Neu im Kino "Traumfabrik" – oberflächliche Darstellung der DEFA als Hollywood der DDR

In "Traumfabrik" erzählt Regisseur Martin Schreier die Liebesgeschichte eines Komparsen, der sich hoffnungslos verliebt. Schauplatz sind die DEFA-Studios der 60er-Jahre. Filmkritiker Knut Elstermann ist nicht überzeugt.

von Knut Elstermann, MDR KULTUR-Filmkritiker

Traumfabrik 2 min
Bildrechte: Tobis Film/Julia Terjung

02:25 min

https://www.mdr.de/kultur/videos-und-audios/video-sonstige/trailer-traumfabrik-defa-100.html

Rechte: Tobis Film

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In den DEFA-Studios entsteht Anfang der 60er-Jahre eine Koproduktion DDR/Frankreich – was es übrigens in Babelsberg eine zeitlang wirklich gab. Dabei verliebt sich der tollpatschige Komparse Emil (Dennis Mojen) in die zauberhafte, französische Tänzerin Milou (Emilia Schüle). Nach dem Mauerbau bringt er erstaunlicherweise einen monumentalen Cleopatra-Film auf den Weg und so die Geliebte wieder zurück nach Babelsberg.

Die DEFA wird in dieser ersten Produktion der neugegründeten Babelsberger Firma "Traumfabrik" vollkommen unhistorisch und reichlich oberflächlich mit dem schillernden Hollywood-Studiosystem gleichgesetzt, während die durchweg graue, politische Realität rettungslos repressiv erscheint. In diesem Widerspruch geht der reale, zeitgeschichtliche Bezug verloren. Trotz der liebenswerten Hauptdarsteller kommen weder die schwache Liebesgeschichte noch das überzeichnete Studioporträt jemals über Klischees hinaus. Es fehlen diesem Filmmusical Schwung, Witz und Esprit – wie ein Spitzentanz mit Bleischuhen.

Genre: Drama, Romanze
Regie: Martin Schreier
Darsteller: Emilia Schüle, Dennis Mojen, Ken Duken, u.a.
Im deutschen Kino ab: 04.07.2019
Produktionsland: Deutschland
Bewertung: ★ ★ ☆ ☆ ☆ (2 von 5 Sternen)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 04. Juli 2019 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Juli 2019, 04:00 Uhr

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