Ein Mann steht auf der Bühne  und singt ins Mikro.
Michael Franks beim Riviera Beach Music Festival in Florida, 2008. Bildrechte: imago/ZUMA Press

Albumempfehlung Entspannter Sommer-Jazz von Michael Franks

Der US-amerikanische Singer-Songwriter Michael Franks gehört eher zu den Leiseren im Musikgeschäft. In den 70er- und 80er-Jahren machte er von sich reden - mit erfolgreichen Singles wie "Popsicle Toes" oder "When Sly Calls (Don‘t Touch This Phone)". Nach 2000 wurde es stiller um den 1944 geborenen Künstler aus Südkalifornien; nun ist nach sieben Jahren seine neue CD "The Music in my head" erschienen - unverkennbar Michael Franks, aber doch mit neuen Nuancen.

von Michael Kuhlmann, MDR KULTUR

Ein Mann steht auf der Bühne  und singt ins Mikro.
Michael Franks beim Riviera Beach Music Festival in Florida, 2008. Bildrechte: imago/ZUMA Press

"The Music In My Head“ zeigt vom ersten Ton an eine von Franks‘ lebenslangen Prägungen: Von jeher fasziniert ihn die Musik Brasiliens - begeistert erzählt er heute davon, wie er als 18-Jähriger die damals neue LP "Getz/Gilberto" entdeckt habe. In ihrer entspannten Grundhaltung ist Michael Franks‘ neue CD gar nicht so weit von dem 55 Jahre alten Klassiker entfernt. Doch es ist Musik des 21. Jahrhunderts, und nur vordergründig ist es Easy Listening Jazz.

Bossa-Nova und Bebop

Michael Franks  -  The Music In My Head  (Bestellnummer - SH 5459  -  0355459 (in-akustik)  -  EAN - 0016351545923  -  Label - Shanachie)
Bildrechte: Shanachie

Franks hat seinen Kollegen bewusst nur das Allernötigste vorgegeben: die Stimmung eines Stücks, seine Tonart, sein Tempo. Den Rest, so betont er, beherrschten seine Arrangeure wie Gil Goldstein oder der noch vor Fertigstellung der CD verstorbene Chuck Loeb brillant. So tauchen neben Bossa-Nova-Elementen auch solche des Bebop auf, aber Charles Blenzig hat sie in ein unaufdringliches Gewand gekleidet. Und Michael Franks selbst wagte sich erstmals an einen traditionell funkigen afro-brasilianischen Groove: der Partido Alto erscheint hier allerdings in einer hintergründig verfeinerten, nur hingetupften Form - gemeinsam mit seinen Kollegen drückt Franks dem Rhythmus einen unverwechselbaren, delikaten Stempel auf.

Soli von Freunden und Kollegen

Besagte Kollegen sind zum einen junge Musiker, die Michael Franks nach eigenem Bekunden erst während der Produktion dieser CD kennenlernte - zum anderen alte Freunde und Kollegen. Die Pianistin Rachel Z, die Saxophonisten Bob Mintzer und Eric Marienthal und viele andere steuern entspannte Soli bei; "Yellowjackets"-E-Bassist Jimmy Haslip mischt kräftig mit; und dazu kommen mehrere brasilianische Kollegen um den Perkussionisten Rogerio Boccato. Gerade mit diesen letzteren zusammenzuspielen, war für Franks ein besonderes Erlebnis.

Puristen mögen an dieser Platte mangelnde Kantigkeit und allzu leichte Verdaulichkeit bemängeln - doch mit ihren liebevoll angelegten Details lohnt sie das genauere Hinhören. Entspannte Sommer-Musik.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Album der Woche | 16. Juli 2018 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2018, 13:48 Uhr

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