Eine Frau sitzt auf einem Stuhl mit einem Laptop auf dem Schoß, hinter ihr steht eine andere Frau.
Sollte man sein Liebesleben einer Maschine anvertrauen? - Szene aus "Osmosis". Bildrechte: Courtsey of Netflix

Rezension Netflix-Serie "Osmosis": Mit Algorithmen zum Seelenzwilling?

In der zweiten französischen Netflix-Produktion geht es um die große Frage, ob künstliche Intelligenz uns helfen kann, die Liebe des Lebens zu finden. Zwölf Probanden lassen sich auf das Implantat "Osmosis" ein - drei von ihnen, Anna, Nils und Lucas, lernen wir in den acht Folgen näher kennen.

von Claudia Bleibaum, MDR KULTUR

Eine Frau sitzt auf einem Stuhl mit einem Laptop auf dem Schoß, hinter ihr steht eine andere Frau.
Sollte man sein Liebesleben einer Maschine anvertrauen? - Szene aus "Osmosis". Bildrechte: Courtsey of Netflix

Selbstfahrende Autos, kühle Räume eines Startups, eine beeindruckende künstliche Intelligenz mit Namen Martin und ein Chip mit Nanorobotern für die perfekte Liebe: Die Serie "Osmosis" spielt in der nahen Zukunft, aber die Vision des Chips folgt einem urmenschlichen Traum. Es geht um Liebe und darum, dass jeder dank einer neuen Technologie endlich den einen Seelenzwilling finden kann.

Große Liebe per Algorithmus?

Die technologische Seite, also wie die KI namens Osmosis den Seelenzwilling findet, steht nicht im Vordergrund. Sondern eher die Frage, was der Mensch macht, wenn aus der Sehnsucht nach der perfekten Liebe Gewissheit werden kann. 12 freiwillige junge Männer und Frauen sind Probanden für den Betatest und wünschen sich das, was Osmosis verspricht: die Verschmelzung mit der zweiten Hälfte.

Drei von ihnen verfolgt die Serie genauer: die übergewichtige Anna, deren Herzblatt ausgerechnet ein Fitnesstrainer ist, den sexsüchtigen Minderjährigen Nils, der Angst vor seinen wahren Gefühlen hat und Lucas, der Gewissheit braucht, ob sein Freund wirklich der Richtige ist.

Sex im Cyberspace

Ein Mann und eine Frau halten sich in den Armen.
Szene aus "Osmosis". Bildrechte: Courtsey of Netflix

Hinter der Firma, die die künstliche Intelligenz entwickelt, stecken zwei Geschwister: Paul ist das Herz und seine Schwester Esther das hochbegabte Hirn. Paul selbst hat mit Joséphine dank Osmosis seine perfekte Partnerin gefunden. Esther jedoch ist sehr einsam und nur im virtuellen Raum sexuell aktiv, eng mit der von ihr programmierten KI Martin verbunden. Die Konkurrenz "Perfect Match", der Ethikrat, neue Investoren, Probleme mit Martin, der KI und die Probanden sind die Variablen in der Geschichte. "Osmosis“ lebt eher von innerer Spannung und ist nichts für die Berieselung zwischendurch.

Die Suche nach Glück

Der Look der Serie changiert zwischen Hypermodern und gegenwärtig. Erfrischend sind die Darsteller, neue Gesichter, wie Hugo Becker als Paul, Agathe Bonitzer als Esther oder Luana Silva als Anna. Die Serie von Regisseurin Audrey Fouché bietet unter der Oberfläche eine Reflexionsebene für viele sehr menschliche Fragen: Was ist Liebe, gibt es den einen perfekten Partner und ist hier Gewissheit erstrebenswert? Oder ist nicht die Suche nach der Liebe ein spannender Weg, der uns neugierig, mutig - und letztlich zum Menschen macht? 

Die Frage, welches Verhältnis wir zu Maschinen haben, spielt natürlich auch eine Rolle. Technologie ist mehr als nur Mittel zum Zweck, denn sie verändert auch uns. Und der Gedanke, dass sie von uns lernt und menschliche Züge bekommt, kann verstören. Letzten Endes aber erzählt "Osmosis" auch von Familie, von Geheimnissen, von Verlusten und vom Elend des verletzten Menschen. Denn dass Nanobots oder Künstliche Intelligenz unseren Schmerz lindern können, darauf sollten wir uns auch in naher Zukunft einfach nicht verlassen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. April 2019 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. April 2019, 04:00 Uhr

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