Filmstart Packender Tanzfilm: "Nurejew – The White Crow"

Aus der baschkirischen Provinz und gegen den Willen seines Vaters schafft es Rudolf Nurejew mit 17 auf eine Ballettschule in Leningrad. Eigentlich ist er schon zu alt für eine klassische Ausbildung. Doch sein Ehrgeiz ist so enorm wie sein Talent. Wie er einer der größten Tänzer seiner Zeit und zum Popstar wird; wie er dabei Grenzen zwischen Ost und West überwindet, das zeigt packend der Film "Nurejew – The White Crow" in der Regie von Ralph Fiennes, der auch den Lehrer spielt.

von Lutz Pehnert. MDR KULTUR

Mit seiner Geburt am 17. März 1938 auf einer Fahrt in der Transsibirischen Eisenbahn beginnt der Film "Nurejew – The White Crow".

Die Reise von Moskau bis Wladiwostok dauert ungefähr zwölf Tage. Am Baikalsee hatte es mich aus dem Mutterleib geschüttet.

Nurejew im Film

"Finden Sie selbst eine Antwort"

Szene aus: «Nurejew - The White Crow»
Ralph Fiennes (l.), Nurejews Lehrer und Regisseur des Films Bildrechte: Alamode Film

Eine Weiße Krähe zu sein, bedeutet, ein Außenseiter zu sein. Und tatsächlich: Aus der baschkirischen Provinz und gegen den Willen seines Vaters schafft es Rudolf Nurejew mit 17 auf eine Tanzschule in Leningrad. Eigentlich ist er schon zu alt für eine klassische Ausbildung. Doch sein Ehrgeiz ist so enorm wie sein Talent. Hier trifft er auf den Lehrer Alexander Puschkin, gespielt von Ralph Fiennes, der zugleich Regisseur des Films ist. Puschkin lehrt ihn nicht nur Bewegung, sondern, seinem Tanz einen Sinn zu geben.

- Sind Sie zufrieden?
- Wie bitte?
- Sie sagen nie etwas zu mir.
- Ach.
- Ich würde nur gern wissen, ob Sie mit mir zufrieden sind.
- Ich bin mit Ihnen nicht unzufrieden.
- Ist das alles?
- Finden Sie selbst eine Antwort. Wenn ich mit ihrer Arbeit zufrieden bin, werden Sie es merken.

Dialog Nurejew-Puschkin im Film

In allen Berichten, die man über Rudolph Nurejew lese, stoße man auf diesen großen Lehrer, erzählt Fiennes. Anscheinend habe der mittels einer sehr sanften Technik gelehrt.

Er erlaubte den Studenten, Fehler zu machen, um herauszufinden, was falsch ist. Damit sie sich selbst korrigieren. Das war sein Prinzip. Er hat nicht die ganze Zeit Stress gemacht und gerufen: Nein, nein, nein. Falsch, falsch, falsch.

Ralph Fiennes, Regisseur & Schauspieler

"Jeden Tag quetsche ich ein Stück Sklave aus meiner Seele"

Szene aus: «Nurejew - The White Crow» - im Straßencafe
Der ukrainische Tänzer Oleg Ivenko spielt Nurejew. Bildrechte: Alamode Film

Diesen Leitspruch für sein Leben hat Nurejew von dem Dichter Anton Tschechow übernommen. Tatsächlich gehört der Tänzer bald zum berühmten Leningrader Kirow-Ballett und kann im Juni 1961 zum ersten Mal ins westliche Ausland reisen, zum Gastspiel nach Paris. Gleich nach Ankunft führt sein Weg nicht etwa ins Hotel, sondern in die Stadt. Sehr zum Missfallen seiner Aufpasser.

Warum tanzt man? Warum lebt man? Regisseur Ralph Fiennes wagt große Fragen – und inszeniert sie packend, zuweilen poetisch, aber auch plakativ. Rudi, überzeugend verkörpert von dem ukrainischen Tänzer Oleg Ivenko, ist nicht nur sympathisch. So manisch er in seinem Streben ist, der beste Tänzer der Welt zu werden, so überheblich ist seine Selbsteinschätzung. Paris wird für ihn ein Fest des Lebens. Er genießt die Stadt, den Jubel um ihn, die Freiheit und die neuen Freunde des Westens.

"I wish and I will"

"Ein Porträt des Künstlers als junger Mann mit all seinen Ecken und Kanten, seiner Einsamkeit, seiner Vorstellungskraft und seinen Dummheiten", das solle sein Film sein, sagt Ralph Fiennes: "Er besitzt eine gewisse eine Rücksichtslosigkeit in seinem Streben" Aber das ist Jugend, die sich zu verwirklichen versucht. Und ich finde, das ist sehr bewegend."

Szene aus: «Nurejew - The White Crow»
"Eine gewisse Rücksichtslosigkeit" Bildrechte: Alamode Film

Fiennes zeigt, wie Nurejew Paris erobert. Nun soll ihm die Welt zu Füßen liegen. Nächste Station des Kirow-Ensembles ist London. Doch Nurejew gilt längst als unsicherer Passagier. Am Pariser Flughafen verkünden ihm seine Aufpasser, dass er nach Moskau zurückfliegen müsse. Seine Mutter sei erkrankt, erzählen sie ihm. Nurejew glaubt ihnen nicht. In den letzten Minuten verwandelt sich der Film in einen packenden Polit-Thriller, am Ende beantragt Nurejew politisches Asyl, ein Schritt auf dem Weg in die künstlerische Freiheit.

Ich kann überall auf der Welt leben. Vergessen Sie nicht: Ich wurde in einem Zug geboren!

Nurejew im Film

"I wish and I will" – so lautete das Gesetz dieses gegen sich selbst wütenden Künstlers, der wie kein zweiter den Tanz und die Welt des Tanzes verändert hat.

Szene aus: «Nurejew - The White Crow» - abendlicher Stadtbummel 2 min
Bildrechte: Alamode Film

Begleitet von der schönen Chilenin Clara Saint (Adèle Exarchopoulos) streift er durch die Museen und Jazz-Clubs der Stadt

Mo 23.09.2019 12:32Uhr 02:07 min

https://www.mdr.de/kultur/videos-und-audios/video-sonstige/video-339614.html

Rechte: Alamode Film

Video

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | artour | 19. September 2019 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2019, 04:00 Uhr

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