Leonard Cohen
Leonard Cohens letztes Album erscheint posthum Bildrechte: WDR/dpa

Rezension "Thanks For The Dance": Leonard Cohens letztes Album erscheint

Drei Jahre nach seinem Tod erscheint jetzt Leonard Cohens Album "Thanks For The Dance". Sein Sohn Adam destillierte es aus Songskizzen und Rezitationen des greisen Sängers, der einst mit Liedern wie "Hallelujah", "Suzanne" oder "First We Take Manhattan" Popgeschichte schrieb. "Es ist, als ob er noch einmal auf Wiedersehen sagt", sagt Cohen Jr.. Marcel Anders hat in Berlin mit ihm gesprochen.

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Leonard Cohens letztes Album erscheint posthum Bildrechte: WDR/dpa

Am 7. November 2016 verstarb einer der ganz Großen der Popkultur: Leonard Cohen, kanadischer Song-Poet mit unvergleichlicher Stimme. Drei Jahre nach seinem Tod erscheint nun das Album ""Thanks For The Dance", aufgenommen in seinen letzten Wochen und vollendet von seinem Sohn Adam: "Sein letztes Album 'You Want It Darker' war wie eine Verabschiedung mit festem Händedruck – während diese Songs wie eine liebevolle Hand auf deiner Schulter sind, die Wärme ausstrahlt. Es ist, als ob er noch einmal Auf Wiedersehen sagt, aber etwas netter und romantischer."

"Happens To The Heart" als Lebensbeichte

So erklärt Adam Cohen den Unterschied zwischen "You Want It Darker", dem letzten Studio-Album von 2016 – und "Thanks For The Dance", ein Spätwerk mit den finalen Aufnahmen von Leonard Cohen und ein stimmungsvoller Grenzgang zwischen Folk, Spoken Word und opulentem Orchester-Pop. Die Texte sind an Intensität und Tiefe kaum zu überbieten. Sie handeln vom Umgang mit dem Alter und den Wirren der Liebe, kommentieren das sozio-politische Zeitgeschehen und weisen mit "Happens To The Heart" eine regelrechte Lebensbeichte auf, einen Rückblick zwischen Humor und Zynismus.

"Dieser Song ist wunderbar – und er war meinem Vater so wichtig. Ich habe gesehen, wie er sich damit gequält hat. Er hat was von einem späten 'Hallelujah'. Es ist ein Stück, an dem er jahrelang gefeilt hat. Mit 'Happens To The Heart' verhält es sich ähnlich – am Ende ist es zur echten Obsession geworden. Es hat etwas von einem Rückblick auf sein Leben, er analysiert darin das Zerbrochene, wodurch auch immer Licht eindringt. Ein zentrales Thema. In diesem Fall berichtet er von seinem Herzschmerz. Und wie bei 'Hallelujah' bleibt einem nichts anderes als zu sagen: 'Amen. Alles wird gut.'"

Eine Armada aus Gastmusikern

Dabei hatte Adam Cohen echte Probleme, die Song-Ideen seines Vaters – die oft nur Skizzen oder Fragmente waren – umzusetzen. Mal enthielten die Aufnahmen rezitierte Gedichte, mal gab es auch einen Rhythmus oder Beat. Um die Skelette aufzufüllen, orientierte er sich am Sound der letzten Alben und verpflichtete eine Armada von Gastmusikern: Von Daniel Lanois über Beck, Leslie Feist, Jennifer Warnes und dem Lautenspieler Javier Mas bis zu Mitgliedern von Arcade Fire und The National – sie alle steuerten etwas zum Gesamtwerk bei. Adam Cohen erzählt:

"Im Judentum gibt es diese Tradition: Wenn jemand stirbt und es einen Grabstein gibt, bringt jeder einen kleinen Stein zur Beerdigung mit. Und genau das haben alle Künstler auf diesem Album getan – auf ihre Weise. Manchmal war es ein kleiner Stein, manchmal ein größerer. Und es ging nicht darum, den Grabstein zu ersetzen, sondern es war lediglich eine Geste. Aber jede einzelne davon gab mir Selbstvertrauen."   

"Das war's"

"Listen To The Hummingbird" ist die vertonte Fassung eines Gedichts, das Leonard Cohen bei seinem letzten öffentlichen Auftritt in Los Angeles vorgetragen hat. Nun ist es einer der Höhepunkte eines kurzen, aber bewegenden Albums. Eines, das Cohen auch im hohen Alter als bedeutenden Künstler zeigt. Weitere Veröffentlichungen, betont Adam Cohen, seien nicht geplant: "Es gibt nichts mehr. Außer etwas, das ich mit dem Handy aufgenommen habe, das ich aber bislang nicht umzusetzen weiß, in einer Art und Weise mit der mein Vater glücklich gewesen wäre. Aber ansonsten existieren keine weiteren neuen Songs, auch keine alten. Das war's."

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. November 2019 | 07:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. November 2019, 14:03 Uhr

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