Bildhauer Jacques Lipchitz
Bildhauer Jacques Lipchitz (1891-1973) Bildrechte: dpa

Kunstsammlungen Chemnitz Lipchitz' "Benedicition" in Chemnitz zu sehen

Bildhauer Jacques Lipchitz
Bildhauer Jacques Lipchitz (1891-1973) Bildrechte: dpa

In den letzten Jahren gab es zahlreiche Schenkungen an die Kunstsammlungen Chemnitz, was zum großen Teil Generaldirektorin Ingrid Mössinger zu verdanken ist. Sie holte die Sammlung Gunzenhauser in die Stadt und begeisterte auch andere Förderer für den Standort Chemnitz.

Nun präsentieren die Kunstsammlungen ihre neueste Schenkung: Ein Konvolut von Modellen und Zeichnungen des bedeutenden Bildhauers Jaques Lipchitz (1891 - 1973). Lipchitz war einst mit Picasso befreundet und vermochte es Anfang des 20. Jahrhunderts in Paris, die kubistische Formensprache in Reliefs und Plastiken zu übertragen. Von einer der bekanntesten hat Chemnitz nun das Modell geschenkt bekommen: Den 750 Kilogramm schweren Koloss "Benediction", der eine Harfenspielerin darstellt. Er und die Geschichte seiner aufwändigen Restaurierung bilden den Mittelpunkt der neuen Schau unter dem Titel "Jacques Lipchitz. Bildhauer des 20. Jahrhunderts" in den Kunstsammlungen Chemnitz.

Die Einleitung des Kubismus

Jacques Lipchitz: Modell für die Bronze Benediction, 1943–45 - Plastilin, Holz, Metall - 216 x 132 x 107 cm - Kunstsammlungen Chemnitz
Jacques Lipchitz: Modell für die Bronze Benediction, 1943-45 - Plastilin, Holz, Metall Bildrechte: Estate of Jacques Lipchitz

Lipchitz schuf "Benediction" ("Segen") in seinem New Yorker Atelier. Das Modell aus Plastelina ist dunkelbraun, 750 Kilogramm schwer und 2,13 Meter hoch. "Benediction" existierte einst als Bronzeguss und stand im Museum of Modern Art (MoMA) in New York in Blickachse zu Picassos "Demoiselles d'Avignon". Das Werk leitete den Kubismus ein und wird als Wendepunkt abendländischer Malerei angesehen.

Die bronzene "Benediction" gilt seit einem Brand als verschollen. Als Ingrid Mössinger, Generaldirektorin der Kunstsammlungen Chemnitz, die Schenkung des arg mitgenommenen Plastilin-Modells angeboten bekam, sagte die von der Moderne beseelte Museumsdirektorin "Ja". Einen Kraftakt brauchte es, "Benediction" über den großen Teich zu bekommen; ein weiterer Kraftakt war es, das beschädigte Modell zu restaurieren. In der Dresdner Hochschule für bildendende Künste widmete gar eine Studentin "Benedictions" Restaurierung ihre Doktorarbeit. Plastilina war Neuland für die Dresdner, von Bildhauern wird sie seit dem 19. Jahrhundert gern verwendet, da sie auch in schlecht beheizten Ateliers geschmeidig bleibt.

Zeichnungen und Modelle aus Lipchitz' Spätwerk

Jacques Lipchitz: Sitzender mit Gitarre, 1918 - Bronze - 71,3 x 38,9 x 34,5 cm - Lehmbruck Museum, Duisburg
Jacques Lipchitz: Sitzender mit Gitarre, 1918, Bronze Bildrechte: Estate of Jacques Lipchitz

Doch nicht nur "Benediction" wurde 2013 von der Jacques & Yulla Lipchitz-Stiftung in New York nach Chemnitz verschenkt: Unter den Werken sind auch 23 Bildhauer-Zeichnungen und 12 weitere Modelle, hauptsächlich aus Lipchitz' Spätwerk. Leihgaben, Bronzeskulpturen und weitere Modelle bereichern die Sonderschau, die nicht den Anspruch erhebt, das Werk des bedeutenden Bildhauers umfassend oder vollständig zu spiegeln.

Jedoch ist es gelungen, Plastiken und Bronzen aus Lipchitz' kubistischer Phase nach Chemnitz zu bringen: Prismatische Skulpturen mit den klassischen Attributen der Kubisten – Gitarre oder Klarinette – die durch ihr rhythmisches Spiel von Licht und Schatten berühmt wurden.

Angaben zur Ausstellung "Jacques Lipchitz - Bildhauer des 20. Jahrhunderts"
Vom 29. Oktober 2017 bis zum 28. Januar 2018

Kunstsammlungen Chemnitz
Theaterplatz 1
09111 Chemnitz

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag und Feiertag 11-18 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. November 2017 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Dezember 2017, 16:08 Uhr

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