Filmstart "Über die Unendlichkeit" – Das Absurde unseres Daseins

Knut Elstermann
Bildrechte: Jochen Saupe

Mit "Über die Unendlichkeit" setzt der Schwede Roy Andersson sein eigenwilliges Lebenswerk fort: Er baut Studiowelten, die realistisch und zugleich merkwürdig fremd wirken und zum Teil an Gemälde von Marc Chagall erinnern. Er erzählt vom Vater, der im strömenden Regen seiner Tochter die Schuhe zubindet, von Soldaten, die in eisiger Kälte in die Gefangenschaft gehen, von einem Liebespaar, das über dem zerstörten Köln schwebt. Alle Geschichten verbindet die Vergeblichkeit des menschlichen Tuns.

Eigentlich hat man (Jan Eje Ferling) doch alles erreicht und keinen Grund, sich zu ärgern. Aber der ehemalige Klassenkamerad hat sogar noch promoviert!
Eigentlich hat man (Jan Eje Ferling) doch alles erreicht und keinen Grund, sich zu ärgern. Aber der ehemalige Klassenkamerad hat sogar noch promoviert! Bildrechte: Neue Visionen Filmverleih

Nachdem der schöne Film im Lockdown verschwunden war, erhält er jetzt erfreulicherweise eine zweite Chance: Der Schwede Roy Andersson setzt damit sein eigenwilliges Lebenswerk fort und bleibt seiner unverwechselbaren Methode treu: Er baut im Studio Welten, die vollkommen realistisch und zugleich merkwürdig fremd wirken. Nach dem Abschluss seiner großen Trilogie über das Wesen der menschlichen Existenz, hat er jetzt mit "Über die Unendlichkeit" einen Film gedreht, der weniger komisch als sein grandioser Vorgänger ist: "Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach" (2014), dafür aber eine ganz eigene Poesie hat.

Die Vergeblichkeit unseres Tuns

Ein Schuh, der bricht. In Roy Anderssons Filmen tun sich immer wieder Risse in den kleinen Selbstverständlichkeiten des Alltags auf
Ein Schuh, der bricht. In Roy Anderssons Filmen tun sich immer wieder Risse in den kleinen Selbstverständlichkeiten Bildrechte: Neue Visionen Filmverleih

Mit sehr deutlichen Bezügen zur europäischen Malerei, zu Otto Dix und Marc Chagall, erzählt er vom Vater, der im strömenden Regen seiner Tochter die Schuhe zubindet, von Soldaten, die in eisiger Kälte in die Gefangenschaft gehen, von einem Liebespaar, das über dem zerstörten Köln schwebt. Roy Anderssons neuer Film beschwört mit faszinierenden Episoden zwischen Alltäglichkeit und großer Geschichte die Vergeblichkeit des menschlichen Tuns, das Absurde unseres begrenzten Daseins in der Unendlichkeit.

Geschichte und Unendlichkeit: Roy Andersson zwingt sie immer wieder in ein und demselben Bild zusammen
Geschichte und Unendlichkeit: Roy Andersson zwingt sie immer wieder in ein und demselben Bild zusammen Bildrechte: Neue Visionen Filmverleih
Genre: Drama, Fantasy
Regie: Roy Andersson
Besetzung: Martin Serner, Tatiana Delaunay, Anders Hellström
Im deutschen Kino ab: 17.09.2020
Produktionsland: Schweden, Deutschland, Norwegen
Bewertung: ★ ★ ★ ★ ☆ (4 von 5 Sternen)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. September 2020 | 08:10 Uhr

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