Netzkünstlerinnen im Museum der bildenden Künste Der weibliche Blick aus dem Internet

von Andreas Höll, MDR KULTUR-Kunstredakteur

Die Schau "Virtual Normality. Netzkünstlerinnen 2.0" versammelt seit Freitag elf internationale Internet-Künstlerinnen im Leipziger Museum der bildenden Künste. In der Ausstellung geht es um den weiblichen Blick im Zeitalter digitaler Inszenierung. Hierbei reflektieren die Künstlerinnen auf höchst unterschiedliche Art und Weise die Themen von Erotik und Sexualität, von Geschlechterrollen und Schönheitsidealen.

Der weibliche Blick im digitalen Zeitalter  

Die jungen Frauen sind mit den digitalen Medien aufgewachsen – das Internet und die sozialen Medien sind gleichzeitig Themenfeld und Verbreitungsweg ihrer künstlerischen Arbeiten. So inszenieren sie sich mit viel Sinn für Ironie z. B. als "Instagram-Model" oder "Online-Exhibtionistin".

Sie verwischen bewusst die Grenzen zwischen Kunst und Leben – manchmal bis zur Unkenntlichkeit.

Aus dem Begleittext zur Ausstellung

Ein bisschen Beinhaar führt zum Shitstorm

Die schwedische Künstlerin Arvida Byström beispielsweise arbeitet auch als Model und nutzt diese Rolle, um Schönheitsideale und weibliche Rollenklischees zu hinterfragen. Das sorgt manchmal für gehörigen Wirbel: Letztes Jahr hat sie mit einer Werbekampagne für den Sportartikel-Hersteller Adidas einen regelrechten Shitstorm in den sozialen Netzwerken ausgelöst. Auf den Werbefotos sieht man ihre unrasierten Beine. Für viele Nutzer war das offensichtlich eine solche gewaltige Provokation, dass es sogar zu Vergewaltigungsdrohungen im Internet gekommen ist.

Das Thema der weiblichen Körperbehaarung greifen auch andere Künstlerinnen auf. Es steht dabei exemplarisch für die Zensur des weiblichen Körpers in den sozialen Netzwerken, denn Bilder von Schambehaarung oder Brustwarzen werden bei Instagram rigoros zensiert.

Digitale Doppelmoral

In dieser Ausstellung kann man viel erfahren über die Geschichte der menschlichen Zivilisation in der digitalen Ära und die Formen der Doppelmoral in einer moralingesäuerten Mediengesellschaft.

Informationen zur Ausstellung Virtual Normality. Netzkünstlerinnen 2.0
12.01. - 08.04.2018

Museum der bildenden Künste Leipzig
Katharinenstraße 10
04109 Leipzig

Mo geschlossen
Di, Do–So 10–18 Uhr
Mi 12–20 Uhr
Feiertage 10–18 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. Januar 2018 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Januar 2018, 07:49 Uhr

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