Intendant Hillmann im Gespräch Festival "Ich.Stadt.Wir": Theater Bautzen will Ort der Begegnung sein

Mit Tschechows "Drei Schwestern", die sich aus Bautzen wegsehnen, beginnt das Festival am Abend. Das Miteinander in der Stadt mit dem ramponierten Image steht im Mittelpunkt. Intendant Hillman will dagegen etwas unternehmen und sein Haus mit Aufführungen, Workshops und Performances bis Sonntag zu einem Ort der Begegnung machen.

Das menschliche Miteinander in Bautzen steht im Mittelpunkt des Theaterfestivals, das am Donnerstag unter dem Motto "Ich.Stadt.Wir" beginnt. Intendant Lutz Hillmann erklärte im Gespräch mit MDR KULTUR, die Aufführungen und Workshops zielten darauf, die Vielfalt zu feiern, für Begegnungen zwischen Einheimischen und Geflüchteten zu sorgen und so das vorherrschende Bild von der Stadt mit den rechten Umtrieben zu durchbrechen.

Theater als Ort der Begegnung und Reise ins "Land, das ich nicht kenne"

Eröffnet wird das Festival am Abend mit Tschechows "Drei Schwestern", die sich aus Bautzen wegsehnen. Laiendarsteller bringen ihre Erfahrungen ein. Hillmann sagt dazu, manche, vor allem junge Leute hätten sich aus Bautzen nicht nur weggewünscht, sondern die Stadt tatsächlich verlassen: "Wir müssen unbedingt etwas tun, damit das wieder anders wird."

Szene aus Das Land, das ich nicht kenne.
Film- und Theaterprojekt von Georg Genoux Bildrechte: Theater Bautzen

Er verstehe das Theater als einen Ort der Begegnung, "an dem man Dinge durchspielt, wie sie sein könnten", um sie für andere emotional nachvollziehbar zu machen und so Empathie zu erzeugen.

So sei der Hamburger Regisseur Georg Genoux für sein interdisziplinäres Film- und Theaterprojekt "Das Land, das ich nicht kenne" durch Sachsen gereist, um Menschen aus unterschiedlichen Generationen und Kulturkreisen zusammenzubringen, damit sie sich gegenseitig aus ihrem Leben erzählen. Beim Festival würden ältere Bautzener auf junge Menschen mit Fluchterfahrungen treffen.

Raus aus einfachen Denkmustern

Die Idee zum "Willkommen anderswo-Festival" in Bautzen war 2016 auf dem Höhepunkt der sogenannten Flüchtlingskrise entstanden. Inzwischen nimmt es die ganze Stadtgesellschaft in den Blick. Die Frage, ob er das Theater als Ort mit einer sozialen Aufgabe sehe, bejaht Intendant Lutz Hillmann. Die Hoffnung, etwas ändern zu können, sei natürlich da, "sonst könnten wir nicht weiterarbeiten". Die Gesellschaft leide am Pauschalieren, findet Hillmann: "Wir müssen raus aus einfachen Denkmustern." Das Theater sieht er als Ort, den Blick zu weiten, weil es ganz individuelle Schicksale; Menschen in ihren Sorgen und Nöten zeige, die so ein Gesicht bekämen.

Theater Bautzen, Großes Haus
Theater als Ort der Begenung Bildrechte: Theater Bautzen / Foto: Brigitte Zimmermann

Ein Neutralitätsgebot sieht Hillmann nicht. Angesprochen auf den Protest der AfD gegen eine Diskussionsrunde am Mittelsächsischen Theater in Freiberg, die sich mit rechtspopulistischen "Angstpredigern" befasste, erklärt Hillmann, es sei ein unerhörter Vorgang, dass der Bürgermeister der Stadt daraufhin eingeknickt sei und dem Theater derartige Veranstaltungen verboten habe. So etwas könne er sich für Bautzen nicht vorstellen. Für das Programm eines Hauses sei der Intendant mit seinem Team zuständig. Es gelte die Freiheit der Kunst. Manche Dinge würden jetzt in Sachsen wohl aus Angst im Blick auf die kommende Landtagswahl gesagt. Doch das Herumlavieren zwischen den Haltungen bringe nichts. Man müsse klare Kante zeigen und sich als CDU auf das "C" im Namen besinnen. Dann könnten sich die Menschen auch zuordnen.

Theater muss überhaupt nicht neutral sein.

Lutz Hillmann, Intendant in Bautzen

Laientheater, Workshops, Performances bis Sonntag

Szene aus Teenage Widerstand.
"Teenage Widerstand" aus Leipzig Bildrechte: Tom Schulze

Zum Programm des Festivals bis zum Sonntag gehören zwei weitere Theaterproduktionen von Laien-Darstellern aus Nürnberg und Leipzig. Der Jugendclub des Theaters der Jungen Welt aus Leipzig zeigt "Teenage Widerstand" und setzt sich in dem Stück mit dem Thema Jugendprotest auseinander - angefangen bei den Leipziger Meuten in den 1930er-Jahren, die sich der NS-Propaganda entzogen, bis hin zu Greta Thunberg und "Fridays for future". Die Nürnberger laden ins "Gefühlslabor". Die Bautzener sind während des Festivals zu Workshops und Performances eingeladen.

Das könnte Sie auch interessieren

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 16. Mai 2019 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2019, 10:50 Uhr

Meistgelesen bei MDR KULTUR

Abonnieren