Kino Aids-Drama "Sorry Angel" – Liebe ist stärker als ein Todesurteil

Die Diagnose HIV bedeutete in den 90er-Jahren ein Todesurteil. Regisseur Christophe Honoré ("Chanson der Liebe") beleuchtet die Möglichkeiten und Grenzen der Liebe angesichts dieser düsteren Prognose. Unser Kritiker Knut Elstermann ist besonders von der entschleunigte Erzählweise der handylosen Zeit begeistert.

von Knut Elstermann, MDR KULTUR-Filmkritiker

In die Zeit als eine Aids-Diagnose einem Todesurteil gleichkam, führt der feinsinnige, französische Liebesfilm "Sorry Angel" zurück, der im Wettbewerb von Cannes lief.

Regisseur Christophe Honoré ("Chanson der Liebe") erzählt von der Begegnung des 22-jährigen Studenten Arthur (Vincent Lacoste) und des 36-jährigen, an Aids erkrankten Autors Jaques (Pierre Deladonchamps). Während Arthur sich immer klarer darüber wird, dass er Männer liebt, und die Nähe von Jaques sucht, zieht sich der Todgeweihte zurück, weil er keine letzte Liebe mehr will. Doch das hält den ungestümen Arthur nicht ab.

Sorry Angel , Film
Wie weit kann die Liebe gehen? Bildrechte: Salzgeber & Co. Medien GmbH

Ohne Sentimentalität und Nostalgie rekonstruiert der Film mit seinen ausgezeichneten Darstellern die 90er-Jahre, eine langsamere Zeit ohne Handys. Er lässt seinen sehr natürlichen Figuren viel Raum, um ihre Eigenart und Einzigartigkeit zu entdecken, um ihnen schöne, unauffällige und berührende Momente der Alltäglichkeit zu schenken, die angesichts des nahenden Todes zu echten Kostbarkeiten werden.

Genre: Tragikomödie
Regie: Christophe Honoré
Darsteller: Vincent Lacoste, Pierre Deladonchamps, Denis Podalydès u.a.
Im deutschen Kino ab: 25.10.2018
Produktionsland: Frankreich
Bewertung: ★ ★ ★ ☆ ☆ (3 von 5 Sternen)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 25. Oktober 2018 | 08:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Oktober 2018, 09:47 Uhr

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