Israelisches Drama Berlinale-Gewinner "Synonymes" kommt ins Kino

Der Film über einen jungen Israeli, der in Paris versucht seine Nationalität loszuwerden, erhielt auf der Berlinale den Goldenen Bären als bester Film. Unser Kritiker verrät, was den Film so besonders macht.

Knut Elstermann
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von Knut Elstermann, MDR KULTUR-Filmkritiker

Tom Mercier in einer Szene des Films "Synonymes" 2 min
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"Synonymes" erhielt auf der Berlinale den Goldenen Bären als bester Film. Er handelt von einem jungen traumatisiserten Israeli, der in Paris versucht seine Nationalität loszuwerden.

Mo 02.09.2019 14:46Uhr 02:04 min

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Buchstäblich splitternackt erleben wir Yoav, den jungen, von Tom Mercier charismatisch gespielten Helden dieses Films, am Beginn. Während er im Bad war, sind seine Sachen gestohlen worden. Diese Nacktheit hat einen symbolischen Sinn: Yoav ist wie ein Neugeborener, nackt und bloß, frierend und ungeschützt geht er in ein neues Leben. Der Israeli zog nach Paris, um alles hinter sich zu lassen, sein Land, seine Kultur, seine Sprache. Er weigert sich, Hebräisch zu sprechen, lernt Französisch und sucht ständig nach neuen Synonymen für bekannte Wörter, ist aber auch selbst so etwas wie ein Synonym seiner selbst, ein anderer, neuer Ausdruck seiner Persönlichkeit.

Quentin Dolmaire,Tom Mercier und Louise Chevillotte in einer Szene des Films "Synonymes".
Halt findet Yoav scheinbar bei Caroline und Emile, einem jungen französischen Paar, mit dem er sich anfreundet.  Bildrechte: GRANDFILM

Identitätsverweigerung mit universellem Anspruch

Der israelische Regisseur Nadav Lapid hat eine starke, stilsichere, eindringliche Parabel gedreht, die schon als anti-israelisch missverstanden wurde. Dabei hat diese Identitätsverweigerung eines offensichtlich Traumatisierten einen zutiefst universellen Anspruch: Sie zeigt, dass wir auch in der Ferne nicht loswerden, was uns prägt. "Synonymes" war der Überraschungserfolg dieser Berlinale – er erhielt sehr verdient den Goldenen Bären für den besten Film.

Genre: Drama
Regie: Nadav Lapid
Darsteller: Tom Mercier, Louise Chevillotte, Quentin Dolmaire u.a.
Im deutschen Kino ab: 05.09.2019
Produktionsland: Frankreich, Israel, Deutschland
Bewertung: ★ ★ ★★ ☆ (4 von 5 Sternen)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Filmstarts der Woche mit Knut Elstermann | 05. September 2019 | 08:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. September 2019, 04:00 Uhr

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