Sachbuchempfehlung Wie Roger de Weck Demokratie und Umwelt retten möchte

Klimaschutz und Naturverbundenheit statt rechte Propaganda und Zerstörung der Demokratie – eine Öko-Demokratie könnte zugleich Schlüssel für eine lebenswerte Zukunft und Mittel gegen Rechtspopulismus sein, so die Idee von Roger de Weck. In seinem neuen Buch "Die Kraft der Demokratie. Eine Antwort auf die autoritären Reaktionäre" erklärt er, was genau dahinter steckt. Warum Sie den optimistischen Essay lesen sollten:

Roger de Weck
Der Publizist Roger de Weck Bildrechte: imago/Manfred Siebinger

Roger de Weck hat das Buch "Die Kraft der Demokratie" seinen Enkeln gewidmet und es wird nach dem Lesen sofort klar warum: Er macht sich Sorgen um die Zukunft, er hat Angst um die Lebensgrundlagen. Er möchte, dass die Ökologie wahrhaftig Eingang in die Politik findet und nicht nur als vage Verhandlungsmasse oder nette Beigabe angesehen wird. Er will mehr. Und das gilt auch in Zeiten, in denen ein Virus die Welt fast lahmlegt: "Kein Virus lässt sich an der Grenze aufhalten. Dasselbe gilt für die Umwelt- und die Klimafrage", stellt de Weck fest.

Kein Virus lässt sich an der Grenze aufhalten. Dasselbe gilt für die Umwelt- und die Klimafrage.

Roger de Weck

Ein Mitspracherecht für die Natur

Teilnehmer beim Fridays for Future Plakat Erde
Auf einem Plakat machen Demonstrierende einer Fridays-for-Future-Demo auf die Situation unserer Welt aufmerksam. Bildrechte: imago images/Müller-Stauffenberg

Wenn wir alte Verteilungskämpfe zwischen reicheren und ärmeren Ländern zu Lasten der natürlichen Ressourcen fortführten, dann gäbe es nur Verlierer, argumentiert de Weck. Davor könnten uns neue Strukturen der Mitbestimmung bewahren. Der Publizist und ehemalige Chefredakteur der "Zeit" hat konkrete Vorstellungen davon, wie Ökologie mitregieren kann. Er fordert eine zweite Parlamentskammer, die nur der Nachhaltigkeit verpflichtet ist.

Damit hätte die Natur ein direktes Mitspracherecht. Sie hätte demokratische Grundrechte. Man könnte sie nicht mehr übergehen. Vertreten würde sie durch einen mächtigen Rat der Umweltweisen, der jedes Gesetzesvorhaben auf seine Umweltverträglichkeit prüft und dann der zweiten – der Natur verpflichteten – Parlamentskammer als Entscheidungsgrundlage vorlegt.
 
Auch die Umwelt-Exekutive will er stärken. Das Umweltministerium sollte Vetorecht im Kabinett haben und damit auf eine Stufe mit dem Finanzministerium kommen. Und nicht genug. Zusätzlich sollte es einen Rat für Generationengerechtigkeit geben. Aber auch für die europäische Ebene hat er Ideen. Er will – analog zum Gerichtshof für Menschenrechte – einen Europäischen Gerichtshof für die Rechte der Natur. Sie kann also vor einer rechtsstaatlichen Instanz Recht erhalten, sie wird nicht nur Demokratie-Teilhaberin, sondern auch Rechtsträgerin.

Aus Liebe zu Demokratie und Nachhaltigkeit

Sein Buch ist keine wissenschaftlich durchargumentierte Politik-Analyse, sondern ein demokratieverliebter, optimistischer Essay.

Vladimir Balzer, MDR KULTUR

Dieser Umweg über eine Öko-Demokratie soll aus seiner Sicht helfen, die Populisten und Reaktionäre zurückzudrängen. Denn sie haben keine Lösungen, sagt er, sie haben nur Feinde: "Die 'Autoritärdemokraten' wollen die ganze Macht. Sie bedrängen die Justiz, das Parlament, die Opposition und andere Kontrollinstanzen wie Medien, Banken und NGOs." 

Das möchte de Weck mit seinen Vorschlägen beschränken. Sein Buch ist dabei keine wissenschaftlich durchargumentierte Politik-Analyse, sondern ein demokratieverliebter, optimistischer Essay. Es ist der Versuch eines Bürgers, eines Europäers, eines liberalen Demokraten den autoritätsverliebten Populisten den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Roger de Weck traut sich, unrealistische Vorschläge vorzulegen, aber ohne Eifer, ohne Provokation. Eher mit schweizerischem Understatement, dem man sich kaum entziehen kann. Und das noch an Qualität gewinnt, wenn man mit jedem Absatz spürt, was für ein großer Stilistiker hier schreibt. Sein Buch ist von einer Eleganz und einer Stringenz, die man so oft in politischen Sachbüchern hierzulande vermisst. Und wenn seine Enkel, denen er das Buch widmet, es lesen – dann haben sie schon mal ein Vorbild, wie man gut schreibt.

Cover zum Buch: "Die Kraft der Demokratie. Eine Antwort auf die autoritären Reaktionäre" von Roger de Weck
Bildrechte: Suhrkamp

Informationen zum Buch Roger de Weck: "Die Kraft der Demokratie - Eine Antwort auf die autoritären Reaktionäre"

Erschienen im Suhrkamp-Verlag

ISBN: 978-3-518-42931-0

24 Euro

Roger de Weck 3 min
Bildrechte: imago images/Alex Halada

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 09. Mai 2020 | 13:45 Uhr