Neuer Dokumentarfilm Wie kommt das Geld in die Welt?: "Oeconomia" fragt, Banker passen

Knut Elstermann
Bildrechte: Jochen Saupe

Dokufilmerin Carmen Losmann macht sich in der Finanzkapitale Frankfurt auf die Spur des Geldes. Banker schockt sie mit scheinbar einfachen Fragen: Wie kommt das Geld in die Welt? Und wie werden die Schulden der einen zu Gewinnen der anderen? Wie wir herauskommen aus der Logik der endlosen Kapitalvermehrung, vor der finalen Erschöpfung von Mensch und Natur, das will sie eigentlich wissen. Auf der Berlinale feierte "Oeconomia" Premiere. "Klug und unterhaltsam", lobt unser Kritiker das Werk.

Diesem außergewöhnlichen Dokumentarfilm liegt ein berühmter Essay zugrunde: "Die Fabrik des verschuldeten Menschen" aus dem Jahr 2011. Darin schreibt der Philosoph Maurizio Lazzarato: "Die Schulden stellen kein Hemmnis für das Wachstum dar; im Gegenteil, sie sind der ökonomische und subjektive Motor zeitgenössischer Ökonomie. Die Fabrikation der Schulden, also die Konstruktion und Entwicklung des Machtverhältnisses Gläubiger-Schuldner, bildet das strategische Zentrum neoliberaler Politik."

Kluge und unterhaltsame Analyse

Wie wird Geld produziert? Eine simple Frage bringt Peter Praet, ehemaliger Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, in Erklärungsnot.
Wie wird Geld produziert? Eine simple Frage bringt Peter Praet, ehemaliger Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, in Erklärungsnot. Bildrechte: Neue Visionen Filmverleih

Regisseurin Carmen Losmann zeigt in ihrem klugen und unterhaltsamen Film, wie eine Gesellschaft beschaffen ist, die auf dem Schuldenmachen beruht. Sie stellt ganz einfache, grundlegende Fragen: Wie entsteht Geld? Was sind Schulden? Warum braucht der Kapitalismus das ständige Wachstum um jeden Preis?

Erstaunlicherweise wissen selbst Finanzexperten und Banker, wenn sie überhaupt reden wollen, darauf keine klare Antwort. Carmen Losmann macht mit ihrer geradlinigen Fragetechnik und den anschaulichen Computeranimationen abstrakte Prozesse verständlich, die hinter unserem Rücken das Leben aller bestimmen.

Wir schaffen Geld. Das geschieht sozusagen elektronisch. Wir schreiben den Konten den Betrag gut. Das werden die Leute wieder nicht verstehen. Ich verbildliche das mal – das ist jetzt ohne Kamera: Ich könnte sagen: Ich drucke Geldscheine. Aber das ist nur ein Bild, so machen wir das nicht, das macht das Banksystem.

Peter Praet Ehemaliger Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank

Filmpremieren in Anwesenheit der Regisseurin gibt es u.a. hier: 20.10.2020, 18:00 Uhr
Luchskino, Halle

20.10.2020, 20:00 Uhr
Passage, Leipzig

21.10.2020, 20:00 Uhr
Schauburg, Dresden

21.10.2020, 19:00 Uhr
Moritzhof, Magdeburg

24.10.2020, 17:30 Uhr
Programmkino Ost, Dresden, Körners Corner

"Oeconomia" - Filmplakat 2 min
Bildrechte: Neue Visionen Filmverleih

Dokfilm von Carmen Losmann

Di 13.10.2020 15:20Uhr 01:30 min

https://www.mdr.de/kultur/videos-und-audios/video-sonstige/video-oeconomia-dokfilm-trailer100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Carmen Losmann
Besetzung:  
Im deutschen Kino ab: 15.10.2020
Produktionsland: Deutschland
Bewertung: ★ ★ ★ ★ ☆ (4 von 5 Sternen)

Mehr Filmbesprechungen bei MDR KULTUR

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. Oktober 2020 | 08:10 Uhr

Aktuelle Filmempfehlungen