Filmkritik "Der unverhoffte Charme des Geldes": Kapitalismuskritische Kriminalkomödie

Ein junger Lieferant bekommt zufällig die Millionen eines Bankraubs. Was nun? Mit viel Humor wirft der kanadische Regisseur Denys Arcand im Film "Der unverhoffte Charme des Geldes" einen kritischen Blick auf die heutige Gesellschaft und das kapitalistsiche System und erinnert an die großen Fragen von Bertolt Brecht. Eine Kritik.

Knut Elstermann
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von Knut Elstermann, MDR KULTUR-Filmkritiker

Der unverhoffte Charme des Geldes 1 min
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00:52 min

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Der kanadische Regisseur Denys Arcand hat mit Filmen wie "Der Untergang des amerikanischen Imperiums" (1986), "Jesus von Montreal" (1989) oder "Invasion der Barbaren", für den er 2003 den Oscar erhielt, Kultstatus erworben. Auch in seinem neuesten Film bleibt der Altmeister des Autorenfilms seinem Thema treu: Er wirft mit seinem sehr eigenen Humor einen kritischen Blick auf die heutige Gesellschaft.

Betrüger betrügen Betrüger

Pierre-Paul, ein junger, promovierter Philosoph (sehr sympathisch in seiner Schüchternheit: Alexandre Landry), der sich als Lieferant über Wasser hält, gerät zufällig in den Besitz eines Millionenraubs. Mit Verbündeten wie einer Edelprostituierten und einem Ex-Knacki (der zugleich ein genialer Finanzjongleur ist), ständig verfolgt von harten Ganoven und Polizisten, nutzt der überzeugte Humanist die komplizierten Mechanismen des von ihm verachteten Kapitalismus, um seinen plötzlichen Reichtum zu retten und nutzen. Und natürlich sind wir immer auf seiner Seite und hoffen sehr, dass er damit durchkommt, denn schließlich betrügt er nur die Betrüger.  

Man muss bei dieser leisen, elegant inszenierten und schön gespielten Kriminalkomödie an Brecht denken und seine noch heute gültige Frage, was der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank sei.

Genre: Komödie, Krimi
Regie: Denys Arcand
Darsteller: Alexandre Landry, Maripier Morin. u.a.
Im deutschen Kino ab: 01.08.2019
Produktionsland: Kanada
Bewertung: ★ ★ ★ ☆ ☆ (3 von 5 Sternen)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 01. August 2019 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. August 2019, 04:00 Uhr

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