Illustration zur Geschichte Aladdins aus "Tausendundeiner Nacht" von Albert Robida.
Illustration aus "Tausendundeiner Nacht" von Albert Robida Bildrechte: IMAGO

Die Klassikerlesung | 01.-29.12.2017 Weitere Geschichten aus "Tausendundeiner Nacht"

Was gibt es Schöneres, als sich von Scheherazades Erzählkunst verführen zu lassen? Mit ihren Geschichten haben wir die Klassikerlesung im Januar begonnen und mit ihnen beschließen wir auch das Jahr. Aus der berühmten Sammlung morgenländischer Erzählungen liest Libgart Schwarz den Zyklus "Der Bucklige".

Illustration zur Geschichte Aladdins aus "Tausendundeiner Nacht" von Albert Robida.
Illustration aus "Tausendundeiner Nacht" von Albert Robida Bildrechte: IMAGO

Die Geschichte um Scheherazade bildet die berühmte Rahmenhandlung von "Tausendundeine Nacht". Nachdem König Schehrijâr von seiner Frau betrogen wurde, fasst er den grausamen Plan, jede Nacht eine neue Frau zu heiraten und sie am Morgen töten zu lassen. Schließlich heiratet er Scheherazade, die kluge und außergewöhnlich belesene Tochter des Wesirs. Am Hochzeitsabend erzählt sie dem König eine Geschichte und als der Morgen naht, bricht sie an der spannendsten Stelle ab. Weil der König aber das Ende der Geschichte hören will, verschiebt er ihre Hinrichtung. So erzählt Scheherazade jede Nacht eine Geschichte, die noch spannender und aufregender ist, bis der König ihr nach Tausendundeiner Nacht endgültig das Leben schenkt.

Die Rahmengeschichte von "Tausendundeine Nacht" ist vermutlich indischen Ursprungs. Sie wurde ins Persische übersetzt und ist wahrscheinlich im 8. Jahrhundert in den arabischen Raum gelangt. In Europa fand "Tausendundeine Nacht" im 18. Jahrhundert durch die Übersetzung des französischen Orientalisten Antoine Galland Verbreitung. Seiner zwischen 1704 und 1717 in zwölf Bänden erschienenen Ausgabe fügte er noch einige Geschichten hinzu, die heute zu den bekanntesten zählen, wie "Sindbad der Seefahrer", "Aladin und die Wunderlampe" und "Ali Baba und die vierzig Räuber".

"Der Bucklige" in der Klassikerlesung

In der Klassikerlesung im Dezember liest Libgart Schwarz die Geschichte "Der Bucklige" aus "Tausendundeine Nacht". Auch dieser Zyklus enthält wieder mehrere kunstvoll ineinander verschachtelte Erzählungen, die durch die Geschichte des Buckligen miteinander verbunden sind.

Ein Schneider lädt einen buckligen Spaßmacher in sein Haus zum Abendessen ein. Der Bucklige verschluckt sich an einer Fischgräte und stirbt. Um den Toten loszuwerden, bringen ihn der Scheider und seine Frau zu einem jüdischen Arzt. Auch der glaubt den Mann getötet zu haben und bringt ihn heimlich in das Haus seines Nachbarn; der wiederum bringt den Toten auf den Bazar. Dort findet ihn ein christlicher Makler, der meint, in ihm einen Dieb zu erkennen und schlägt auf ihn ein. Der Makler wird für den Mörder gehalten und soll hingerichtet werden. Als er den Kopf schon in der Schlinge hat, erscheint der Küchenaufseher und behauptet, er habe den Buckligen getötet. Danach kommen der Arzt und der Schneider und bekennen sich ebenfalls zu der Tat.

Nun war der Bucklige der Spaßmacher des Königs. Als er von dem Geschehen erfährt, lässt er die vermeintlichen Täter und den Toten zu sich bringen. Er befiehlt alles aufzuschreiben und sagt zu den Umstehenden:

Habt ihr je eine wunderbarere Geschichte als diese gehört?

Geschichten aus "Tausendundeiner Nacht"

Daraufhin erzählt jeder der Beschuldigten eine eigene Geschichte: der christliche Makler, der Küchenaufseher, der jüdische Arzt und der Schneider. Und wie Scheherazade erzählen auch sie um ihr Leben, denn der König will sie verschonen, wenn sie ihm eine Geschichte erzählen, die noch wunderbarer ist, als die des Buckligen.

Die Schauspielerin Libgart Schwarz

Libgart Schwarz, 1941 in Sankt Veit an der Glan/Kärnten geboren, absolvierte ihre Ausbildung am Mozarteum und am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. 1976 engagierte Peter Stein sie an die Schaubühne am Halleschen Ufer und sie stieg in die erste Liga der Theaterschauspieler auf. Nach dem Weggang von Stein wurde für sie in den 90er-Jahren Andrea Breth die wichtigste Regisseurin. Libgart Schwarz verließ Berlin nach deren Abschied von der Schaubühne und ging ans Wiener Burgtheater.

In ausgewählten Rollen ist Libgart Schwarz auch in Film und Fernsehen zu sehen. 1970 spielte sie in "Summer in the City" von Wim Wenders die weibliche Hauptrolle. Wenders engagierte sie 1972 erneut für die Peter Handke-Verfilmung von "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter". 1991 stand sie für Werner Schroeter in dessen Ingeborg Bachmann-Verfilmung des Romans Malina an der Seite von Isabelle Huppert und Mathieu Carrière vor der Kamera. 2009 spielte sie Josefine Stolz in "Live is Life - Die Spätzünder".

Angaben zur Sendung Die Klassikerlesung:
Geschichten aus "Tausendundeiner Nacht"
Es liest Libgart Schwarz
(19 Folgen)

Übersetzung: Gustav Weil
Produktion: BR 1995/96

Sendung:
01.-29.12.2017 | Mo-Fr | jeweils 15:10 Uhr

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Tausendundeine Nacht

Tausendundeine Nacht

Nach der ältesten arabischen Handschrift in der Ausgabe von Muhsin Mahdi, erstmals ins Deutsche übertragen von Claudia Ott
Gebundene Ausgabe: 699 Seiten
C.H. Beck Verlag 2011
ISBN-13: 978-3406516801
29,90 Euro

Tausendundeine Nacht

Tausendundeine Nacht

Übersetzung aus arabischen Originaltexten von Gustav Weil
Gebundene Ausgabe: 1872 Seiten
Verlag: Nikol 2013
ISBN-13: 978-3868202137
19,99

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