Juno Calypso, The Honeymoon Suite, aus der Serie The Honeymoon, 2015
Die Arbeiten von Netzkünstlerin Juno Calypso sind besonders aufwändig. Eine Reihe ihrer Selbstporträts entstand in einem Romantikhotel. Bildrechte: Juno Calypso

Netzkünstlerinnen im Museum der bildenden Künste Der weibliche Blick aus dem Internet

von Andreas Höll, MDR KULTUR-Kunstredakteur

Juno Calypso, The Honeymoon Suite, aus der Serie The Honeymoon, 2015
Die Arbeiten von Netzkünstlerin Juno Calypso sind besonders aufwändig. Eine Reihe ihrer Selbstporträts entstand in einem Romantikhotel. Bildrechte: Juno Calypso

Die Schau "Virtual Normality. Netzkünstlerinnen 2.0" versammelt seit Freitag elf internationale Internet-Künstlerinnen im Leipziger Museum der bildenden Künste. In der Ausstellung geht es um den weiblichen Blick im Zeitalter digitaler Inszenierung. Hierbei reflektieren die Künstlerinnen auf höchst unterschiedliche Art und Weise die Themen von Erotik und Sexualität, von Geschlechterrollen und Schönheitsidealen.

Der weibliche Blick im digitalen Zeitalter  

Die jungen Frauen sind mit den digitalen Medien aufgewachsen – das Internet und die sozialen Medien sind gleichzeitig Themenfeld und Verbreitungsweg ihrer künstlerischen Arbeiten. So inszenieren sie sich mit viel Sinn für Ironie z. B. als "Instagram-Model" oder "Online-Exhibtionistin".

Sie verwischen bewusst die Grenzen zwischen Kunst und Leben – manchmal bis zur Unkenntlichkeit.

Aus dem Begleittext zur Ausstellung

"Virtual Normality. Netzkünstlerinnen 2.0" Einblicke in die Ausstellung

Molly Soda, WRU, 2016, C-Type print on aluminium, 42.7 x 64.4 © The Artist
Molly Soda verbindet in ihren Arbeiten Feminismus mit Social Media. Bildrechte: Molly Soda
Molly Soda, WRU, 2016, C-Type print on aluminium, 42.7 x 64.4 © The Artist
Molly Soda verbindet in ihren Arbeiten Feminismus mit Social Media. Bildrechte: Molly Soda
Signe Pierce, Metamirrorism, 2015
Weiblichkeit, Exzess, Perversion und Verzerrung bestimmen die Kunst von Signe Pierce. Bildrechte: Signe Pierce
Izumi Miyazaki, Measure, 2014
Die japanische Fotografin Izumi Miyazaki vermischt in ihren Selbstporträts Humor und Absurdität. Bildrechte: Izumi Miyazaki
Stephanie Sarley, Grapefruit, 2017
Stephanie Sarley fällt mit ihren surrealistischen Werken auf, von denen ihre Fruchtabbildungen besonders bekannt sind. Bildrechte: Stephanie Sarley
Refrakt, Nicole Ruggiero, Molly Soda, Slide to Expose, Installation, 2017 © The Artists
Molly Soda, Nicole Ruggiero und Refrakt inszenierten diesen pinken Raum. Bildrechte: Refrakt, Alexander Govoni und Carla Streckwall
Nakeya Brown, Kanekalon on a Fork, aus der Serie The Refutation of Good Hair, 2012 © The Artist
Nakeya Brown mit einem Werk aus der Serie "The Refutation of Good Hair" Bildrechte: Nakeya Brown
Juno Calypso, The Honeymoon Suite, aus der Serie The Honeymoon, 2015
Mit einem Koffer voller Perücken und Dessous posiert Juno Calypso in der Reihe "The Honeymoon Suite" in einsamen Situationen der Begierde und Enttäuschung. Bildrechte: Juno Calypso
Arvida Byström, Selfportrait, 2013
Die Schwedin Arvida Byström stellt mit ihren mädchenhaft anmutenden Fotografien Weiblichkeit und Rollenbilder in Frage. Bildrechte: Arvida Byström
Alle (8) Bilder anzeigen
Molly Soda, WRU, 2016, C-Type print on aluminium, 42.7 x 64.4 © The Artist
Bildrechte: Molly Soda

Ein bisschen Beinhaar führt zum Shitstorm

Arvida Byström, Selfportrait, 2013
Künstlerin und Model Arvida Byström hinterfragt Schönheitsideale und weibliche Rollenklischees. Bildrechte: Arvida Byström

Die schwedische Künstlerin Arvida Byström beispielsweise arbeitet auch als Model und nutzt diese Rolle, um Schönheitsideale und weibliche Rollenklischees zu hinterfragen. Das sorgt manchmal für gehörigen Wirbel: Letztes Jahr hat sie mit einer Werbekampagne für den Sportartikel-Hersteller Adidas einen regelrechten Shitstorm in den sozialen Netzwerken ausgelöst. Auf den Werbefotos sieht man ihre unrasierten Beine. Für viele Nutzer war das offensichtlich eine solche gewaltige Provokation, dass es sogar zu Vergewaltigungsdrohungen im Internet gekommen ist.

Das Thema der weiblichen Körperbehaarung greifen auch andere Künstlerinnen auf. Es steht dabei exemplarisch für die Zensur des weiblichen Körpers in den sozialen Netzwerken, denn Bilder von Schambehaarung oder Brustwarzen werden bei Instagram rigoros zensiert.

Digitale Doppelmoral

In dieser Ausstellung kann man viel erfahren über die Geschichte der menschlichen Zivilisation in der digitalen Ära und die Formen der Doppelmoral in einer moralingesäuerten Mediengesellschaft.

Die Arbeit mit dem Titel Falaise der norwegischen Malerin Anna-Eva Bergman
Bildrechte: dpa

MdbK-Direktor Alfred Weidinger versprach eine 50%ige Frauenquote. Jetzt macht er ernst und präsentiert Anna-Eva Bergman, die Fotografin Carina Brandes und die Gruppenschau "Netzkünstlerinnen 2.0 2. Andreas Höll berichtet

MDR KULTUR - Das Radio Fr 12.01.2018 08:40Uhr 06:18 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Informationen zur Ausstellung Virtual Normality. Netzkünstlerinnen 2.0
12.01. - 08.04.2018

Museum der bildenden Künste Leipzig
Katharinenstraße 10
04109 Leipzig

Mo geschlossen
Di, Do–So 10–18 Uhr
Mi 12–20 Uhr
Feiertage 10–18 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. Januar 2018 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2018, 15:17 Uhr

Die Arbeit mit dem Titel Falaise der norwegischen Malerin Anna-Eva Bergman
Bildrechte: dpa

MdbK-Direktor Alfred Weidinger versprach eine 50%ige Frauenquote. Jetzt macht er ernst und präsentiert Anna-Eva Bergman, die Fotografin Carina Brandes und die Gruppenschau "Netzkünstlerinnen 2.0 2. Andreas Höll berichtet

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