Klassikerlesung | 01.08.–31.08.2019 | Fontane-Jahr 2019 Theodor Fontane: Von Zwanzig bis Dreißig

Vor 200 Jahren wurde Theodor Fontane in Neuruppin geboren. Mit 72 Jahren verfasste der große märkische Schriftsteller, auf Anraten des Arztes, seine Kindheitserinnerungen. In "Von Zwanzig bis Dreißig" schließt er daran an. In seinen Erinnerungen erzählt er von seinen Anfängen als Schriftsteller, seiner Zeit als Apotheker, beim Militär und von seiner Hochzeit. Es liest Kurt Böwe.

Theodor Fontane war fast 60 Jahre, als er anfing, Romane und Erzählungen zu schreiben. Zuvor arbeitet er, nachdem er 1849 den Apothekerberuf aufgegeben hatte, viele Jahre zum Broterwerb als Journalist. Er war Theaterkritiker, Kriegsberichterstatter und Englandkorrespondent. Erst im Alter konnte er es sich leisten, seinen Neigungen nachzukommen.

1878 erschien sein erster Roman "Vor dem Sturm". Seine intensive Schaffensphase, er schrieb gerade an "Effi Briest", wurde 1892 durch eine lebensbedrohliche Krankheit unterbrochen. Sein Hausarzt riet ihm, sich mit einer leichteren Arbeit zu beschäftigen, etwa seinen Lebenserinnerungen. Fontane folgte dem Vorschlag des Arztes und erholte sich wieder. In seinem Tagebuch notierte er:

Ich darf sagen, dass ich mich an diesem Buch wieder gesund geschrieben habe.

Theodor Fontane

1893 nahm er die Arbeit an "Effi Briest" (1895) wieder auf. Er folgten die beiden Romane "Die Poggenpuhls" (1896) und "Der Stechlin" (1899), sowie die autobiografische Schrift "Von Zwanzig bis Dreißig" (1898).

Von Zwanzig bis Dreißig

Fontane schließt mit diesem zweiten Teil seiner Lebenserinnerungen an den ersten Teil "Kindheitsjahre" an. Er erzählt hier beginnend bei seiner Lehrlingszeit als Apotheker in Berlin bishin zu seiner Hochzeit im Jahr 1850, aber der Text enthält auch Episoden, die bis ins hohe Alter reichen. Fontane blickt zurück auf eine turbulente Epoche, in deren Wirren er versucht als Schriftsteller Fuß zu fassen. Er lässt u.a. sein literarisches Debüt im "Berliner Figaro" Revue passieren, sein schriftstellerisches Engagement in Leipzig und Dresden, sein Pflichtjahr beim Militär, die erste Reise nach England, die Berliner Revolution 1848 und seine Zeit im Diakonissenhaus Bethanien. "Das Beste, worüber das Buch verfügt, ist wohl seine heitere Grundstimmung", soll Fontane zum preußischen Kultusminister gesagt haben. Erschienen ist der Band kurz vor seinem Tod am 20. September 1898.

Der Schriftsteller Theodor Fontane

Theodor Fontane wurde am 30. Dezember 1819 in Neuruppin geboren und kam 1833 nach Berlin. Er erlernte den Apothekerberuf und arbeitete anfänglich auch in Leipzig und Dresden, ab 1. April 1841 in der Leipziger Apotheke "Zum weißen Hirsch" in der Hainstrasse und ab Juli 1843 in der Salomonis-Apotheke in Dresden. Während der Märzrevolution 1848 veröffentlichte er einige radikale Texte in der Zeitschrift "Berliner Zeitungshalle".

1849 gab er den Apothekerberuf auf, um sich als Journalist und freier Schriftsteller zu etablieren. Obgleich sein Werk und Wirken zumeist auf die Mark Brandenburg bezogen wird, führen einige seiner Romane und Erzählungen auch in den Harz - wie zum Beispiel "Cecile" oder "Ellernklipp" - und nach Tangermünde ("Grete Minde"). Zu seinen erfolgreichen Erzählwerken zählen "Irrungen, Wirrungen" (1888), "Frau Jenny Treibel" (1893), "Effi Briest" (1895) und "Der Stechlin" (1899). Fontane starb am 20. September 1898 in Berlin.

Der Sprecher Kurt Böwe

Kurt Böwe, am 28. April 1929 in Reetz in der Mark Brandenburg geboren, studierte trotz bestandener Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule des Deutschen Theaters zunächst Germanistik und Theaterwissenschaften in Berlin, um eine akademische Laufbahn einzuschlagen.

Böwe wechselte 1961 dann doch ins Schauspielfach und von der Studentenbühne ans "Maxim Gorki Theater", danach ans Landestheater Halle. Von 1973 bis 1997 gehörte er zum Ensemble des Deutschen Theaters Berlin.

Der Schauspieler Kurt Böwe
Der Schauspieler Kurt Böwe (1929-2000) Bildrechte: IMAGO

Mit unverwechselbarer Intensität gestaltete Böwe seine Figuren auch in Film und Fernsehen, in unzähligen Hörspielen beim Rundfunk, auf Schallplatten und Hörbüchern. In der DDR schon lange ein Star, verhalf ihm seine Rolle als Schweriner Kommissar Groth zu bundesweiter Popularität. Von 1994 bis 2000 ermittelte er in der mecklenburgischen Provinz, stets begleitet von seinem Markenzeichen: dem guten, alten Stoffbeutel aus DDR-Tagen. Kurt Böwe starb am 14. Juni 2000 in Berlin.

Angaben zur Sendung MDR KULTUR Klassikerlesung
Fontane-Jahr 2019
"Von Zwanzig bis Dreißig"
Von Theodor Fontane

Es liest: Kurt Böwe
Regie: Veronika Hübner
Produktion: ORB 1993

Sendung:
01.08.–31.08.2019 | Mo-Fr | jeweils 15:10 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 01. August 2019, 04:00 Uhr

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