Premiere "Tod der Treuhand" – Kollektive Aufarbeitung am Theater Magdeburg

Die Abwicklung von Betrieben durch die Treuhand zum Ende der DDR war für viele Menschen ein einschneidendes Erlebnis. Währenddessen wissen die Nachwendegeneration und Menschen aus anderen Regionen kaum etwas über die Vorgänge von damals. Junge Theaterschaffende haben sich im Kollektiv in Magdeburg an das historische Thema gewagt. Entstanden ist daraus das Stück "Tod der Treuhand".

Darsteller auf der Bühne im Theaterstück: "Tod der Treuhand".
Eine versunkene Unterwasserwelt und Anzugtragende treffen in "Tod der Treuhand" aufeinander. Bildrechte: Nilz Böhme

Am Theater Magdeburg haben sich junge Theaterschaffende an das historische Thema Treuhand gewagt. Im Kollektiv ist so die Inszenierung "Tod der Treuhand" entstanden.

Die Familie verstehen

Regisseurin Carolin Millner entwickelte zuletzt eine ganze Pentalogie zu 40 Jahren Ostgeschichte. Für das aktuelle Stück "Tod der Treuhand" am Theater Magdeburg hat sie sich intensiv mit dem Thema Treuhand befasst. Inspiration dazu fand sie in der eigenen Familiengeschichte: "Ich bin in die letzten Atemzüge der DDR hineingeboren. Das heißt, ich habe davon wirklich nicht mehr viel mitbekommen", erzählt die Hallenserin.

"Aber natürlich sind meine Eltern, Großeltern und Urgroßeltern alle durch die DDR geprägt worden und haben zu dieser Generation gehört, die dieses Land mit aufgebaut haben und die auch daran geglaubt haben." Antworten auf ihre Fragen bekam sie kaum und begann deshalb vor vier Jahren damit, sich künstlerisch mit der DDR auseinanderzusetzen. Sie habe sich bewusst für einen nicht-dokumentarischen Ansatz entschieden, um das Publikum nicht mit Fakten zu überfordern.

Die DDR als versunkene Welt

Das Bühnenbild grenzt die politischen Zustände voneinander ab: Die DDR wird als Unterwasserwelt gezeigt und soll an eine untergegangene Welt erinnern. Das neue System wird hingegen von Anzugtragenden dargestellt. Die Handlung wird um ein Kollektiv aus Mitarbeitern des Schwermaschinenbau-Kombinats "Ernst Thälmann" (SKET) in Magdeburg regional verortet. Anhand von persönlichen Geschichten, die von den Magdeburger Schauspielschaffenden verkörpert werden, soll so das Lebensgefühl der Nachwendezeit erlebbar werden.

Die DDR ist im Stück "Tod der Treuhand" eine versunkene Unterwasserwelt.
Bildrechte: Nilz Böhme

Informationen zum Stück "Tod der Treuhand"
Schauspielhaus Studio
Otto-von-Guericke-Str. 64
39104 Magdeburg

Text, Regie: Carolin Millner
Bühne, Kostüme: Maylin Habig
Musik: Jacob Bussmann
Dramaturgie: Caroline Rohmer
Mit: Iris Albrecht, Anja Signitzer, Isabel Will, Christoph Förster, Philip Heimke, Jacob Bussmann

Termine:
Premiere am 25. September, 19:30 Uhr
2. Oktober, 20 Uhr
24. Oktober 20 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 25. September 2020 | 08:40 Uhr