Gruppenszene im Stück "Titanic" am Theaterhaus Jena.
Jede Menge Komparsen und ein volles Bühnenbild: Bei der "Titanic"-Inszenierung am Theaterhaus Jena hat man es zum Abschied noch einmal krachen lassen. Bildrechte: Joachim Dette

Inszenierung am Theaterhaus Rezension: Catwoman und Arielle auf der "Titanic" in Jena

Mit einer pompösen "Titanic"-Uraufführung wurde die diesjährige Kulturarena eröffnet. Gleichzeitig geht eine Ära am Theaterhaus Jena zu Ende: Nach sieben Jahren verabschiedet sich die Mannschaft um Moritz Schönecker. MDR KULTUR-Theaterkritiker Wolfgang Schilling war bei der Generalprobe dabei.

Gruppenszene im Stück "Titanic" am Theaterhaus Jena.
Jede Menge Komparsen und ein volles Bühnenbild: Bei der "Titanic"-Inszenierung am Theaterhaus Jena hat man es zum Abschied noch einmal krachen lassen. Bildrechte: Joachim Dette

Aufhören wenn es am schönsten ist – alle sieben Jahre gibt es in Jena ein neues Team für das Theaterhaus. Das Untergangsstück zum Abgang in diesem Jahr: eine "Titanic"-Uraufführung. Zum Abschluss schwelgt man offenbar noch einmal im Luxus. Allein bei der Ausstattung werden die großen Trommelstöcke rausgeholt: Der Theaterplatz ist vollgepackt mit Bühnenaufbauten, bespielbaren Fertiggaragen, künstlichen Wellen, die man aus japanischen Holzschnitten kopiert zu haben scheint. Dazu gibt es mehrere Videoleinwände, Abspielflächen, eine Bluebox in der man Live-Videosequenzen filmt, die dann in andere Hintergründe projiziert werden, Ballett, Live-Gesang vom Feinsten, eine Nachwuchsbigband im Miniformat – die allerdings noch etwas üben muss –, das eigene Ensemble, internationale Gäste und ein Heer von Komparsen, die dafür sorgen, dass es keine Leerstellen auf dieser vollgepackten Bühne gibt.

Ein Schauspieler im Stück "Titanic" am Theaterhaus Jena.
Die Wellen im Bühnenbild erinnern an den Holzschnitt "Die große Welle vor Kanagawa" des japanischen Künstlers Katsushika Hokusai. Bildrechte: Joachim Dette

Eine vollgepackte Story mit Fantastikelementen

James Camerons Titanic-Verfilmung ist ein Kurzfilm im Vergleich zu dem, was die Jenaer erzählen. Das Stück geht zwar nicht so lang – nach zwei Stunden ist es vorbei – aber man hat inhaltlich viel reingepackt – vielleicht auch etwas zu viel, wenn es ins Phantastische wegdriftet. Was haben Anime-Schwertkämpfer, Krieger und Catwoman auf der Titanic verloren? Ein Magier, der wie Gandalf aussieht, geistert herum, gemeinsam mit Arielle der Meerjungfrau. Das verliert sich manchmal inhaltlich etwas ins Nirwana.

Zwei Schauspieler im Stück "Titanic" am Theaterhaus Jena.
Catwoman mit Regenbogen - im "Titanic"-Stück des Theaterhauses Jena wird es mitunter fantastisch. Bildrechte: Joachim Dette

Auch rein akustisch ist das Stück teilweise schwer zu verstehen: Man agiert mit Microports, alles kommt aus zentralen Lautsprechern und bei dem Gewusel auf der Bühne weiß man oft gar nicht, wer wo gerade spricht. Schönes Beispiel: Der Darsteller von Catwoman rief während eines wichtigen Monologs vorsorglich: "Hier bin ich, auf der Treppe!" – Also da ist vom Zuschauer höchste Konzentration gefragt.

"Titanic", das Sommertheater, ist nichtsdestotrotz ein großes Abschiedsgeschenk der alten künstlerischen Mannschaft vom Theaterhaus in Jena.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 05. Juli 2018 | 13:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Juli 2018, 09:32 Uhr