Stadtbad Chemnitz von innen.
Blick ins Chemnitzer Stadtbad Bildrechte: dpa

"Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur" Tag des offenen Denkmals: Tipps für Sachsen

"Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur" – so lautet das Motto zum Tag des offenen Denkmals am 8. September 2019. In den Blick genommen werden so Bauten, die in ihrer Zeit revolutionär waren oder neuen Kunst- und Baustilen zum Ausdruck verhalfen. Anlass ist das 100-jährige Bauhaus-Gründungsjubiläum. "Unabhängig von Denkmalgattung, Zeit und Ort – Umbrüche sind überall zu finden", sagen die Veranstalter. Unsere Tipps für Sachsen ...

Stadtbad Chemnitz von innen.
Blick ins Chemnitzer Stadtbad Bildrechte: dpa

Chemnitz: Stadtbad

Das Stadtbad ist ein Meisterwerk des Neuen Bauens in Chemnitz. Seinerzeit gehörte es zu den modernsten Hallenbädern Europas. Entworfen wurde es vom Architekten Fred Otto, fertiggestellt 1935. Während die Hülle des Baus schlicht und sachlich scheint, besticht die Eleganz der Innenausstattung, im Eingangsbereich gibt es bildkünstlerische Werke, u.a. von Bruno Ziegler. Das Gebäude wurde bereits zu DDR-Zeiten von 1980 bis 1983 umfassend saniert und fortlaufend instandgehalten.

Stadtbad Chemnitz aus den 30er Jahren.
Das Stadtbad Chemnitz in den 30er-Jahren Bildrechte: dpa

Wo & Was Stadtbad Chemnitz
Mühlenstraße 27
09111 Chemnitz

Führungen: 10:00 Uhr zur Technik; 14:00 Uhr zur Baugeschichte
Begrenzte Personenzahl; Voranmeldung an der Kasse Stadtbad unter 0371 / 488 5248 erforderlich

Crimmitschau: Tuchfabrik Gebrüder Pfau

Tuchfabrik Gebrüder Pfau in Crimmitschau, Außenansicht
Blick aufs Fabrikgelände Bildrechte: Tuchfabrik Gebr. Pfau / Carlo Böttger

Die Tuchfabrik Gebrüder Pfau bewahrt ein in Europa einzigartiges Fabrik- und Maschinenensemble. Von 1885 und bis 1990 wurden hier hunderttausende Meter unterschiedlichster Stoffe produziert. Ein Rundgang durch die Fabrik gibt einen Einblick in die Produktion von der Wollanlieferung über das Spinnen und Weben bis hin zur Verpackung des versandfertigen Produkts; von der Flocke bis zum fertigen Tuch. Außerdem werden Besucher durch die Ausstellung "Kleider machen Leute?!" geführt.

Tuchfabrik Gebrüder Pfau in Crimmitschau, Blick in die Ausstellung 'Kleider machen Leute'
Zurzeit läuft die Schau "Kleider machen Leute?!" Bildrechte: Tuchfabrik Gebr. Pfau / Marion Kaiser

Wo & Was Sächsisches Industriemuseum: Tuchfabrik Gebrüder Pfau
Leipziger Straße 125
08451 Crimmitschau

Geöffnet von 10:00 bis 17:00 Uhr
Führungen 10:00 und 14:00 Uhr durch die Produktionsräume, 16 Uhr durch die Ausstellung "Kleider machen Leute?!" mit Kuratorin Constanze König.
Schüler des Crimmitschauer Julius-Motteler Gymnasiums haben sich mit der Frage beschäftigt, wie heute Kleidung produziert, verkauft, konsumiert und recycelt wird.

Dresden: Villa Mary Wigman

Villa Wigman
Soll als kulturhistorischer Ort erhalten bleiben: Die Villa Mary Wigmans Bildrechte: Villa Wigman für TANZ e.V.

Mary Wigman gilt als Wegbereiterin des rhythmisch-expressiven Ausdruckstanzes, der als New German Dance berühmt wurde. Die historistische Villa in der Bautzner Straße diente der Tänzerin, Tanzpädagogin und Choreografin Mary Wigman von 1920-1943 als Wohn- und Wirkungsstätte. Dort begründete sie eine eigenständige moderne Tanzausbildung. Dazu erweiterte Otto Geiler das Gebäude 1927 um einen Verbindungsbau mit zwei Tanzstudios und einen 200 Quadratmeter großen Saal. Für eine besondere Atmosphäre sorgt die expressive Farbgestaltung der Innenräume.

Nur zum Tag des offenen Denkmals ist das Haus geöffnet, um das sich ein Verein bemüht. Ziel ist der Erhalt und Ausbau des ehemaligen Schulgebäudes "als kulturhistorischer Ort sowie Proben-, Produktions- und Vermittlungszentrum für den zeitgenössischen Tanz und weiterer Freier Darstellender Künste".

Wo & Was Villa Mary Wigman
Bautzner Straße 107
01099 Dresden

Führungen: 11:00 und 13:00 Uhr, Dauer ca. 1 Std.

Görlitz: Kaufhaus zum Strauss

Historisches Kaufhaus Zum Strauß in Görlitz
Kaufhaus Zum Strauß in Görlitz Bildrechte: imago images / imagebroker

Das 1913 errichtete Warenhaus zählt zu den bedeutendsten Jugendstilbauten von Görlitz. Beeindruckend ist der von einer Glasdachkonstruktion überwölbte Innenraum sowie die Qualität der Ausstattung in ihrer modernen Formensprache.

Wo & Was Kaufhaus zum Strauss
An der Frauenkirche 5-7
02826 Görlitz

Geöffnet von 10:00 bis 18:00 Uhr, nur am Tag des offenen Denkmals

Grimma-Großbothen: Wilhelm Ostwald Park

Die einstige Wohn- und Wirkungsstätte des Nobelpreisträgers Wilhelm Ostwald (1853-1932) ist heute ein Museum, gelegen in einem riesigen Park. Kinder können dort selbst experimentieren – am Tag des offenen Denkmals auch draußen auf der Wiese beim Saftpressen!

Ostwald erhielt 1909 den Nobelpreis für Chemie für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Katalyse, machte sich aber auch einen Namen als Naturphilosoph. Nach seiner Professorenzeit an der Universität Leipzig zog er mit seiner Familie auf das sieben Hektar große Anwesen ins "Haus Energie". Im Museumsbestand befinden sich neben der original erhaltenen Bibliothek mit ca. 14.000 Titeln, selbstgebauten wissenschaftlichen Geräten und Arbeitsinstrumenten auch 4.000 Gemälde und Studienblätter sowie Objekte zur Farbenlehre. Das außergewöhnlichste Objekt ist ein Doppelkegel mit 680 verschiedenen Farbquadraten, dass Ostwald zur Illustration seiner Farbenlehre selbst herstellte. Orientiert an Ostwalds internationalem Wirken etwa in Harvard ist der wissenschaftliche und kulturelle Austausch Ziel der Einrichtung.

Wo & Was Wilhelm Ostwald Park
Grimmaer Straße 25
04668 Grimma / OT Großbothen

Geöffnet von 9:00 bis 17:00 Uhr

Aktion: Saftpressen auf Wilhelm Ostwalds Streuobstwiese: Wie wird eigentlich der Apfel am Baum zu Saft? Und wie kommt der Saft in Flaschen oder Tetrapaks? Kinder im Vor- und Grundschulalter sind eingeladen, diesen Fragen auf den Grund zu gehen. Es wird gewaschen, zerkleinert, gepresst und anschließend abgefüllt.

Leipzig: Stadtteilbibliothek "Georg Maurer" in Plagwitz und "Walter Hofmann" in der Südvorstadt

Die "Georg-Maurer"-Bibliothek wurde 1929 als erster Bibliothekszweckbau der Stadt Leipzig eröffnet. Entworfen wurde das Gebäude im Bauhausstil durch den Architekten Otto Fischbeck. Die Stadtteilbibliothek in der Südvorstadt wurde 1915 vom Dresdner Bibliothekar Walter Hofmann als öffentliche Bücherei gegründet. 1930 zog diese II. Städtische Bücherhalle Leipzigs in die Steinstraße. Das im Bauhausstil errichtete Gebäude wurde speziell für die Bibliothek geplant. Als eine der großen Leipziger Stadtteilbibliotheken ist sie ein wichtiger kultureller Treffpunkt.

Wo & Was Stadtteilbibliothek Plagwitz
Zschochersche Straße 14
04229 Leipzig-Plagwitz

Führung 11:00 Uhr, Thema: Entdecke das Bauhaus!

Stadtteilbibliothek Südvorstadt
Steinstraße 42
04275 Leipzig

Führung 11:00 Uhr, Thema: Entdecke das Bauhaus!

Löbau: Haus Schminke & Anker-Teigwarenfabrik

Das Haus Schminke in Löbau sieht aus wie ein Ozeandampfer, gestrandet in der Oberlausitz. Es ist eines der schönsten Häuser der architektonischen Moderne und steckt voller Geschichten: von Kindern, die durch Bullaugen schauen, von leidenschaftlichem Tanz und von der Familie eines architekturverrückten Nudelfabrikanten, Fritz Schminke, und seinem genialen Baumeister, Hans Scharoun, nach dessen Plänen das Haus zwischen 1930 und 1933 errichtet wurde.

Besichtigen lässt sich auch die ehemalige Anker-Teigwarenfabrik. Das Gebäude und ehemalige Unternehmen ist im Zusammenhang mit dem Haus Schminke zu sehen und trägt in einigen Details die Handschrift von Hans Scharoun. Nach vielen Jahren des Leerstands und Verfalls wurde das Gebäude von der Stadt Löbau erworben. Zukünftig soll dort ein Begegnungsort mit Fokus auf Kultur und Architektur entstehen.

Wo & Was Haus Schminke - Förderprojekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
Kirschallee 1b
02708 Löbau

Geöffnet von 15:00 bis 18:00 Uhr
Führungen stündlich, Kinder können das Haus mit "Entdeckerbogen" erkunden.

Anker-Teigwarenfabrik
Äußere- Bautzner- Straße 30
02708 Löbau

Geöffnet von 15:00 bis 17:00 Uhr
Zu sehen sind Exponate, Fotos, Schriftgut zur Aufarbeitung der Geschichte der Nudelfabrik, zu hören sind Vorträge zur Nudelproduktion in Löbau und zum Wirken von Hans Scharoun in Löbau.

Bildergalerie Zeugnis der Moderne: Haus Schminke in Löbau

Das Haus Schminke in Löbau gilt als Leitbau der Moderne. Werfen Sie einen Blick in das 1933 fertiggestellte Haus des Architekten Hans Scharoun.

Haus Schminke Löbau
Das Haus Schminke von Hans Scharoun zählt zu den weltweit vier herausragenden Beispielen der Stilrichtungen "Neues Bauen" und "International Style". Neben dem Löbauer Haus Schminke gelten das Haus Tugenhat von Mies van der Rohe in Brünn, die Villa Savoye von Le Corbusier in Poissy bei Paris sowie das Haus Kaufmann "Fallingwater" in Mill Run in Pennsylvania von Frank Lloyd Wright zu den herausragenden Zeugnissen moderner Architektur. Bildrechte: Stiftung Haus Schminke/ Ralf Ganter
Haus Schminke Löbau
Das Haus Schminke von Hans Scharoun zählt zu den weltweit vier herausragenden Beispielen der Stilrichtungen "Neues Bauen" und "International Style". Neben dem Löbauer Haus Schminke gelten das Haus Tugenhat von Mies van der Rohe in Brünn, die Villa Savoye von Le Corbusier in Poissy bei Paris sowie das Haus Kaufmann "Fallingwater" in Mill Run in Pennsylvania von Frank Lloyd Wright zu den herausragenden Zeugnissen moderner Architektur. Bildrechte: Stiftung Haus Schminke/ Ralf Ganter
Haus Schminke Löbau
Alle vier Häuser wurden exakt auf die Bedürfnisse ihrer Bauherren zugeschnitten und beziehen die umgebende Natur ein. 26 Jahre nach seiner Fertigstellung wurde das Haus Schminke als revolutionär geltendes Architekturwerk der Moderne denkmalrechtlich erfasst und 1978 schließlich unter Denkmalschutz gestellt. Bildrechte: Stiftung Haus Schminke/ Ralf Ganter
Haus Schminke Löbau
Hans Scharoun entwarf das Haus 1930 für den Löbauer Nudelfabrikanten Fritz Schminke, der sich "ein modernes Haus für zwei Eltern, vier Kinder und gelegentlich ein bis zwei Gäste" wünschte. Die Umsetzung ist extravagant und funktionell zugleich. Bildrechte: Stiftung Haus Schminke/ Ralf Ganter
Haus Schminke Löbau
Weite und Transparenz sowie vielfältige Gestaltungselemente prägen das Raumerlebnis. Sie wurden eigens für das Haus entwickelt und setzen durch Form und Farbe besondere Akzente. Bildrechte: Stiftung Haus Schminke/ Ralf Ganter
Haus Schminke Löbau
Im Wohnbereich gehen die Räume fließend ineinander über. Großzügige Glasflächen beziehen den Garten als erweiterten Wohnraum mit ein. Bildrechte: Stiftung Haus Schminke/ Ralf Ganter
Haus Schminke Löbau
Die Gartenanlage gestaltete Herta Hammerbacher als ein dynamisches Verbindungsglied zwischen Architektur und Landschaft. Bildrechte: Stiftung Haus Schminke/ Ralf Ganter
Haus Schminke Löbau
Architekt Hans Scharoun war ein Verfechter der sogenannten Organform. Er sah darin die Möglichkeit, dass der in dem Haus lebende Mensch seine individuellen Kräfte besser entfalten kann. Bildrechte: Stiftung Haus Schminke/ Ralf Ganter
Haus Schminke Löbau
Die Wirtschaftsräume mit Frankfurter Küche und der Schlafbereich sind im Gegensatz dazu bewusst spartanisch gehalten - mit leicht zu reinigenden Oberflächen und platzsparenden Einbauschränken. Bildrechte: Stiftung Haus Schminke/ Ralf Ganter
Haus Schminke Löbau
Der gebogene Korpus mit Terrassen, Außentreppe und zahlreichen runden Bullaugenfenstern weckt die Assoziation zu einem Schiff. Bildrechte: Stiftung Haus Schminke/ Ralf Ganter
Haus Schminke Löbau
In den vergangenen Jahren hat das Haus Schminke immer mehr Besucher aus aller Welt angezogen. Nun soll es ein internationales Informationszentrum für Gebäude des "Neuen Bauens" werden. Dabei sollen international bedeutende Gebäude des "Neuen Bauens" von deutschen und tschechischen Forschungseinrichtungen gemeinsam untersucht und als touristische Bausteine grenzübergreifend vernetzt und erlebbar gemacht werden. Bildrechte: Stiftung Haus Schminke/ Ralf Ganter
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Meißen: Jahnhalle

Die heute denkmalgeschützte Jahnturnhalle wurde 1895 in kurzer Bauzeit mit hohem bürgerschaftlichem Engagement erbaut. Prägend für das Jugendstilgebäude ist das Tonnengewölbe mit umlaufender Galerie. Nach jahrelangem Verfall wird das Gebäude derzeit von der Bürgerstiftung Meißen denkmalgerecht saniert.

Wo & Was Jahnhalle
Schreberstraße 5
01662 Meißen

Geöffnet von 11:00 bis 16:00 Uhr
Hallenbesichtigung und Führungen, Thema: Gemeinsam mehr bewegen: Baugeschichte und gegenwärtige Vorhaben

Weißwasser: Neufert-Bau

100 Jahre Bauhaus werden in diesem Jahr gefeiert - an zahlreichen Orten und auch im sächsischen Weißwasser, wo in den 30er- und 40er-Jahren die Bauhaus-Schüler Wilhelm Wagenfeld und Ernst Neufert gewirkt haben. Allerdings ist das nur wenigen bekannt und am Allerwenigsten den Weißwasseranern selbst. Ein Kunstprojekt versucht jetzt, den Bauhaus-Geist wieder in die Stadt zurückzuholen, die einst ein Zentrum der Glas- und Braunkohleindustrie war. Zu besichtigen ist am Tag des offenen Denkmals u. a. Neuferts Glas-Lagerhalle, ein Stahlskelettbau mit Glasbaustein-Lichtband, errichtet 1936.

Wo & Was Neufert-Bau
O.L. Dr.- Altmann- Straße 2a
02943 Weißwasser

Geöffnet von 15:00 bis 17:00 Uhr
Führungen: halbstündlich

"Norm, Gestaltung, Alltag. Das Erbe des Bauhausgedankens und die Spuren von Neufert und Wagenfeld" werden im performativen Projekt "Modellfall Weißwasser oder Das Maß aller Dinge" thematisiert. Mit Musik, Bewegung, Text und Bild. Gefördert von der Kulturstiftung des Bundes und Freistaat Sachsen.

Zittau: Altstadt - Aufbruch in moderne Zeiten

Das Rathaus und der Marsbrunnen auf dem Marktplatz von Zittau
Rathaus und Marsbrunnen auf dem Markt Zittau Bildrechte: dpa

Ein Gang zu Bauten und Kunstwerken in der Zittauer Innenstadt, an denen sich noch heute vergangene geistes- und kunstgeschichtliche Umbrüche manifestieren.

Auskunft gibt Thorsten Pietschmann, Ortskurator Zittau der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Wo & Was Führungen 10:30 und 13:00 Uhr, Dauer 45 Min.
Max. 20 Personen
Treffpunkt: Auf dem Marktplatz, Markt X

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. September 2019 | 09:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. September 2019, 04:00 Uhr

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