Filmkritik Deutscher Oscar-Kandidat: "Und morgen die ganze Welt" – Eine junge Frau im radikalen Kampf gegen Rechts

Knut Elstermann
Bildrechte: Jochen Saupe

Jurastudentin Luisa ist alarmiert vom Rechtsruck im Land und möchte sich klar gegen die neue Rechte positionieren. Schnell findet sie in der linken Szene Freunde muss jedoch entscheiden, wie weit zu gehen sie bereit ist – auch wenn das fatale Konsequenzen für sie und ihre Freunde haben könnte. Der Film mit Mala Emde, der als deutscher Beitrag für die Oscars ausgewählt wurde, lief bereits als im Wettbewerb vom Filmfestival von Venedig 2020 und ist jetzt im Kino zu sehen.

Szenen aus - Und morgen die ganze Welt
Szene aus "Und morgen die ganze Welt" Bildrechte: Alamode Film

"Und morgen die ganze Welt" soll für Deutschland ins Rennen um den Oscar als bester internationaler Film geschickt werden. Das gab eine Experten-Jury von German Films am Donnerstagabend bekannt. Das Polit-Drama setzte sich damit gegen neun andere Filme durch.

Bereits beim Filmfest in Venedig

"Und morgen die ganze Welt", der auch schon der deutsche Wettbewerbsbeitrag in Venedig 2020 war, erzählt von Luisa (sehr überzeugend: Mala Emde), einer behütet aufgewachsenen Jurastudentin, die in ihrer Wohngemeinschaft in Kontakt mit der Antifa kommt und sich dort immer stärker gegen eine rechtspopulistische Partei und ihre neofaschistischen Unterstützer engagiert. Die Aktionen werden immer gefährlicher, immer tiefer dringen Luisa und ihre Freunde in ein Neonazi-Komplott ein. Die einzelnen Figuren in diesem packenden Film stehen dabei für unterschiedliche persönliche Strategien, für Gewaltverzicht oder Radikalisierung, für Formen des Widerstandes, der hier bei aller erkennbaren, politischen Sympathie nicht immer frei von Selbstgerechtigkeit erscheint.

Autobiografische Anleihen

Szenen aus - Und morgen die ganze Welt
Szenenbild aus "Und morgen die ganze Welt" Bildrechte: Alamode Film

Der Film von Julia von Heinz ("Ich bin dann mal weg"), der einige autobiografische Züge hat, bleibt als große, offene Frage noch lange in Erinnerung, als ein ehrliches Nachdenken über die persönlichen Entscheidungen für politische Ziele, aber auch über die richtigen, angemessenen Mittel im notwendigen Kampf gegen den Rechtsruck im Land.

Oscar-Entscheidung im kommenden Jahr

Ob der Film auch wirklich für einen Oscar nominiert wird, entscheidet sich am 5. Februar 2021. Dann gibt die Oscar Academy bekannt, welche fünf internationalen Produktionen für den "Auslands-Oscar" ausgewählt wurden. Die Verleihung der Academy Awards findet im kommenden Jahr am 25. April statt.

Genre: Drama/Thriller
Regie: Julia von Heinz
Besetzung: Mala Emde, Noah Saavedra, Tonio Schneider
Im deutschen Kino ab: 29.10.2020
Produktionsland: Deutschland, Frankreich
Bewertung: ★ ★ ★ ★ ☆ (4 von 5 Sternen)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. Oktober 2020 | 07:40 Uhr

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