Versepos eine zeitlose Parabel, die durchaus auch als Kritik auf die zeitgenössische Gesellschaft gelesen werden kann. An Charlotte von Kalb schrieb er 1794:

Hier, liebe Freundin, kommt Reineke Fuchs, der Schelm, und verspricht sich ein gute Aufnahme. Da dieses Geschlecht in unseren Zeiten bei Höfen, besonders aber in Republiken sehr angesehen und unentbehrlich ist, so möchte nichts billiger sein, als seine Ahnherrn kennen zu lernen.

Johann Wolfgang von Goethe Brief an Charlotte von Kalb vom 28. Juni 1794

Der Schauspieler Peter Matić

Peter Matić wurde am 24. März 1937 in Wien geboren. Er debütierte am Theater in der Josefstadt in Wien. Nach Stationen in Basel und München kam er 1972 an die Staatlichen Schauspielbühnen in Berlin und blieb dort bis zur Schließung des Schillertheaters 1994. Seitdem gehört er zum Ensemble des Wiener Burgtheaters.

Der Schauspieler Peter Matic bei Aufnahmen zum Hörspiel "Lachfinschen im Jemen"
Peter Matic Bildrechte: MDR/Marco Prosch

Neben zahlreichen TV- und Spielfilmrollen wurde Matić auch als Synchronsprecher populär, unter anderem von Ben Kingsley. Außerdem war er seit den 60er-Jahren als Sprecher für den Rundfunk tätig. Beim MDR hat er 2007 im Hörspiel "Lachfischen im Jemem" mitgewirkt. Für seine Lesung von Marcel Prousts Roman "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" wurde Peter Matić 2011 als "Bester Interpret" mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet.

Angaben zur Sendung "Reineke Fuchs" (22 Folgen)
Von Johann Wolfgang von Goethe

Sprecher: Peter Matić
Produktion: NDR 1998

Sendung:
01.11.-31.12.2018 | Mo-Fr | jeweils 15:10 Uhr

Aus urheberrechtlichen Gründen können wir Ihnen diese Sendung leider nicht im Internet zum Hören anbieten. Das private Aufzeichnen von Radiobeiträgen ist jedoch zulässig. Mehr Informationen dazu finden Sie auf unserer Seite "Radiobeiträge aufnehmen mit Computer oder Smartphone".

Zuletzt aktualisiert: 02. Januar 2019, 04:00 Uhr

Buchtipp Johann Wolfgang von Goethe: Reineke Fuchs

Johann Wolfgang von Goethe: Reineke Fuchs

Taschenbuch, 206 Seiten
Reclam 1986
ISBN: 978-3150000618
5,60 Euro

Meistgelesen bei MDR KULTUR