Filmszene 'Labyrinth des Pan'
Szene aus del Toros Film "Pans Labyrinth" Bildrechte: imago/Prod.DB

Jugendbuch "Das Labyrinth des Fauns": Cornelia Funkes Buch zu del Toros Film

"Das Labyrinth des Fauns" ist ein Jugendbuch, für das zwei große Geschichtenerzähler unserer Zeit zusammenfanden: Bestseller-Autorin Cornelia Funke (Tintenwelt-Trilogie) und der preisgekrönte Regisseur Guillermo del Toro. Mit "The Shape of Water" holte er 2018 zwei Oscars. Gleich drei der Trophäen bekam er 2007 für "Pans Labyrinth". Auf diesem Film basiert nun der Roman um die junge Heldin Ofelia, die sich aus ihrer niederdrückenden Gegenwart im Spanien Francos in eine magische Welt rettet.

von Britta Selle, MDR KULTUR

Filmszene 'Labyrinth des Pan'
Szene aus del Toros Film "Pans Labyrinth" Bildrechte: imago/Prod.DB

Bestseller-Autorin Cornelia Funke und der Oscar-prämierte Filmemacher Guillermo del Toro – das klingt nach einem perfekten Team. Die beiden lernten sich während eines Animations-Projektes bei Dreamworks kennen und merkten schnell, dass sie gut zusammenarbeiten können. Anhand der Notizbücher des Regisseurs zum Film "Pans Labyrinth" schrieb Funke ein erstes Kapitel. Das überzeugte del Toro so, dass er Cornelia Funke bat, seinen Film in einen Roman zu verwandeln. Darin mischen sich nun Fantasy und historische Gegenwart. Die Grenzen zwischen den erzählten Welten sind fließend – märchenhaft scheint die eine, brutal ist die andere.

Begegnung mit "dem Wolf"

Die Handlung spielt zur Franco-Zeit in der nordspanischen Provinz. Der Bürgerkrieg ist vorbei, doch Rebellen in den Bergen leisten erbitterten Widerstand gegen das faschistische Regime. In dieser finsteren Ära des Landes reist die 13-jährige Halbwaise Ofelia mit ihrer hochschwangeren Mutter zu ihrem neuen Stiefvater Capitán Vidal, der mit seiner Truppe unterwegs ist, um diese Rebellen auszulöschen. Das verträumte Mädchen, das sich gern in Märchenbücher und Sagen vertieft, nennt diesen Mann für sich selbst immer nur "den Wolf"; für niederträchtig, hinterhältig, unbarmherzig hält sieht sie ihn. Damit schätzt sie Vidal treffend ein. Funke schildert ihn als bösen, sadistischen und eitlen Mann, der –  selbst ein kleiner Diktator – versucht, seine Komplexe mit übermäßiger Härte zu kompensieren. Ofelias Mutter, Carmen Cardoso, hingegen ist eine unmündige Frau, die sich darauf verlässt, dass ein starker Mann sie beschützt. Insofern glaubt sie – wie ihre Tochter – an Märchen, doch ihre sind voller Selbstbetrug.

Fantastisches Spiel mit Geschichte und Gegenwart

Funkes Roman teilt sich auf in viele kleine Kapitel, die in der so genannten Gegenwart spielen, aber fantastische Elemente beinhalten. Legenden oder Märchen streut sie wie tatsächliche Begebenheiten in Rückblenden ein. In den Erzählsträngen gibt es dadurch immer wieder Überlappungen. So lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, ob sich Ofelia diese magische Welt nur einbildet oder ob sie tatsächlich existiert. Mussten ihre literarischen Vorbilder Dorothy und Alice noch in andere Dimensionen vordringen, so braucht Ofelia nur den Bäumen und dem Wind lauschen.

Inmitten ihrer oft brutalen Realität findet Ofelia ein uraltes Labyrinth, das zugleich wie ein Tor in diese fantastische Welt wirkt. Dort trifft sie auf den Faun, der in ihr die lang verschollene Prinzessin Moanna des Unterirdischen Königreiches erkennt. Da Ofelia die Existenz von Fabelwesen nicht in Frage stellt, hat sie keine Angst und hört mit großer Neugier ihre vermeintliche Geschichte. Der Faun stellt Ofelia drei gefährliche Aufgaben. Erfüllt sie die bis zum nächsten Vollmond, kann sie als unsterbliche Prinzessin zurückkehren und ihren Platz auf dem Thron wieder einnehmen ...

Bücher sind für Ofelia das einzige Stück Zuhause, dass sie mitnehmen kann aus ihrem alten Leben. Sie sind Flügel aus Papier, die ihr helfen, davonzufliegen.

Britta Selle, MDR KULTUR Über "Das Labyrinth des Fauns"

Und weil Ofelia glaubt, dass auch märchenhafte Geschichten wahr sein können, stürzt sie sich mutig ins Abenteuer. Sie tritt einer Riesenkröte entgegen und dem schrecklichen Kinderfresser mit wabbeliger Haut, der seine Augäpfel in seinen Handflächen hat. Erst später kommen Ofelia Zweifel, ob der Faun vielleicht gelogen haben könnte oder überhaupt existiert. Die einzige Vertraute Ofelias ist die Haushälterin Mercedes, eine mutige, starke Frau. Auch sie schwebt ständig in Lebensgefahr, weil sie die Rebellen in den Bergen tatkräftig unterstützt.

Herrlich magisch und packend erzählt

Laut Verlag ist das Leseeinstiegsalter für diesen Roman 14 Jahre, was wegen der Szenen, in denen gefoltert und gemordet wird, durchaus berechtigt ist. Die Autorin hat die Handlung aus del Toros Film in ihre eigenen Worte gegossen und zu einem typischen Funke-Roman gemacht: Mit einer komplexen Geschichte, die verschlungenen Pfaden folgt und keine einfachen Lösungen kennt. Dafür ist sie herrlich magisch, packend und psychologisch genau erzählt, eskapistisch und trotzdem nah dran an der Realität, vielleicht.

Angaben zum Buch Cornelia Funke und Guillermo del Toro:
Das Labyrinth des Fauns
Illustriert von Allen Williams
Übersetzt von Tobias Schnettler
Fischer, 320 Seiten
ISBN: 978-3-7373-5666-4
Gebunden, 20 Euro

"Labyrinth des Fauns" als Hörbuch Der Roman "Labyrinth des Fauns" ist auch als Hörbuch erschienen. Die szenische Lesung von Sprecher Tom Vogt (Stimme von Colin Firth, Clive Owen und Laurence Fishburne) ist gut sieben Stunden (423 Minuten) lang. Außerdem ist auch Autorin Cornelia Funke selbst zu hören. Sie erzählt, abwechselnd mit Vogt, von der dunklen Vergangenheit des Labyrinths.

Das Hörbuch ist als MP3-CD und als Download bei Atmende Bücher erschienen.

Zur Person: Guillermo del Toro Für sein Fantasymärchen "Shape of Water" bekam del Toro den Goldenen Löwen beim Filmfest in Venedig und zwei Oscars. Weitere Filme in der Regie del Toros sind "Hellboy" (2004 und 2008), "Pans Labyrinth" (2006) und "Crimson Peak" (2015). Der Mexikaner schrieb zudem am Drehbuch der drei Hobbit-Verfilmungen von Peter Jackson (2012-2014) mit.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. Juli 2019 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Juli 2019, 04:00 Uhr

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